Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Maischberger - 2019-08-14-7318, CC BY-SA 4.0

Am vergangenen Freitag feierte der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck seinen 80. Geburtstag. Er war der elfte Bundespräsident Deutschlands – und der erste, der aus den neuen Bundesländern stammte. Durch seine Erfahrungen als evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär zu DDR-Zeiten sind der Wert der Freiheit sowie die Orientierung und Motivation, die der christliche Glaube den Menschen in einem totalitärem System gab, Themen, die sein Leben begleiten.

Zur Bedeutung des christlichen Glaubens für sein Leben sagte er einmal:

„Glaube bedeutet, dass da ein Kern in dir ist, der an deinem Herzen hängt. Dass du nicht so ängstlich bist. Was kann denn passieren? Du wirst in die Hände Gottes fallen.“

Wie evangelisch.de im Frühjahr 2012 zur Wahl Gauck’s zum Bundespräsidenten weiter berichtete, ließ ihn sein Glaube auch an vermeintlich unveränderbaren Dingen nicht resignieren. So litt er unter der Diktatur der DDR, was er mit folgenden Worten beschrieb:

„Das Schlimmste im Alltag war das völlige Fehlen einer Perspektive.“

Auch wenn es Freiheit nur in ihrer Sehnsucht, im allerprivatesten Bereich gegeben habe, war für Joachim Gauck der Glaube stets ein Hoffnungsschimmer. Dazu erklärte er:

„Unsere Liebe zur Freiheit haben wir in unserer Kirche gepflegt.“

Mit Blick auf die die Jahreslosung für 2012 betonte er damals:

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig – das habe ich dann irgendwann politisch erlebt. Dass Schwache zu Bürgern werden und handeln können und Werte wieder ins Leben rufen können, die schon ausgestorben schienen, das haben wir erlebt in Europa!“

Auch aufgrund dieser Erfahrungen ist sich Joachim Gauck sehr gewiss, dass Glauben und Kirche unsere Gesellschaft stärken. So erklärte er einmal:

„Die visionäre Kraft des Glaubens kann unsere Haltungen verändern, uns zu Liebe und Solidarität bringen.“

Im Oktober 2019 sprach er im Interview mit dem Kirchenmagazin 3E  auch darüber, wie der christliche Glaube und die Kirche den Menschen in einem totalitärem System Orientierung und Motivation gaben (wir berichteten).

Rückblickend auf die Erfahrungen in dieser Zeit im Herbst 1989 äußerte Joachim Gauch, dass „in der Kirche Menschen lebten, die länger hofften als andere“. Weiter betonte er:

„Es waren fast überall im Land Christen, die ihren Werten in der Zeit der Diktatur treu geblieben waren und 1989 aufstanden und zeigten, dass sie ihre Angst besiegen und für Demokratie eintreten konnten.“

So sei die Kirche zu DDR-Zeiten „Teil einer Gegenkultur“ gewesen. Auch heute könne der christliche Glaube nach Ansicht von Joachim Gauck zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft „eine ganze Menge“ beitragen, so etwa in der Begründung der Würde und Menschenrechte für jeden Einzelnen. Dazu betonte er:

„Die aus dem Glauben erwachsene Überzeugung der Gleichheit aller Menschen hat für unsere Gesellschaft etwas sehr Heilsames.“

So handele jede Gesellschaft, die die Menschen „nach Leistung, Aussehen oder politischen Meinungen“ unterteilt, „nicht im Sinne der Bibel“, so Gauck.

Dass der Glaube unabhängig von Leistung Menschen durchs Leben trägt, erfuhr Joachim Gauck eindrücklich auf dem evangelischen Kirchentag 2013 bei seiner Begegnung mit Samuel Koch, die ihn sichtlich berührte. In der mit 7000 Menschen gefüllten Halle B5 führte Moderator Markus Lanz durch eine Podiumsdiskussion mit dem Bundespräsidenten und dem Schauspiel-Studenten, der seit seinem Unfall bei „Wetten, dass..?” im Dezember 2010 querschnittsgelähmt ist. Auf die Frage, welche Rolle der Glaube nach seinem Unfall in seinem Leben spielt, antwortete Samuel Koch: „Der Glaube war und ist der rettende Anker in meinem Leben“. Darauf erklärte Gauck:

„Ich möchte diesen Satz nicht kommentieren. Aber ich möchte Gott danken, dass ich ihn hier höre.“

Im August 2019 legte Joachim Gauck in der ARD-Talksendung Maischberger einen fulminanten Auftritt hin, u.a. mit starkem Statement zu seinem Glauben. Zu seinem Auftritt titelte Die Welt „Wie dringend die deutsche Politik einen Joachim Gauck bräuchte“ und bescheinigte in dem Artikel, dass der 79-jährige in der Sendung ‚zur Hochform‘ aufgelaufen sei und ‚wie dringend ihn die derzeitige Politik in Deutschland nötig hätte‘. Was in der anschließenden Berichterstattung in den Medien unterging, war Gauck’s wertvolles Statement zu seinem ihn durch Höhen und Tiefen tragenden Glauben (wir berichteten).

Sein Glaube habe sich im Laufe seines Lebens verändert, so wie auch er sich verändert habe, erklärte Gauck. Weiter brachte er zum Ausdruck, dass er auch in Phasen des Zweifelns aber immer an seinem Glauben festgehalten habe. Dazu betonte der Altbundespräsident:

„Dennoch holt der Glauben den Menschen immer wieder ein. Aus dem Glauben sind zu mir ganz starke Kräfte gekommen: Länger hoffen zu können als manch anderer, und tiefer vertrauen zu dürfen, um sich auch bestimmten Gefahren auszusetzen.“

Am Freitag wurde Gauck 80 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag gratulierte ihm auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Dieser bescheinigte dem Altbundespräsidenten, dass er  durch seine „zuversichtliche und fröhliche Glaubenshaltung“ auch die Kirchen ermutigt habe. Weiter erklärte Bedford-Strohm, dass aus Gaucks Wirken „viel Segen erwachsen“ sei.

Quellen: evangelisch.de, jesus.de, welt.de, promisglauben.de, youtube.com, pro-medienmagazin.de