Mario Adorf sah sich als verhinderten Gläubigen
Der Schauspieler Mario Adorf war einer der größten Stars des deutschen Films, der im Laufe seiner langen Karriere unzählige Rollen spielte, für die er vielfach ausgezeichnet wurde. Nun ist er im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Wie domradio.de zum Tod von Mario Adorf berichtet, sah sich der Schauspieler als verhinderten Gläubigen.
Im Interview mit domradio.de erinnert sich der Jesuitenpater Andreas Batlogg an den Schauspieler und sein schwieriges Verhältnis zur Kirche. Batlogg schildert, dass ihn ein Interview, das Mario Adorf einst zu seinem Glauben gegeben hat, sehr bewegt habe. Darin habe der preisgekrönte Schauspieler erklärt, dass er kein überzeugter Ungläubiger sei, sondern ein verhinderter Gläubiger. Zu dieser Aussage von Mario Adorf sagt Pater Batlogg: „Er war damals 92 Jahre alt und es fiel mir auf, dass er auf seine Kindheit Bezug nahm, in der er schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Verhinderter Gläubiger heißt für mich: Ich würde gern, aber ich kann nicht. Da hat er auch gesagt, er bewundert alle, die glauben können, ihm ist das so nicht möglich.“
In jüngster Vergangenheit äußerte sich Mario Adorf in Interviews auch zur Gretchenfrage (wir berichteten).
Bereits im Oktober 2019 sprach der Künstler im Interview dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über seinen Umgang mit dem Tod und gab dabei zu erkennen, dass er keine Hoffnung aus dem Glauben an Gott zieht. Dazu sagte der Schauspieler:
„Meiner Ansicht nach kommt nach dem Tod gar nichts mehr.“
Dabei ist ihm bewusst, dass der Glaube an Gott Trost beinhaltet. So erklärte Adorf weiter:
„Es wäre mir allerdings lieber, wenn ich das anders sehen könnte.“
Und weiter:
„Es würde den Gedanken ans Sterben sicher erleichtern, wenn man die Gewissheit hätte, dass es ein Danach gibt.“
Im Sommer 2020 gab Mario Adorf anlässlich seines 90. Geburtstages dem christlichen Magazin stadtgottes ein beeindruckendes Interview, in dem er über sein Leben, ihm wichtige Werte sowie über seine Vorstellung vom Tod sprach. Dabei brachte er zum Ausdruck, dass er nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, an eine Schöpfung der Welt in gewisser Weise jedoch schon.
Adorf zeigte sich gewiss, dass nach dem Tod „Nichts“ komme. Dabei betonte er aber, dass er „alle“ bewundere, die im Glauben leben „und daraus Kraft schöpfen“. Auch wenn er „nicht gläubig im Sinne von Religionen“ sei, die er als „von Menschen geschaffen“ sieht, um der „Angst vor der Endlichkeit“ etwas entgegenzusetzen, so glaubt Mario Adorf dennoch an einen Schöpfer. Dazu sagte er:
„Ich glaube an einen Gott, der dieses Universum geschaffen hat. Mit all seiner Schönheit, Kraft und Unendlichkeit.“
Zudem erzählte die Filmlegende, dass er mit seiner verstorbenen Mutter noch in Verbindung stehe:
„Ich träume von ihr. Und wundere mich im Traum, dass sie noch lebt.“
Im September 2020 bezeichnete sich Mario Adorf im Interview zu seinem 90. Geburtstag mit der Berliner Morgenpost nicht als Atheist. Zu seinem Weltbild erklärte der Schauspieler, dass er von der grundsätzlichen Gutheit des Menschen ausgehe:
„Ich gehe davon aus, dass Menschen nicht böse geboren werden.“
Dazu schilderte er weiter, dass seiner Meinung nach manche Menschen „Anlagen mitbekommen, die sie leichter ins Böse abgleiten lassen“. Zudem seien „noch viele andere Faktoren wie Erziehung und soziales Umfeld“ entscheidend dafür, in welche Richtung sich ein Mensch entwickelt, so Adorf.
Der anschließenden Anmerkung des Interviewers, dass der Gegenpol zum Bösen Gott wäre, an den er aber nicht glauben würde, widersprach Mario Adorf derart, dass er nicht an Gott glaube, wie er in verschiedenen Religionen dargelegt wird. So glaube er nicht , dass Gott „auf irgendeine Art“ an der menschlichen Existenz teilhat, und auch nicht an „die trostreiche Aussicht auf eine Existenz nach dem Tod“. Dazu betonte er:
„Dieser Trost wird mir durch mein Nichtglaubenkönnen nicht zuteil. Das heißt aber nicht, dass ich ungläubig bin.“
Zu seinem Glauben erklärte Adorf:
„Ich meinte vielmehr, dass ich an eine unbegreifliche, unvorstellbare Kraft glaube, die das Universum geschaffen hat.“
Diese Macht, die er als „noch umfassender als Gott“ bezeichnet, sei „so viel größer“, so dass er nicht glauben könne, dass sie mit jeden Menschen in Beziehung stehen könne, fügte der Schauspieler an.
Quellen: domradio.de (1), domradio.de (2), rnd.de, morgenpost.de, stadtgottes / 07-08/2020, Seite 21-23
Der Schauspieler Heiner Lauterbach hinterließ auf Facebook einen liebevollen Nachruf auf seinen Freund und Kollegen Mario Adorf und beendete diesen mit einem Ausdruck der Hoffnung über den Tod hinaus:
„Mach’s gut, alter Freund, wo immer du im Moment auch sein magst. Wir sehen uns…“



