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Pater Christoph Kreitmeir: „Auch wir haben unsere Geschichte mit Gott“

In seiner Auslegung zur heutigen Sonntagslesung (1 Sam 3, 3-10.19) und zum Sonntagsevangelium (Joh 1, 35-42) geht unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir auf den Dialog mit Gott ein.

 

Anbei die Wort seiner Predigt:

 

Kennen Sie das: Sie haben sich beim Telefonieren verwählt und jemanden angerufen, den sie gar nicht anrufen wollten. Manche legen einfach wieder auf, was unhöflich ist. Ich habe als Jugendlicher gelernt, dass man sich wenigstens entschuldigt, wenn man sich verwählt hat. Der Angerufene wird das dann sicherlich verstehen.

Wenn Sie sich aber mehrfach verwählen und immer beim gleichen Adressaten landen, dann kann das für beide Seiten sehr ärgerlich werden.

Leider gibt es heute vermehrt Werbeanrufe, die man nur durch ein resolutes „NEIN – kein Interesse“ abwehren kann. Ganz schlimm sind sog. Stalker, die einen permanent anrufen, weil sie einen ärgern wollen. Mittlerweile gibt es leider auch richtige Banden, die gezielt ältere Menschen anrufen, um den sog. Enkeltrick zu machen. Sie wollen dabei von den Angerufenen Geld bekommen und leider funktioniert das auch immer wieder.

Heutzutage muss man sich also vor Falschanrufern, Betrügern und nervenden Werbetelefonaten schützen. Dazu gibt es einige Verhaltensregeln. Leider ist eine Nebenwirkung, dass wir nicht mehr unbelastet ans Telefon gehen, sondern eher kritisch und leicht abwehrend sind.

Mit einem dreimaligen Missverständnis hat die heutige Lesung aus dem Buch Samuel begonnen. Der junge Tempeldiener Samuel meint wiederholt, dass der betagte Priester Eli im Tempel ihn gerufen habe.

Dreimal hintereinander, das kann kein „Falschanruf“, kein Missverständnis mehr sein. Da wird sogar der alte Priester Eli nachdenklich und findet die Antwort: Das muss dann wohl Gott gewesen sein, der Dich, Samuel, „angerufen“ hat.

Hat Gott SIE schon einmal „angerufen“?

Ich meine diese Frage ganz ernst.

Wir sind in unserer modernen Zeit permanent online, auf Abruf, erreichbar, da muss man sich schon vor solchen unvorhergesehenen „Anrufen“ schützen. Das Problem dabei ist, dass Gott meist leise spricht und wir ihn dann gar nicht mehr wahrnehmen.

Genau das ist auch das Problem der modernen Zeit: Wir leiden oft darunter, dass wir wenig von Gott spüren, dass das Wort Gottes in unserem Leben so selten geworden ist. Zumindest können wir es in unserer lauten Umwelt nicht mehr hören …

Die Nacht ist eine beliebte Zeit für Gott, um sich bemerkbar zu machen.

Bei Nacht sind wir untätig, da ist es still, da schlafen wir.

Das ist die Pforte für Gott; da kann er tätig werden. Da verhindern wir nicht sein Wirken durch unsere Geschäftigkeit, Ruhelosigkeit, unsere eigenen Gedanken und Pläne, durch unsere Wünsche und Vorstellungen.

Die Reaktion auf einen echten Anruf Gottes, die Antwort ist immer eine ähnliche:

Bei Samuel lautet sie schlicht und einfach: „Rede, Herr, dein Diener hört“, Bei Maria heißt sie: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Und bei Franz von Assisi heißt es: „Mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens.

Wir selbst sind keine Heiligen oder großen Gestalten des Glaubens, ABER auch wir haben unsere Geschichte mit Gott und in unserem ganz persönlichen Glaubensleben.

Deshalb möchte ich dazu einladen, folgende Fragen etwas an sich heran zu lassen.

  • Zu was bin ich berufen?
  • Halte ich mich immer wieder in Rückzug und Stille dafür offen, meine Berufung zu hören oder spüren?
  • Habe ich da eine Ahnung oder vielleicht sogar eine Gewissheit?
  • Finde ich Mittel und Wege, meine Berufung zu verwirklichen, sie zu leben und dadurch mein Glück und den tieferen Sinn meines Lebens zu verwirklichen?

Meistens sind es nicht die Antworten, die uns befriedigen, sehr oft sind es die Fragen, in die wir hineinwachsen und daran reifen können.

Amen.

Anbei das Lied „Du bist ein Gott, der mich sieht“, das die Worte von Pater Kreitmeir schön nachklingen lässt: