Campino, Sänger der Punkband Die Toten Hosen, beklagte aktuell gegenüber der Welt am Sonntag, dass über Migration in den Medien zu negativ berichtet werde. Dabei forderte der 57-jährige einen „ganz klaren Riegel“ vor Übergriffen und betonte, dass für ihn Religionsfreiheit und Toleranz zu den wichtigen Werten gehörten. Dazu erklärte Campino:

„Wenn es zu antisemitischen Übergriffen oder Gewalttaten kommt, ganz gleich ob sie von Rechtsextremen oder von Islamisten begangen werden, muss man einen ganz klaren Riegel davorschieben.“

 

Als Campino vor elf Jahren im November 2008 mit zwei seiner Bandkollegen auf Initiative des Jugendmagazins Spießer eine Unterrichtsstunde in einer achten Klasse einer Gesamtschule hielt, hob er auch den Wert der Freiheit in unserer Gesellschaft hervor und brachte ihn mit der christlichen Religion in Verbindung. Damals sagte er, dass heute keiner mehr groß über den Sonntag nachdenke, aber „unsere Gesellschaft, unsere gesamte Kultur wahnsinnig durchsetzt und geprägt vom Christentum“ sei. Dazu betonte er:

„Auch unsere Gesetze und unser Anspruch auf Freiheit bauen auf der christlichen Religion auf.“

Dass für ihn selbst Religion eine Rolle spielt, brachte Campino deutlich zum Ausdruck. Damals erklärte er gegenüber den Schülern, dass er im christlichen Glauben erzogen wurde und auch heute für ihn der Glaube von Bedeutung ist. Über seine Motivation, sich mit dem Glauben zu beschäftigen, sagte der Sänger u.a.:

„Egal wie verschieden die Kulturen sind – alle haben irgendwas, woran sie glauben. Das allein sollte einen stutzig machen, ob da nicht ein bisschen mehr dahinter steckt.“

Auch solle man, bei aller berechtigten Kritik an der Kirche, seiner Meinung nach nicht die „positiven Aspekte“ vergessen. Dabei erinnerte Campino an „unglaublich gute Sachen“ die viele Menschen aufgrund ihres Glaubens machen und dabei oft „über sich selbst hinauswachsen und Kräfte gewinnen, die nur durch ihren Glauben zu erklären sind“, so Campino im damaligen Unterrichtsgespräch mit den Achtklässlern.

Weiter appellierte er dafür, zwischen Glauben und Fanatismus zu unterscheiden. Fanatismus sei „eine Seuche, die nichts mit Glauben zu tun“ habe und die es nicht nur in der Religion, sondern zum Beispiel auch im Fußballstadion gebe. Dazu erklärte Campino:

„Der Glaube ist immer nur so gut oder so schlecht wie die Menschen, die ihn interpretieren.“

Er selbst sei von seinem Vater im Glauben erzogen worden und habe auch sonntags den Gottesdienst besuchen müssen. Auch wenn er das damals als langweilig und aufgezwungen empfunden hat, habe ihn das Thema Religion „nie losgelassen“ und so beschäftige er sich „seit vielen, vielen Jahren“ damit. Dazu gab er den Schülern zu bedenken:

„Die Option, Glaube als Kraftquelle zu nutzen – da würde ich jedem raten, nicht so schnell die Tür davor zuzumachen.“

Weiter sollte seiner Ansicht nach „die Auseinandersetzung“ mit dem Glauben „niemals enden“.  Der begleitende Reporter Robert Stark, der am Ende des Beitrags zu verstehen gab, dass er „Religion insgesamt eher skuril“ finde, zeigte sich vom Gehörten so überrascht, dass er in seinem Artikel im November 2008 für das Jugendmagazin Spießer mit folgendem Resumee schloss: „Ein bisschen ungläubig blicken mittlerweile alle drein. Da haben Deutschlands Vorzeige-Punks tatsächlich ein Plädoyer für den Glauben gehalten. Wer hätte das erwartet?“ Der Spiegel titelte dazu „Tote Hosen als Vertretungslehrer – Hey, hier kommt Jesus“

Bei genauerer Recherche im Vorfeld hätte er jedoch entdecken können, dass sich Campino bereits zu dieser Zeit immer wieder mal in ein Kloster zurückzog und dort auch am Gebetsleben teilnahm, um das Mönchsleben nachzuvollziehen. Dazu sagte er u.a.:

„Das [Kloster] ist ein unglaublicher Ort der Konzentration.“

In der Sendung „Kölner Treff“ erklärte Campino im Sommer 2017, dass „Niederschläge“ und die „harten Sachen“ im Leben zu einem Perspektivwechsel in seiner Gedankenwelt geführt hätten. Als Beispiel nannte er den Tod eines Fans beim 1000. Konzert der Toten Hosen im Jahr 1996, als ein junges Mädchen in der Menge erdrückt wurde. Das habe ihm klar gemacht, dass es im Leben immer auch um „Verantwortung“ gehe, so Campino.

Quellen: wz.de, express.de, spiegel.de, kath.net, wp.de, fr.de, youtube.com

 

Im Song „Draußen vor der Tür“ aus dem Jahr 2013, in dem Campino sein Verhältnis zu seinem verstorbenen Vater, der Presbyter in der Kirche war, besingt, wird der Perspektivwechsel in seiner Gedankenwelt ersichtlich. Spannend ist die Symbolik des Brotbrechens / Abendmahls, die bei den Worten „Und jetzt, wo du weit weg bist, kann ich dich so viel besser sehen“ im Bild erscheint.