Foto: © European Union, 1998 – 2026, Attribution, via Wikimedia Commons

Dominic Fritz: „Ohne christliche Verwurzelung würde ich nicht Politik machen“

Der deutsch-rumänische Politiker Dominic Fritz, der seit 2020 Bürgermeister der rumänischen Stadt Timișoara und seit 2025 Vorsitzender der rumänischen Partei Uniunea Salvați România (USR) ist, sprach aktuell im Podcast „Frings fragt“ (gemeinsamer Podcast von domradio.de und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken) über seinen ihm Orientierung gebenden Glauben.

Dominic Fritz ist eine imposante Persönlichkeit mit einer spannenden Vita. Er wurde am 28. Dezember 1983 im baden-württembergischen Lörrach als Sohn eines Lehrerehepaares geboren. 2020 wurde er als erster EU-Ausländer Bürgermeister einer rumänischen Großstadt. Dazwischen liegt ein vielseitiger Lebensweg. Am Jesuiten Kolleg St. Blasien im Südschwarzwald legte Dominic Fritz sein Abitur ab, wobei er mit dem Scheffelpreis für besondere Leistungen im Fach Deutsch ausgezeichnet wurde. 2003 kam Fritz 19-jährig im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs der Jesuit European Volunteers erstmals nach Timișoara, wo er in einem von dem Salvatorianerpater Berno Rupp geleiteten Waisenhaus arbeitete, dem Mutter-Kind-Haus im Stadtteil Freidorf (Timișoara), das sich um die Betreuung von Waisen und Straßenkindern der Stadt kümmert.  Er kehrte 2006 in die Stadt zurück, wo er sich an einem Sozialprogramm für Erwachsene mit geistigen Behinderungen beteiligte. 2021 nahm er, schon als Bürgermeister, an der Hochzeit einiger Waisenkinder teil.

Von 2009 bis 2019 engagierte sich Dominic Fritz in der Partei Bündnis 90/Die Grünen, in deren Frankfurter Kreisverband er 2011 als Beisitzer im Kreisvorstand gewählt wurde. Von 2009 bis 2012 arbeitete er zudem als Berater der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in internationalen Entwicklungsprojekten und Friedensmissionen in Afrika. Danach war er von 2016 bis 2019 im Amt eines Ministerialrates als Leiter des Büros des deutschen Bundespräsidenten a. D. Horst Köhler im Bundespräsidialamt tätig. Der Stadt Timișoara blieb er über die Jahre eng verbunden, lernte fließend Rumänisch und engagierte sich in lokalen Projekten.

Nach regelmäßigen Besuchen und vor dem Hintergrund der massiven Anti-Korruptionsproteste in Rumänien im Jahr 2017 schloss er sich der Partei Uniunea Salvați România (USR) an, die ihn als Kandidat für die Wahl zum Amt des Bürgermeisters aufstellte, wofür er 2019 von Berlin nach Timișoara zog. Bei der Bürgermeisterwahl am 27. September 2020 gewann Dominic Fritz mit 54,8 Prozent der Stimmen. Im Juni 2024 wurde er als Bürgermeister wiedergewählt. 2024 stellte er einen Antrag zur Erlangung der rumänischen Staatsbürgerschaft, die er am 13. November 2025 erhielt. So war er zeitweise der einzige Bürgermeister in Rumänien, der keine rumänische Staatsbürgerschaft besaß. Am 21. Juni 2025 wurde Fritz auf einem Parteitag zum Parteivorsitzenden der USR gewählt.

Neben seiner politischen Tätigkeit zeichnet sich Dominic Fritz durch sein kulturelles Engagement aus. Fritz, der Cello und Klavier spielt, hatte Auftritte mit verschiedenen Orchestern. Zudem sang er in Chören, dirigierte mehrere Ensembles, komponierte Chormusik und veröffentlichte zwei CDs mit eigenen Kompositionen. 2005 initiierte er das Timişoara Gospel Project, in dem er mit Dutzenden von Laien- und Profisängern gemeinsam singt. Die Erlöse der jährlichen Veranstaltungen des Chors gehen an das Haus der Göttlichen Barmherzigkeit, ein Hospiz für Palliativkrankenpflege der Caritas Timișoara. Seit Juni 2012 ist er Präsident der TGP Cultural Association. Für sein Kulturengagement wurde er 2014 im Rathaus von Timișoara mit dem Exzellenzdiplom der Stadt ausgezeichnet. Im Rahmen der Veranstaltung Timotion trug er mit über 1000 Menschen im April 2019 dreistimmig das Lied Lean on Me auf der Piața Victoriei der Stadt vor (Quelle: wikipedia.org).

 

Orientierung in seinem Handeln gibt ihm der christliche Glaube. Im Podcast „Frings fragt“ schilderte Dominic Fritz, wie er aus seiner christlichen Verwurzelung Kraft und Orientierung. Dabei betont der 42-Jährige:

„Ich würde wahrscheinlich nicht Politik machen ohne eine christliche Verwurzelung.“

Dass ihm sein Glaube helfe, Entscheidungen in einen größeren Kontext zu stellen und Demut zu bewahren, begründet der Katholik wie folgt:

„Man darf sich selbst nicht an erste Stelle setzen. Es geht darum, was langfristig das Beste für die Gemeinschaft ist.“

Im politischen Geschäft helfe ihm „auch das ignatianische Unterscheiden der Geister“, um zwischen Idealismus und Realpolitik einen klaren Kopf zu bewahren, merkt Dominic Fritz weiter an.

 

Ignatius von Loyola, auf den Dominic Fritz Bezug nimmt, war Mitbegründer der später als Jesuitenorden bekannten Gesellschaft Jesu (lateinisch Societas Jesu, SJ). Er wurde im Jahr 1622 heiliggesprochen. In den „Exerzitien“ („Geistlichen Übungen“) des Ignatius von Loyola ist die Unterscheidung der Geister die zentrale Übung. Die ignatianische Unterscheidung der Geister ist eine Methode zur Analyse innerer Regungen (Gedanken, Gefühle, Impulse), um den Willen Gottes zu erkennen. Sie unterscheidet zwischen dem „guten Geist“ (führt zu Liebe, Frieden, Hoffnung) und dem „bösen Geist“ (erzeugt Unruhe, Ängste). Bis heute hilft die ignatianische Methode der Selberforschung Menschen, Verstand und Gefühl zu verbinden, den eigenen Beweggründen auf die Spur zu kommen und gute Entscheidungen zu treffen. Hinweis: Mehr dazu gibt es unter jesuiten.org.

 

Quellen: youtube.com, wikipedia.org, domradio.de, jesuiten.org

 

Anbei der Podcast „Frings fragt“, in dem Dominic Fritz einen rumänischen Blick auf die EU und den Glauben wirft: 

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