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Am 23. Februar 1960 erblickte die Unternehmerin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis das Licht der Welt. Zum Anlass ihres 60. Geburtstages belegten sie die Medien in den Headlines der Berichterstattung vornehmlich mit Adjektiven wie „unberechenbar“ und „polarisierend“. So titelte etwa die Münchner Abendzeitung „Ein Elefant im Porzellanladen?
Gloria von Thurn und Taxis: Die unberechenbare Fürstin wird 60″ oder die FAZ mit „Konservativ, aber unberechenbar“. Auf web.de ist die Headline „Gloria von Thurn und Taxis wird 60: Aus dem Leben einer ‚Punker Fürstin'“ zu lesen. Die Passauer Neue Presse titelte mit der Schlagzeile „Die Fürstin, die polarisiert: Gloria von Thurn und Taxis wird 60“, während die Gala festhielt „Die unberechenbare Fürstin wird 60“.

Dass sie polarisiert, weiß die Fürstin selbst, wie sie aktuell im Interview mit der Bild am Sonntag (BamS) darlegte. Das störe sie auch nicht, vielmehr sei dies für sie „ein Lebensprinzip“. Was aber bei der Einordung von Gloria von Thurn und Taxis in der Berichterstattung etwas kurz kommt, ist dass hinter diesem Menschen mit Ecken und Kanten eine Persönlichkeit mit klarer Haltung steht, die ihren Prinzipien treu bleibt, auch wenn die nicht Mainstream sind bzw. jedermann gefallen. Orientierung und Geborgenheit findet die Fürstin im katholischen Glauben, wo sie für eine konservative Auslegung steht. Auf domradio.de ist aktuell in einem differenzierten Artikel über Gloria von Thurn und Taxis, der ebenfalls das Extravagante der Fürstin in den Blick nimmt, aber auch folgendes zu lesen: „Immer wieder hat sich Gloria quasi neu erfunden, wobei ihr der katholische Glaube stets Richtschnur war.“

Auch die BamS beschreibt Gloria von Thurn und Taxis als „sehr gläubig und prinzipientreu“. Auf die Frage, welcher Leitspruch sie antreibe, antwortete die Fürstin:

„Immer das Beste versuchen und sich nicht gehen lassen. Immer heiter, Gott hilft weiter!“

Ist also Gloria von Thurn und Taxis nicht doch ein Mensch, hinter dem mehr steckt als Unberechenbarkeit, Polarisierung und konservative Engstirnigkeit?

Wenn man sich genauer auf die Suche begibt, wird man feststellen, dass die Fürstin ein Mensch ist, dem soziales Engagement vom christlichen Menschenbild ausgehend wichtig ist. So gibt es etwa hinter den dicken Mauern von Schloss St. Emmeram in Regensburg gibt es an Wochentagen eine fürstliche Mahlzeit für bedürftige Menschen. Mit ihrer Notstandsküche versorgt die Familie von Thurn und Taxis Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende, Migranten oder Menschen mit niedriger Rente. Gloria von Thurn und Taxis gesellt sich des Öfteren dazu und ist mit Herzblut mittendrin satt nur dabei.

Zudem liegen ihr ihre Patenkinder in Afrika am Herzen. Ihren 60. Geburtstag feiert Gloria von Thurn und Taxis in Ostafrika, u.a. mit ihren kenianischen Patenkindern. Dazu sagte sie im Interview mit der Welt am Sonntag:

„Der Festtag beginnt in der katholischen Gemeinde in Watamu Kenia mit einer Dankesmesse. Danach lade ich meine kenianischen Patenkinder und meine Nichte Pilar in den Beachclub zum Mittagessen ein. Dort spielt eine kleine Liveband. So können wir den ganzen Tag herrlich feiern, und die Kinder können im Wasser spielen.“

Ein differenziertes Bild von der Fürstin ist bereits ersichtlich, wenn man sich auf zitate.eu ihren Statements widmet. So ist dort zu entnehmen, dass sich Gloria von Thurn und Taxis für Frauen engagiert, die ein behindertes Kind erwarten. Dazu sagte sie:

