Luisa Neubauer: „Ich gehe gerne in den Gottesdienst“

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Die Klimaschutzaktivistin und Publizistin Luisa Neubauer unterhielt sich kürzlich live in der Distel Berlin mit Gregor Gysi für den Podcast „Missverstehen Sie mich richtig“. Dabei wurde auch die Gretchenfrage zum Thema, im Zuge derer Luisa Neubauer über ihre christliche Prägung sprach und Gregor Gysi verriet, dass der Entertainer Hape Kerkeling ihn zum Pilgern auf dem Jakobsweg ermutigte.

Gregor Gysi sprach Luisa Neubauer darauf an, dass sie sich einst stark in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte, dabei an einem Austauschprogramm mit Tansania teilnahm und im Oktober 2023 sogar Papst Franziskus anlässlich der Vorstellung des päpstlichen Umweltschreibens Laudate Deum‘ traf. Dabei teilte der Linken-Politiker mit, dass er auch schon Papst Franziskus getroffen habe, und wollte im Zuge dessen von Luisa Neubauer wissen, welche Rolle Religion und Kirche in ihrem Leben spiele. Daraufhin berichtete die 30-Jährige, dass sie in einem Stadtteil in Hamburg aufwuchs, in dem es eine lebendige Kirchengemeinde gab. Dazu betonte Luisa Neubauer:

„Wir jungen Leute waren damals alle beim Konfi-Unterricht.“

Sie und ihre Geschwister seien damals aufgrund des Angebots in diese Kirchengemeinde gegangen und nicht weil sie von den Eltern aus dies hätten tun müssen, schilderte die Hamburgerin und erklärt weiter:

„Die Jugendarbeit, die damals in dieser Kirchengemeinde gemacht wurde, war spektakulär toll. Dort gab es wirklich bilderbuchartige Demokratiebildung, Verantwortungsübernahme, Freundschaften, Fürsorge, Vorsorge, was natürlich alles spirituell religiös unterlegt war.“

Die Jugendarbeit sei so gut gewesen, dass auch Jugendliche aus anderen Religionen und auch nichtreligiöse Menschen an den angebotenen Aktivitäten teilgenommen hätten. Diese Kirchengemeinde sei „eine absolute Bereicherung für den Stadtteil“ und für die Jugendlichen gewesen. So habe sie sich dann für die Stelle als Jugendleiterin beworben und sich mehrere Jahre ich in dieser Kirchengemeinde engagiert. Zum Auswahlverfahren für die Stelle als Jugendleiterin teilte Neubauer mit:

„Du wirst ausgewählt, ob du mitmachst, ob du dich engagierst, aber auch ob du lieb bist und ob du anderen hilfst. Das war eine so wichtige Gegenströmung zu diesem Coolness-Wahn, der in der Schule ausartete.“

Während in der Schule diejenigen als „die Coolsten“ angesehen worden seien, die „keine Hausaufgaben machen, sich nicht für Schule interessieren, dazwischenrufen und in den Büschen rauchen“, hätten in der Kirchengemeinde andere Kriterien eine Rolle gespielt, erinnerte sich die Klimaaktivistin und erklärt dazu:

„In der Kirche war klar: Die Coolsten sind diejenigen, die am Start sind, die einfach achtsam und nett und lustig die Sachen mitmachen. Das hat mir in der Zeit geholfen, mich nicht so von nervigen Blödianen einnehmen zu lassen.“

Bei einem Austauschprogramm von Jugendleitern mit einer evangelischen Partnergemeinde in Tansania, an dem sie als Jugendleiterin teilnahm, sei ihr Einsatz für den Erhalt der Schöpfung grundgelegt worden, berichtete Luisa Neubauer. Dort habe sie das Subsidiaritätsprinzip vor Ort erlebt und über mehrere Jahre ein Programm zur Installierung einer Wasserleitung mit vorangetrieben. Nachdem der Ausbau des Wasserleitungssystems abgeschlossen war, sei es jedoch währenddessen dazu gekommen, „dass sich das Klima dort im Hochland so verändert hatte, dass der Regen nicht mehr kam“. Das direkt mitzubekommen, dass sich durch Kohleemissionen in den reichen Ländern das Klima so verändern würde, berührte die Hamburgerin emotional tief. Sie habe das „blöd und unehrlich“ empfunden, „dass wir da ankommen und schöne Entwicklungssachen machen“ und auf der anderen Seite gleichzeitig mitverantwortlich für die Klimaveränderung seien, so dass sie nach dieser Erfahrung entschieden habe, „dass ich einen Beitrag leisten möchte, dass wir in Deutschland aus der Kohle aussteigen“, begründet die Klimaaktivistin ihre damals aus dieser Erfahrung grundgelegte Motivation.

 

Zu ihrer Begegnung mit Papst Franziskus im Oktober 2023 berichtete Luisa Neubauer, dass dieses Treffen „total nett“ gewesen sei. Bereits zuvor habe sie die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2015 sehr beeindruckt, die weltweit „eingeschlagen“ sei und in der katholischen Kirche eine breite Bewegung ausgelöst habe. In den Vatikan sei sie dann mit anderen Leuten aus der Umweltbewegung anlässlich der Vorstellung des Apostolischen Schreibens „Laudate deum“ von Papst Franziskus eingeladen worden. Dort habe sie beeindruckt, dass sie auf der damaligen Pressekonferenz zu diesem Treffen alles habe sagen können und dass der Papst sie in ihrem Wirken ermutigt habe.

