Bis ins Jahr 2009 war Thomas Middelhoff einer der wichtigsten Manager Deutschlands. Er amtierte von November 1998 bis Juli 2002 als Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Bertelsmann AG und von Juni 2004 bis Februar 2009 der Arcandor AG (bis 2007 KarstadtQuelle AG). Am 14. November 2014 verurteilte das Landgericht Essen Middelhoff wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Zeit in Haft sieht Middelhoff im Rückblick positiv, denn er entdeckte Gott.

Darüber sprach der 65-Jährige in einem Interview des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ und sagte:

„Ich danke Gott, dass er mich ins Gefängnis geführt hat.“

Denn, obwohl er im katholischen Glauben erzogen wurde, hatte eine Beziehung zu Gott bis dato keine Rolle in seinem leben gespielt. Im Gefängnis begann er sich mit der Bibel zu beschäftigen und fand Gott. Noch nie habe er sich Gott so nahe gefühlt wie in dieser Zeit, so Middelhoff. Beim Lesen der biblischen Geschichten reflektierte er sein Leben. Die Hiob-Geschichte im Alten Testament bewegte ihn besonders. Denn dadurch erkannte er, wie gut es ihm eigentlich trotz allem ging.

Wichtig wurde ihm in dieser Zeit auch das Gebet. Im Gefängnis fand er die Zeit, täglich zweimal den Rosenkranz zu beten. Dadurch habe er „einen fast meditativen Zugang“ zu Gott empfunden, was er heute teilweise vermisse, weil er nun wieder im Alltag eingebunden sei.

Im Gefängnis entdeckte er auch wieder das Sakrament der Beichte, die er zuletzt im Alter von 16 Jahren besuchte. Dazu sagte er:

„In bin dann zum ersten Mal in dem Gefängnis zum Gefängnispfarrer zur Beichte gegangen. Und der hatte sich dann viel anzuhören.“

Ihm wurde in diesen Jahren immer mehr klar, was wirklich wichtig im Leben ist.

Dazu betonte er:

„Dir geht es eigentlich immer besser, je mehr dir weggenommen wird.“

In einem aktuellen Vortrag sagte er dazu:

„Aber ich habe gelernt, was wichtig ist im Leben. Auch, wenn das eine harte Lehre war.“

Das zu erkennen, habe ihm eine große Leichtigkeit erfahren lassen, so dass er heute sogar dankbar für diese schwere Lebenskrise ist:

„Die Krise fasse ich nicht als Drama auf, sondern als Chance.“

Und weiter:

„Wenn ich zurückschaue, bin ich voller Dankbarkeit.“

Früher sei er zwar ständig um den Globus geflogen, aber letztlich auf der Flucht vor sich selber gewesen. Diesen Zustand habe er dank des Glaubens überwunden.

Die Prioritäten im Leben von Thomas Middelhoff sowie sein Denken und Handel haben sich durch die Beziehung zu Jesus radikal zum Guten verändert.

In seinem Buch „A115 – Der Sturz“ hat er seine Erfahrungen veröffentlicht.

Quelle: katholisch.de, thomas-middelhoff.com und stuttgarter-zeitung.de