Günter Wallraff stellt persönlichen Agnostizismus in Frage
Der Investigativjournalist und Schriftsteller Günter Wallraff, der durch seine Reportagen über diverse Großunternehmen, die Bild-Zeitung und verschiedene Institutionen bekannt geworden ist, äußerte sich aktuell im Interview mit dem Magazin Chrismon auch zur Gretchenfrage.
Danach gefragt, ob er eine Vorstellung von Gott habe, lässt Günter Wallraff durchblicken, dass er bekennender Agnostiker sei und sich als „Berufsskeptiker und Zweckoptimist“ sieht, der aber mehr an Schicksal als an Zufall glaube. Dazu erklärt der 83-Jährige:
„Als bekennender Agnostiker muss ich aufpassen, nicht am Ende noch zu einem gläubigen Menschen zu werden.“
Davor möge ihn aber Gott bewahren, fügt Wallraff an und bekennt im nächsten Satz, dass ihm „der Menschensohn Jesus“ wie auch der indische Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi grundlegende Orientierung geben und die Worte der Bergpredigt für ihn „fast schon ein Glaubensbekenntnis“ seien. Dabei betont Wallraff den gewaltfreien Widerstand als inspirierend.
Weiter gibt der investigative Journalist an, dass er Gott in seiner Jugend und frühen Lebensphase zeitweise kritisch oder ablehnend gesehen und sich gegen „den damaligen Katholizismus“ aufgelehnt habe. Heute sieht er sich nicht mehr als derart kritisch, gibt aber zu bedenken, dass er angesichts des Leids in der Welt weiterhin zweifelt, „ob es eine sinnvolle Schöpfungsidee gibt“.
Bereits in der Vergangenheit erzählte Günter Wallraff, dass ihm Jesus als historische Person Orientierung gibt. Im Sommer 2016 traf er sich zu einem Gespräch für den Kölner Stadtanzeiger mit seinem Schulfreund Michael Kammler, der nach dem Abitur ins Kloster ging und später Prior der Kölner Dominikaner wurde. In dem Austausch der beiden Schulfreunde kommt zur Sprache, dass Günter Wallraff, der katholisch aufwuchs, aber später aus der Kirche austrat, in Jugendjahren selbst mit dem Gedanken spielte, auch in einen Orden einzutreten. In einem Brief aus dem Jahr 1965 schilderte er seinem Freund Kammler, dass er in seinem damaligen Tun keinen Sinn mehr fand und im Zuge dessen die Glaubensfrage in ihm hochkam. Dazu schrieb er in diesem Brief: „Glaube ich oder glaube ich nur, dass ich glaube? Ich bräuchte sicher noch eine längere Zeit, um das zu prüfen.“
In der Folge besuchte Wallraff seinen Schulfreund, der mittlerweile als Pater David dem Dominikanerorden beigetreten war, im Kloster und stellte dabei fest, dass ihm dieser Orden „zu weltlich“ war. In der Folge habe er dann den Kontakt zu den Trappisten gesucht, an denen ihm imponierte, dass sie den Tod nicht fürchten, sondern annehmen und damit überwinden. Diese Einstellung sei auch sein Motto gewesen, so Wallraff (Anmerkung: Auch im aktuellen Interview mit Chrismon erklärt Günter Wallraff, dass der Tod für ihn nicht mit Schrecken verbunden sei).
In der damaligen Zeit sei der Gedanke eines Klostereintritts für in „ein Rettungsversuch und Weltflucht“ gewesen, um alles hinter sich lassen zu können, schilderte Günter Wallraff im Sommer 2016 im Gespräch mit Pater David, woraufhin dieser wiederum anmerkte, dass er nicht ins Kloster gegangen sei, um etwas hinter sich zu lassen, sondern „um etwas vom Leben zu haben“. Jesus sei für ihn faszinierend gewesen und habe ihm „eine Lebensbejahung und Lebensfülle“ geboten, „die ich bis dahin nicht kannte“, erklärte der Geistliche weiter.
Daraufhin betonte der Journalist und Schriftsteller, dass ihm „der Mensch Jesus“ bis heute Orientierung gibt, so wie auch weitere Vorbilder wie „Sokrates, Platon, Martin Luther King, Gandhi“.
Im Jahr 2015 ließ Günter Wallraff bei einer Lesung in der Bruckmühle in Pregarten wissen, dass sein Engagement und seine Arbeit auf Werten wie Solidarität und Nächstenliebe basieren, die er als Kernanliegen versteht. Wie die Kirchenzeitung der Diözese Linz seinerzeit berichtete, antwortete Wallraff auf die Frage nach der Rolle der Religion in der Arbeitswelt:
„Im Grunde geht es ja immer um ein zentrales christliches Thema. Nämlich um die Nächstenliebe.“
Eine solidarische Grundeinstellung sei grundlegend für eine gesunde Gesellschaft, führte der Journalist weiter aus und bezeichnete in diesem Kontext Papst Franziskus als Vorbild. Dazu betonte Wallraff:
„Unsere Gesellschaft braucht dringend Entschleunigung und Besinnung auf klare Werte.“
Quellen: chrismon.de, ksta.de, kirchenzeitung.at


