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Der international ausgewiesene Biophysiker und Bestsellerautor Markolf H. Niemz verknüpft in seinen Büchern Erkenntnisse aus der Naturwissenschaft mit Spiritualität und Religion. So etwa in seinem Bestseller „Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit.“ aus dem Jahr 2011 oder in seinem Buch „Sinn – Ein Physiker verknüpft Erkenntnis mit Liebe.“ aus dem Jahr 2013. Im vergangenen Sommer hat der 56-jährige Physikprofessor ein neues Buch mit dem Titel „Die Welt mit anderen Augen sehen – Ein Physiker ermutigt zu mehr Spiritualität“ (Gütersloher Verlagshaus, Juli 2020) auf den Markt gebracht, in dem er die These aufstellt, dass die Liebe eine universelle Urkraft wie Elektromagnetismus oder Gravitation sei. Darüber sprach der evangelische Christ aktuell im Interview mit Deutschlandfunk Kultur.

Wie heutzutage einige große Wissenschaftler wie etwa Francis Collins, Harald Lesch, John Lennox oder Heino Falcke verkörpert auch Markolf Niemz eine lebendige Gegenthese zur öffentlichen Meinung, in der (immer noch) oft das Klischee gilt, dass der Prototyp des modernen Naturwissenschaftlers Atheist sein müsse.

Für Markolf Niemz sind wie auch für die anderen genannten Wissenschaftler Wissen und Glauben keinesfalls unterschiedliche Sichtweisen. So betont Niemz:

„Wissen und Glauben sind zwei Sichtweisen auf die eine Wirklichkeit.“

Grundanliegen seines neuen Buches ist es, den Nachweis zu führen, dass eine wissenschaftliche Weltsicht und eine Anschauung der Dinge mit den Augen des religiösen Glaubens sich nicht nur nicht widersprechen, sondern einander bereichern, weil sie sich zu einer ganzheitlichen Erfahrung der Realität ergänzen.

Im Interview mit Christopher Ricke für Deutschlandfunk Kultur sprach Markolf Niemz am 22.11.2020 über Gott, Liebe und Physik. Darin berichtete er, dass die Dimension Ewigkeit für ihn zum ersten Mal spannend wurde, als er sich als Student in einem Seminar mit Einstein’s Relativitätstheorie auseinandersetzte und dabei erkannte:

„Für das Licht hat im Grunde jede Distanz sowohl räumlich als auch zeitlich den Wert null.“

Somit sei für das Licht „alles jetzt“, womit man seiner Meinung nach feststellen könnte:

„Das Licht ist in so einer Art Ewigkeit.“

Anmerkung: Erst kürzlich erklärte der Astrophysiker Heino Falcke in der Talk-Sendung von Markus Lanz, dass das Licht der entscheidende Faktor für die Entstehung von Raum und Zeit sei (wir berichteten).

Mit Blick auf den Beginn des biblischen Schöpfungsbericht „Gott sprach: Es werde Licht“ eine spannende Aussage. Dies konstatierte auch der Interviewer Christopher Ricke, der festhielt: „Das ist spannend, weil das Licht auch in allen Religionen eine wichtige Rolle spielt, nicht nur, wenn wir auf dem Friedhof eine Kerze anzünden, sondern auch, wenn wir in die Bibel schauen. Johannes zitiert Jesus mit „Ich bin das Licht der Welt“. Jetzt kommen Sie und sagen, das stimmt möglicherweise.“ 

Darauf bezugnehmend antwortete der Biophysiker u.a.:

„Ich glaube tatsächlich, dass der Weg zu Gott über das Licht führt.“

Weiter betonte Markolf Niemz, dass es für ihn zusammengeht, evangelischer Christ und Naturwissenschaftler zu sein. So sei er in erster Linie „ein Mensch“. Als Physiker habe er gelernt, logisch und rational zu denken. Deshalb sei das erste Kriterium seines Weltbildes, dass es „in sich schlüssig“ sein muss. Darüber hinaus erklärte er:

„Aber ich bin auch gläubiger Christ, meine Familie, wir sind alle Christen.“

Und weiter:

„Ich habe Wertvorstellungen, die Liebe und die Erkenntnis sind für mich die höchsten Werte, die es gibt in dieser Welt.“

Hier finde er Antworten in der Religion, wo er den Aspekt der Liebe sehr stark im Christentum findet.

 

In einem Gastbeitrag auf katholisch.de beschrieb Markolf H. Niemz im Juli 2020, dass Religion und Wissenschaft sich aus seiner Sicht nicht ausschließen müssen. Dabei löste er die alte Frage von Huhn und Ei auf, nahm Bezug auf die Plausibilität der christlichen Dreifaltigkeit und betonte die Bedeutung des Lichts als Brücke von moderner Physik zur Religion. Dazu erklärte der Physiker, dass wir seit Albert Einstein folgendes über das Licht wissen:

„In allem Licht hat jede räumliche und jede zeitliche Distanz den Wert Null.“

Diesbezüglich forderte Niemz in seinem Gastbeitrag die Leser auf, darüber zu meditieren, „was für eine wertvolle Botschaft in diesem einen Satz steckt“. Infolgedessen gelange man zur Erkenntnis, „dass das Licht mit allem im Kosmos vertraut ist, weil für das Licht alles ‚hier‘ ist“ und des Weiteren, „dass sich das Licht allem im Kosmos bewusst ist, weil für das Licht alles ‚jetzt‘ ist“. In der Zusammenfassung würde aus diesen beiden Aussagen folgen:

„Ein Gott, der Zugriff auf den Lichtspeicher hat, liebt uns alle und weiß alles!“

In diesem Sinne ergebe sich eine Brücke aus spirituellen Gedanken von moderner Physik zur Religion, so Niemz.

Quellen: deutschlandfunkkultur.de, markolfniemz.de, die-tagespost.de, katholisch.de