Guido Maria Kretschmer: „Bei uns hat Jesus gewohnt“

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Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer, der als Fernsehmoderator der Sendung „Shoppingqueen“ deutschlandweit bekannt wurde, unterhielt sich kürzlich live in der Distel Berlin mit Gregor Gysi für den Podcast „Missverstehen Sie mich richtig“. Dabei kam er auch auf seine christliche Prägung zu sprechen, die bis heute für ihn von Bedeutung ist.

Bereits in der Vergangenheit sprach Guido Maria Kretschmer über die Relevanz seines Aufwachsens in einem katholischen Elternhaus für seine Werteorientierung (wir berichteten).

Der heute 61-Jährige wuchs einst in einem Dorf im Münsterland in einer katholischen Familie mit drei Brüdern und einer Schwester auf. Sein Vater war Heimatvertriebener aus Schlesien und seine Mutter war aus Münster. Von Gregor Gysi darauf angesprochen, dass er als Kind in einem Mehrgenerationenhaus gelebt habe, bestätigt Kretschmer, dass er mit seinen Eltern, Geschwistern und Großeltern unter einem Dach wohnte. Weiter berichtet er:

„Da wohnten noch zwei Pflege Kinder, weil meine Eltern sehr christlich affine, freie Menschen waren, die sich immer um viele kümmerten.“

Dieses Leben in der Großfamilie habe „nicht schlecht“ gefunden, erzählt Kretschmer und schilderte, dass diese Prägung bis heute Einfluss auf ihn hat, indem er betont:

„Ich bin ein absoluter Familienmensch. Ich habe zu meiner Schwester ein Top-Verhältnis und auch zu meinen Eltern immer ein sehr enges [Verhältnis] gehabt.“

Auch das Verhältnis zu seinen Brüdern beschreibt er als gut, auch wenn sein ältester Bruder zu ihm sehr verschieden sei.

Zur grundlegenden Wertehaltung im Hause Kretschmer ließ der Modedesigner durchblicken, dass sein Vater aufgrund seiner Erfahrung als Heimatvertriebener Pazifist gewesen sei und in Anlehnung an Willi Brandt stets betont habe: „Ohne Frieden ist alles nichts.“

Auf die anschließende Frage von Gregor Gysi, welche Rolle Religion in der Familie Kretschmer gespielt habe, erklärt Guido Maria Kretschmer:

„Wir waren natürlich christlich groß geworden. Also bei uns hat Jesus gewohnt. Das würde ich schon sagen. Ich bin sehr sehr christlich groß geworden.“

Im Rückblick auf seine Prägung erklärt Kretschmer, dass ihm der Glaube in großer Freiheit vermittelt wurde. Dazu betont er:

„In unserer christlichen Welt gab es ein sehr gemütliches Zuhause.“

Es habe „eine große Tür“ und viele Fenster gegeben und der Schlüssel habe immer innen gesteckt, so dass er jederzeit hätte nach draußen gehen können, wenn er festgestellt hätte, dass „der Jesus doch nicht so mein Ding“ gewesen wäre, beschreibt Kretschmer die Freiheit, die in seinem Elternhaus herrschte.

Zudem lebten ihm seine Eltern vor, was Christ-Sein bedeutet. Sie hätten ganz selbstverständlich „christliche Werte“ gelebt und seien „so grenzenlos warm und tolerant und herzlich“ gewesen, erinnert sich Kretschmer zurück. Sein Vater und seine Mutter wären so gewesen, „wie viele sein wollten“. Insbesondere sein Vater habe in jener Zeit einer andere Rolle vom Vatersein gelebt als die Väter der damaligen Zeit und sei „der liebevollste Mann [gewesen], den es gab“. Nach dem Überleben als Kind im Flüchtlingslager sei seinem Vater stets klar gewesen, dass er eine intakte Familie haben wollen, fügt Kretschmer erklärend an und betont dazu:

„Deswegen war Katholizismus bei uns ein großes Ding. Ich war später sogar Klosterschüler.“

Später machte Guido Maria Kretschmer eine Ausbildung zum Krankenpfleger im St. Franziskus-Hospital Münster. Im Talk mit Gregor Gysi berichtet er, dass er bereits als Kind und Teenager am Wochenende im Krankenhaus bei der Essensverteilung und Pflege mitgeholfen habe. Zu seiner Ausbildung zur Pflegekraft sagt er:

„Ich habe das sehr  gerne gemacht. Mir ist da nichts Menschliches fremd gewesen. Ich hab da wirklich gute Zeiten gehabt. Und die Nonnen hatten mich gern, weil ich aus der christlichen Welt kam. Ich wusste genau, wie es bei denen läuft: Ora et labore et lege.“

Seine geplante Laufbahn als Arzt gab er nach zwei Semestern Medizinstudium auf, weil er bei der Sterbebegleitung im Krankenhaus gespürte habe, „dass ich mit den Leuten mitstarb manchmal“. Dazu erzählt Kretschmer, wie er einen dreifachen Familienvater auf einer Privatstation im Sterbeprozess betreute. Er habe diesen Mann „sehr gemocht“ und er sei bei ihm immer noch länger geblieben. Dieser habe ihn gebeten, zu erzählen, was er in seinem Leben machen und erleben wolle. Dadurch habe der Patient Abschied vom Leben genommen, zeigt sich Guido Maria Kretschmer gewiss und beschreibt das dabei Erlebte wie folgt:

„Es gibt ja kaum eine andere Kraft in diesem Leben, als wenn man mit Menschen zusammen ist und man sehr genau weiß: Wir halten uns jetzt nicht mehr auf mit dem was sein könnte. Wenn Leben so zum Ende kommt und so angeklopft hat, dass du eigentlich nur noch nimmst und dann probierst vielleicht diesem Leben noch so viel Raum zu geben und dass du es dann füllst mit Dingen, die dir wichtig sind.“

Er habe sich jeden Tag mit diesem Mann unterhalten und habe ihn mit seinen Lebensplänen „gefüttert“. Am Tag seines Todes war Kretschmer anwesend und begleitete den Sterbenden in den Tod. Dazu erklärt er:

„Das war der erste Mensch in meinem Leben, wo ich bis zum Schluss die Hand gehalten habe.“

An diesem Abend, als dieser Mann starb, habe er dann festgestellt, „dass ich die Grenze überschreiten kann, dass ich keine Distanz aufbauen kann“. Sein Chef habe ihn nach dem Tod dieses Familienvaters in den Arm nehmen und trösten müssen. Er sei dann auch auf die Beerdigung gegangen und habe noch jahrelang Beziehung zu der Familie des Verstorbenen gehabt. Sein Chef, dem er von seinem Hang zum Design zuvor berichtet hatte, habe ihm dann geraten, erstmal zu pausieren und sich klar zu werden, ob nicht ein kreativer Beruf für ihn der bessere wäre. Nach dieser Pause beendete Guido Maria Kretschmer schließlich sein Medizinstudium zugunsten einer Designerkarriere.

Der Glaube an Gott beschreibt der Modedesigner auch heute als bedeutend in seinem Leben, auch wenn er „nicht immer kontinuierlich das Gefühl habe, ich bin behütet“. Weiter betont er:

„Ich würde mir aber wünschen, dass viel mehr Menschen das Gefühl hätten, dass etwas über ihnen wacht. Das habe ich immer gemocht, mein ganzes Leben.“

Auch zur Kirche hat er heute noch einen Bezug. So sei er auf Reisen „morgens schon oft auch in der Messe“, verriet Kretschmer.

 

Anbei der komplette Talk zwischen Gregor Gysi und Guido Maria Kretschmer:

HIER