Auf die anschließende Frage von Gregor Gysi, ob sie heute noch religiös sei und in die Kirche gehe, berichtete Luisa Neubauer, dass sie „eben gerade“ noch in einer Kirche in Berlin eine Kerze für den verstorbenen Schauspieler Axel Schreiber anzünden wollte. Dazu erklärte sie:

„Ich weiß gar nicht, ob der religiös war, aber so ein Licht kommt ja an, in der Regel irgendwo.“

Die Kirche, in der sie die Kerze anzünden wollte, sei allerdings aufgrund von Vandalismus nur noch mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet, merkte Luisa Neubauer mit Bedauern an. Zu ihrer Religiosität ließ sie wissen:

„Ich bin sehr gerne an spirituellen Orten. Ich gehe auch ab und zu in ein Kloster in Frankreich. (…) Ich gehe gerne mal in den Gottesdienst. Ich höre mir auch gerne den Deutschlandfunk-Gottesdienst an.“

Sie sei schon religiös, betonte die 30-Jährige und schilderte, dass sie das an Orten, wo sie zur Ruhe kommt, feststelle. Das Handy mal zur Seite zu legen, tue einem Menschen aber – mit oder ohne Gott – allgemein ganz gut, fügte Luisa Neubauer an.

Daraufhin gab Gregor Gysi Einblicke zu einem Gespräch mit Hape Kerkeling über den Glauben an Gott (Anmerkung: Nach einem Hörsturz sowie der Entfernung seiner Gallenblase entschloss sich Hape Kerkeling im Jahr 2001 den 800 Kilometer langen Camino Francés, der der bekannteste und beliebteste Jakobsweg ist, zu laufen. In seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ beschreibt der Entertainer, dass er gegen Ende seiner Reise eine „ganz persönliche Begegnung mit Gott“ gehabt habe (wir berichteten)).

Zu seinem Gespräch mit dem Entertainer ließ Gregor Gysi nun wissen:

„Da ich ja nicht an Gott, hat mir Hape Kerkeling gesagt, dass er den Jakobsweg gegangen ist. Und er hat mir gesagt, wenn du diesen Weg wirklich gehen würdest so wie ich, dann erlebst du Gott.“

Er sei aber noch nicht dazu gekommen, auf dem Jakobsweg zu pilgern, fügte Gysi an, woraufhin wiederum Luisa Neubauer anmerkte:

„Aber vielleicht wartet Gott ja irgendwo. Wann kommt er der Gregor?“

Als Gregor Gysi darauf erklärt, dass die Sache anders aussähe, wenn er einmal eine direkte Einladung von Gott erhalten würde, meinte Luisa Neubauer mit Blick auf die Begegnung von Gregor Gysi mit Papst Franziskus:

„Naja, nach dem Papst… Ich weiß nicht, wie persönlich die Einladung noch werden wird. Ich glaube mehr [geht nicht]. Das war ja schon ein Zeichen.“

 

Anbei die beschriebene Sequenz, in der Gregor Gysi und Luisa Neubauer über Glaube und Kirche sprechen (von Min. 18:55 bis 33):

siehe HIER

 

 

In der Vergangenheit betonte Gregor Gysi an verschiedenen Stellen, wie bedeutsam er Religion findet und dass er auch als nicht religiös-gebundener Mensch eine gottlose Gesellschaft fürchte, weil seiner Meinung nach damit der Verlust einer allgemeinverbindlichen Moral einherginge. Er wolle sich auch nicht als Atheist bezeichnet, wenn damit das Verständnis eines Kämpfers gegen die Religion verstanden werde. Er empfinde Religion als wichtig und sei vielmehr ein Heide, zu dem die Religion nicht durchgedrungen ist (wir berichteten).

2018 äußerte sich Gregor Gysi an der Uni Bonn beim „Evangelischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik“ zu seinem persönlichen Blick auf Religion und Religionsunterricht in Deutschland (wir berichteten). Dabei erklärte er, wie wichtig das Verständnis von Religionen für die Toleranz und den gegenseitigen Respekt in der Gesellschaft ist. Weiter verwies er auf die grundsätzliche Wahlmöglichkeit zwischen Religionsunterricht und Ethikunterricht, indem er hervorhob:

„Der Religionsunterricht muss absolut freiwillig sein. Es darf weder ein Druck herrschen, nicht zum Religionsunterricht zu gehen, noch darf es eine Atmosphäre geben, dass du dich unmöglich machst, wenn du als Kind nicht zum Religionsunterricht geschickt wirst.“

Vom christlichen Religionsunterricht erwartet er, dass man das Alte und das Neue Testament kennenlernt und einem das erläutert wird und bestimmte Strukturen in den Kirchen erklärt werden. Er selbst habe in der damaligen DDR den Religionsunterricht nicht besucht. Darauf zurückblickend sagte er:

„Heute tut es mir insofern etwas leid, weil ich später Wissen nachholen musste.“

So habe seine Tochter zum Beispiel mehr über Religion gewusst als er selbst gewusst, „einfach weil sie diesbezüglich den Unterricht darüber genossen hat“. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn er in seiner Schulzeit mehr über Religionen erfahren hätte. Weiter berichtete er:

„Das Christentum spielte zwar im Geschichtsunterricht eine gewisse Rolle in der DDR, aber eine viel zu geringe.“

Zur Bedeutung, dass der Religionsunterricht an Schulen besucht werden kann, erklärte Gregor Gysi:

„Ich halte Religionsunterricht für wichtig, damit die Menschen und die Kinder, die religiös sind und wo das die Eltern wünschen, Schritt für Schritt die Strukturen begreifen, das Alte Testament verstehen, das Neue Testament verstehen.“

Auch für jüdische und muslimische Kinder müsse es die Möglichkeit zum Besuch ihres Religionsunterrichts geben. Dabei erinnerte Gysi an die positive und negative Religionsfreiheit, die in Schulen gewährleistet sein muss.

 

Quellen: youtube.com (1), youtube.com (2), promisglauben.de