Diakon Anselm Blumberg: „Jesus hat sich festnageln lassen auf ein Ja zu dir“
Am Karfreitag gedenken 2,6 Milliarden Christen weltweit dem Leiden und Sterben Jesu am Kreuz auf Golgatha. Der stille Feiertag steht im Zeichen von Trauer, Umkehr und der Dankbarkeit für die Erlösung, die durch Jesu Opfer ermöglicht wurde.
In seiner Predigt zum Karfreitag 2026 nach Christus reflektiert Diakon Dr. Anselm Blumberg, der promovierter Theologe und ausgebildeter Fernsehredakteur ist, den tiefen Sinn der Heilstat Christi.
Anbei die Worte seiner Predigt über Joh 18,1 – 19,42:
Wer die Schilderung der Passion Jesu im Johannesevangelium liest (Joh 18,1-19,42) oder sich die Johannespassion von Johann Sebastian Bach aufmerksam anhört, kann Schwierigkeiten haben, noch Worte zu finden. Was kann man da noch sagen, wenn Gottes Sohn von seinen engsten Freunden verraten wird, wie ein Verbrecher gefangen genommen und verhört, schuldlos zu einem schändlichen Tod verurteilt und grausam hingerichtet wird?
Die Liturgie des Karfreitags hat daher recht, wenn sie immer wieder in die Stille führt.
Denn wenn das Wort Gottes, dessen Geburt wir an Weihnachten mit so stimmungsvollen Liedern und Lichtern gefeiert haben, stirbt, dann fehlen uns einfach die Worte.
Unser Schweigen am Karfreitag hat noch eine weitere Bedeutung. Es spiegelt das Schweigen Jesu wider. Die Passionsberichte aller vier Evangelisten bezeugen, dass Jesus bei seinem Leiden nur wenig gesprochen und vor allem geschwiegen hat. In seinem Verhalten erfüllt sich das prophetische Wort des Jesaja: „Er wurde bedrängt und misshandelt, aber Er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scheren verstummt, so tat auch Er seinen Mund nicht auf.“
Jesu schweigende Liebe ist die Antwort auf die Gewalt.
Durch sein geduldiges Ertragen überwindet Jesus die Bosheit der Welt.
Papst Benedikt sagte noch als Kardinal am Karfreitag des Jahres 1989 einmal über das Schweigen Jesu bei seiner Passion: „Der Hass kann nicht überwunden werden durch einen anderen Hass, sondern nur, indem er in Liebe ausgehalten, erlitten und so an sein Ende gebracht wird.“
Was heißt das nun konkret für unser Leben? Heißt das, dass wir als Christen zu jedem Unrecht schweigen müssen? Keineswegs! Die heutige Leidensgeschichte nach Johannes hat aufgezeigt, dass Jesus sich dem Unrecht widersetzt hat. „Warum schlägst du mich?“, mit diesen Worten stellt Jesus den Diener des Hannas zur Rede.
Christsein bedeutet nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen. Aber der schweigend leidende Jesus lehrt uns: Es gibt in unserem Leben Dinge, für die es keine andere Lösung gibt, als sie zu ertragen.
Dazu gehören bestimmte Krankheiten, und dazu gehört auch der Tod von Menschen, die wir lieben und an unserer Seite schmerzlich vermissen. Der ans Kreuz genagelte Herr macht uns für diese Situationen Mut!
Als ich einmal einen Kreuzweg gebetet habe, bin ich auf ein Detail der Kreuzigung Jesu besonders aufmerksam geworden: Jesus wird mit ausgestreckten Armen an das Kreuz geschlagen. Man kann diese Haltung natürlich auch ignorieren und sagen: Es gehört zum römischen Strafvollzug der Kreuzigung einfach dazu, dass die Arme ausgestreckt werden. Aber ich sehe in dieser Haltung Jesu am Kreuz eine tiefe Bedeutung.
Jesus möchte uns, die wir heute besonders aufmerksam vor seinem Kreuz stehen, mit seinen ausgestreckten Armen doch etwas sagen. Jesus sagt uns: „Du bist willkommen. Nicht nur in diesem Augenblick bist du mir willkommen, sondern du bist mir immer willkommen, egal, wie dein Leben bislang verlaufen ist. Ich sage zu dir Ja. Auf dieses Ja habe ich mich festnageln lassen. Ich sage immer zu dir ja, bis zu deinem letzten Atemzug. Mein Ja zu dir gilt auch über dieses Leben hinaus bis zur Vollendung Deines Lebens, ja, bis zum Ewigen Leben im Angesicht Gottes.“
Amen
Anbei eine Christliche Passionsballade über Jesu Leidensweg, die die Worte von Diakon Anselm Blumberg nachklingen lässt:



