Münsters Bischof Felix Genn hat mit deutlichen Worten dazu aufgerufen, Antisemitismus in Deutschland klar entgegenzutreten. Darüber berichtete katholisch.de:

Am Donnerstag sagte Bischof Genn in Münster:

„Wenn es in unserem Land auch nur die geringsten Anzeichen von Judenhass und Antisemitismus gibt, dann kann die Antwort, die wir als Christinnen und Christen geben, nur heißen: Null Toleranz.“

Genn äußerte sich vor dem Hintergrund aktueller Nachrichten über antisemitische Vorfälle an Berliner Schulen. Am Montag hatte die „Berliner Zeitung“ über einen Fall an einer Grundschule im Ortsteil Tempelhof berichtet. Demnach wurde dort ein jüdisches Mädchen von muslimischen Schülern angegriffen, „weil sie nicht an Allah glaubt“. Zuvor habe ein Schüler auf die Angabe des Mädchens, dass sie Jüdin sei, das Wort „Jude“ mehrfach in bedrohlichem Tonfall wiederholt. Zudem sei das Mädchen sogar schon einmal mit dem Tode bedroht worden.

Dazu sagte Genn:

„Denjenigen, die Judenhass schüren, sagen wir, dass wir ihnen entschieden entgegentreten werden. Antisemitismus ist überall, aber gerade in Deutschland, unerträglich. Wer die Juden beschimpft, der beschimpft auch uns.“

Der Bischof nahm in diesem Zusammenhang auch Bezug auf eine Predigt, die er vor zwei Wochen zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit gehalten hatte. In dieser hatte er angesichts antisemitischer Strömungen zu Wachsamkeit und Sensibilität aufgerufen und die Wichtigkeit der Erinnerung betont.

Angesichts der jüngsten Ereignisse erneuerte Genn seinen Appell:

„Die Erinnerung ist notwendig für die Zukunft, weil sie uns an die Wurzeln unseres Glaubens und unserer Kultur führt, und weil sie uns hilft, allen Kräften zu wehren, die eine so unsagbare Schandtat wie die Schoah möglich machten.“

Erinnerung führe zusammen an die tiefen Wurzeln, aus denen das christliche Abendland entstanden sei, das „bisweilen in unseren Tagen in einer Weise beschworen wird, die genau diesem Erbe entgegensteht“, betonte der Bischof. Zu dieser Erinnerung gehöre vor allem die an die Schwestern und Brüder, die durch „das Feuer des Holocaust“ gegangen seien.

Es sei beschämend, was das deutsche Volk und viele andere dem jüdischen Volk im Laufe „der sich christlich nennenden Geschichte“ angetan hätten, so Genn. Dabei, so unterstrich der Bischof, sehe er durchaus, dass auch die Kirche im Laufe ihrer Geschichte hier „dunkle Seiten hat, die nicht zu übersehen sind“.

Es sei deshalb wichtig, „all denen zu wehren, die mit bewusstem oder unbewusstem oder oberflächlichem Antisemitismus neue Samenkörner legen, die nur in Gewalt und Verachtung enden können“.

Quelle: katholisch.de