„Frauen, die ein behindertes Kind erwarten, brauchen Hilfe. Ich engagiere mich für die Stiftung ‚Ja zum Leben‘, die werdende Mütter berät. Meine Schwester hat selbst ein behindertes Kind. Das ist nicht leicht, aber jede Mutter, die ein solches Kind hat, wird bestätigen, dass das behinderte Kind mindestens genauso viel Lebensfreude und Befriedigung empfinden kann wie ein gesundes. Tatsache bleibt, dass ein behindertes Kind genausoviel Recht und Würde hat wie Sie und ich.“

Grundlage ihres Denkens ist das christliche Menschenbild. Dazu erklärte sie einmal:

„Für mich als Christin ist der Mensch das Wichtigste. Und wenn ein Mensch mal auf Abwege gerät und meiner Ansicht nach was Falsches tut, dann heißt das für mich noch lange nicht, daß man dem nicht helfen muß. Wir sind dazu erzogen worden, jedem Menschen unsere Brüderlichkeit zu schenken.“

Überhaupt ist sie der Meinung, dass das Handeln aus der Liebe zu Gott, uns Menschen mitgegeben ist, wenn wir einmal tiefer sehen. Dies brachte sie mit folgenden Worten einmal schön zum Ausdruck:

„Irgendwann geht einem ein Licht auf, und man begreift, wie schön es ist, die Kraft zum Glauben zu besitzen. Dann ist man automatisch religiös, einfach aus Dankbarkeit.“

Dabei betont sie, dass der katholische Glaube mit Lebensfreude verbunden ist. So erklärte sie vor Jahren:

„Religion und Partys schließen sich nicht aus. Das ist gar kein Gegensatz, der Katholizismus ist eine sehr fröhliche, sinnliche Religion.“

Der katholische Glaube trägt sie nicht nur in Momenten der Dankbarkeit und Lebensfreude, sondern auch in Situationen des Leids und des Schmerzens, wie beim Tod ihres Mannes und ihrer Schwester, die erst kürzlich verstarb. Das brachte Gloria von Thurn und Taxis im Interview zu ihrem 60. Geburtstag gegenüber der katholischen Sonntagszeitung zum Ausdruck (Ausgabe 22./23. Februar 2020 / Nr. 8). Dabei hob sie auch hervor, dass sie eine sehr enge Beziehung zur Gottesmutter pflege und überhaupt seit jeher „in der Familie Schönburg wie auch bei Thurn und Taxis immer eine besondere Mutter-Gottes-Verehrung gepflegt“ werde. Weiter erklärte sie, dass sie ihren 60. Geburtstag als „Tag des Dankes“ mit Blick auf ihr Leben sehe, dass sie als „insgesamt wunderschön“ beschreibt.

 

Bei genauerer Betrachtung von Gloria von Thurn und Taxis wird im Gesamtbild eine Persönlichkeit ersichtlich, die bei allen Ecken und Kanten, durch ihren Glauben geerdet, mit klaren Werten durchs Leben geht und dabei den Blick auf den Nächsten im Auge hat. Dabei ist ihr auch bewusst, dass Adel verpflichtet und Anstand mehr ist als bloße Benimmmanieren, was sie mal wie folgt ausdrückte:

„Wenn jemand andere Leute als minderwertig behandelt, ist es eben kein Zeichen von Vornehmheit.“

Als Gloria von Thurn und Taxis in der ARD-Talk-Sendung von Sandra Maischberger, von der sie als „außerordentlich konservative Katholikin“ vorgestellt wurde, gefragt wurde, ob sie überlege, selbst in die Politik zu gehen, antwortete die Fürstin:

„Ich gehöre vielleicht auf eine Comedy-Bühne. Denn das ist der einzige Ort, wo man heute noch die Wahrheit sagen darf.“

Quellen: bild.de, domradio.de, merkur.de, welt.de, zitate.eu, katholische Sonntagszeitung (Ausgabe 22./23. Februar 2020 / Nr. 8), swr.de