Der wohl populärste Pfarrer Münchens Pfarrer Rainer Maria Schießler, der vor kurzem sein neuestes Buch mit dem Titel „Jessas, Maria und Josef“ auf den Markt gebracht hat, plädierte am vergangenen Mittwoch bei einem Vortrag mit dem Titel „Gott zwingt nicht, er begeistert“ in der vollbesetzten Piuskirche in Ingolstadt für eine offenere, moderne katholische Kirche ohne Furcht. Darüber berichtete der Donaukurier.

Mit Blick auf das Verständnis von Kirche als ‚Gemeinschaft der Gläubigen‘ fordert er eine Kirche, die weniger Institution und vielmehr lebendige Gemeinschaft ist. Dazu gelte es, das „wunderbare Zusammenspiel aller Kräfte in den Kirchengemeinden zu stärken“, mit mehr Eigenverantwortung für die Laien sowie mit Frauen als Konzelebrantinnen. Schießler betonte diesbezüglich:

„Denn jeder ist Gemeinde!“

Der 58-jährige zeigte sich auch in diesem Vortrag als Mann voller Optimismus. Während andere im Status Quo verharren und mit finsterer Mine beklagen, dass viele Menschen nur noch an Weihnachten in die Kirche gehen, richtet Schießler den Blick auf das, worauf er ansetzen kann. So sei es schon in Ordnung, wenn einer nur an Weihnachten in die Kirche gehe. Denn das sei immer noch besser als nie.

Auch bei diesem Vortrag zeigte sich Rainer Maria Schießler als bunter Hund, der anders ist als die ewig Gestrigen: Von emotional und sensibel, Worte für Leid geprüfte Gläubige findend, bis hin zu progressiv-provokant. So erfährt das Publikum, dass es dem Seelsorger eine Herzensangelegenheit ist, Kindern mit geistiger Behinderung, so gut er kann, die Liebe Gottes näherzubringen. Genauso aber traut er sich an Themen, die gegenwärtig (noch) tabu erscheinen und sagt:

„Ich segne seit 30 Jahren homosexuelle Paare.“

Genau hier zeigt Schießler, wenn er auch mal Grenzen überschreitet, was sein Anliegen ist. Im Donaukurier wird der von Schießler geforderte Perspektivwechsel wie folgt beschrieben: ‚raus aus der geistigen Welt der Angst, der Schuld, der Pflichten, des Zwangs und der Dogmen. Er möchte dazu beitragen, einen Begriff von Gott zu überwinden, der Furcht einflößt. Er strebt eine katholische Kirche an, deren Mitglieder gemeinsam den Auftrag ‚Diese Welt zum Himmel machen‘ erfüllen.‘

Dazu fordert der Münchner Pfarrer eine Kirche, „die uns zuerst zuhört“.

Dazu brauche es Pfarrer, „die keine theologischen Vorlesungen halten, sondern die verstehen, was das Leben betrifft. Denn darum geht es hier: Ums Leben. Und ums Sterben. Und um die Hoffnung.“

Quelle: donaukurier.de