Der ehemalige brasilianische Nationalspieler und Bundesliga-Star Marcelinho hat mit fast 45 Jahren still und leise seine Fußball-Karriere am 15. März mit seinem letzten Spiel für AD Perilima gegen CSP Joao Pessoa in seiner brasilianischen Heimat beendet. Der ehemalige Superstar von Hertha BSC Berlin ist vielen vor allem als fußballerisches Genie sowie als schriller Vogel in Erinnerung. Doch bei den Interviews zu seinem Abschied von der Fußball-Bühne zeigte mit der Welt „Andere sterben und haben ihr Konto voller Geld“ und der Berliner Zeitung „Ich bin sehr glücklich mit meinem neuen Leben“ zeigte Marcelinho, dass er tiefgründiger im Leben unterwegs ist und dass im der Glaube an Gott dabei Orientierung gibt.

Marcelinho, der um die Jahrtausendwende den armen Verhältnissen seiner Kindheit entkam und in Europa ein Star wurde, konnte mit seiner gewonnen, auch materiellen, Freiheit nicht immer umgehen. So resümiert die Welt in ihrem aktuellen Artikel, dass mit Marcelinho’s letztem Spiel ein „schillerndes, eskaden- und skandalreiches, oft amüsantes, manchmal tragisches, meist aber ziemlich unterhaltsames Kapitel deutsch-brasilianischer Fußballgeschichte“ geendet sei, wovon im Artikel ausführlicher berichtet wird.

Weiter wird Marcelinho im Welt-Artikel auch als „strenggläubig“ bezeichnet. Diese Konstante gibt ihm auch heute im Scheitern weiter Halt und ein Bewusstsein für wirklich tragende Werte. Dazu, dass ihm von seinen Immobilien heute noch ein Appartement geblieben ist und sein Geld noch für Sprit, Strom, Essen und den Kirchenobolus ausreicht, sagte Marcelinho im Interview mit dem Spiegel:

„Gott hat alles so gewollt. Ich habe gelebt. Andere sterben und haben ihr Konto voller Geld. Das Einzige, was ich bereue, ist das Leid, das ich meiner Frau und meinen Kindern zugefügt habe.“

In der Berliner Zeitung sind zum Interview mit Marcelinho einleitend folgende Worte zu lesen: „Vom einstigen Reichtum ist nichts geblieben, doch dafür hat er etwas viel Wertvolleres gefunden.“ 

Im B.Z.-Interview berichtet Marcelinho von seinem oberflächlichen Lebensstil zu Glanzzeiten seiner Fußballkarriere, wo es ihm materiell sehr gut ging und er „viel Geld für Partys mit falschen Freunden ausgegeben“ habe. Die meisten dieser sogenannten Freunde seien gegangen, als ihm das Geld ausging. Darüber ist der brasilianische Fußball-Star heute aber alles andere als frustriert im Gegenteil. In seinem Leben heute, ohne großen materiellen Wohlstand, sei „alles ehr gut“. Dazu erklärte Marcelinho weiter:

„Ich habe echten Frieden gefunden, ich kümmere mich um meine Familie. Selbstverständlich habe ich auch noch Freunde, aber das sind echte Freunde, die mich mögen und nicht nur da sind, um Party zu machen und zu trinken. Ich bin sehr, sehr glücklich mit diesem neuen Leben. Ich bin ein neuer Mensch.“

Dieser Perspektivwechsel hat elementar mit einem existenziellen Ereignis im Leben Marcelinho’s zu tun. Im März 2018 erlitt Marcelinho einen Schlaganfall, von dem er sich zwar rasch gut erholte, der ihn aber tiefer über den Sinn des Lebens nachdenken ließ. Dazu betonte er im B.Z.-Interview:

„Ich habe immer an Gott geglaubt. Aber nach dieser Sache haben Gottes Worte mein Herz erst wirklich erreicht.“

Und weiter:

„Deswegen habe ich heute Frieden und Ruhe.“

Quellen: welt.de, spiegel.de, bz-berlin.de