Foto: privat

Pater Christoph Kreitmeir: „Über Gott zu reden muss nicht langweilig sein“

In seiner Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 1 Kor 1, 10-13.17; Evangelium: Mt 4, 12-23) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, wie die Begegnung mit Jesus Menschen damals wie heute zum Leuchten bringt.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Manchmal treten in der Weltgeschichte Menschen auf die Bühne, wo man von Anfang an spürt: Oh, das wird nicht gut. Das ist dunkel, was der da erzählt und macht. Und manchmal ist es das genaue Gegenteil: Da erscheint jemand und mit ihm Hoffnung, Licht, Aufbruchstimmung und echte Zuversicht.

Wir begegnen heute im Evangelium Jesus, als er zum ersten Mal öffentlich auftritt. Die Menschen sind  beeindruckt und fasziniert. Nach dem Gottesdienst stehen die Leute zusammen und fragen einander: Wer ist dieser Mann? Was er sagt, klingt so einfach und trifft einen doch zutiefst. Man kann ihm stundenlang zuhören. Vor allem: es ist so einleuchtend. Es macht froh.

Über Gott zu reden muss nicht langweilig sein. Und es verändert dein Leben zum Guten.

Der Evangelist fasst es in diese Worte: „Das Volk … hat ein helles Licht gesehen!” (Mt 4,16) Als Gegensatz dazu erwähnt er auch die Finsternis: „Das Volk, das im Dunkeln lebte” (Mt 4,16). Es ist, wie wenn nach den langen, dunklen Winternächten der Himmel sich auftut und die Sonne in ihrem vollen Glanz erscheint. Dabei geht es um ein ganz anderes Licht als das, was unseren Tag ausmacht, und um eine ganz andere Dunkelheit als die der Nacht.

Es gibt einen hellen Blick voller Hoffnung und Zuversicht und es gibt den finsteren, voll geheimer Wut und Verzweiflung.

Es ist eine Kraft, die uns von innen her erfasst, ein Funke, der überspringt. Es ist eine Anziehungskraft im tiefsten Grund der Seele, welche die Menschen zum Besseren wandeln will. So könnte es bei jenen gewesen sein, die Jesus gesehen, gehört, mit ihm gesprochen haben. Sie gingen erfüllt, beglückt, voller Hoffnung und Freude von ihm weg oder sie blieben bei ihm, wie es heute berichtet wird.

Wie war wohl das Gesicht Jesu? Wie dürfen wir es uns vorstellen? Wie es ausgesehen hat, wird nirgends beschrieben. An einer Stelle heißt es allerdings, dass es wie die Sonne leuchtet und dieses Licht auf seine Kleider übergeht (Mt 17,2). Und wohl nicht nur auf diese. Es hat auf die Begleiter Jesu eine überwältigende Wirkung. Sie wollen dort bleiben, weil Jesu Ausstrahlung das Gute in ihnen selbst zum Leuchten bringt.

„Licht” hängt zusammen mit leicht.

Alles wird leichter, die Mühen des Alltags, der Arbeit und des Umgangs miteinander, sogar das eigene Schicksal, das durch Krankheit und Trauer oft so schwer sein kann. So könnte es gewesen sein, als Jesus an die Öffentlichkeit trat, in den Synagogen predigte, die Menschen ansprach, Zeit für sie hatte, ihre Nöte ernst nahm und sie heilte. Die Worte „Das Himmelreich ist nahe” (Mt 4,17) dürfen wir ganz wörtlich nehmen: Der Himmel ist nahe!

Es waren die Begegnungen mit Jesus, die Menschen verwandelt haben. Bei denen, die sich auf Jesus einließen, war es seine Ausstrahlung, die alles verändert hat.

Die Aufforderung „Kehrt um!” meint deshalb nicht neue, gewaltige Anstrengungen mit verbissenem Gesicht, sondern die Bereitschaft, neu und ehrlich ins eigene Leben zu schauen und der Stimme der Sehnsucht nach Veränderung und Verbesserung zu folgen.

Dann kann sich Himmel auch in uns ereignen. Dies ist gar nicht so selten. Auch Menschen von heute berichten von Erlebnissen, die bis in die letzte Faser des Herzens gehen, etwas, was sie nie vergessen können. Seitdem habe sich vieles in ihrem Leben verändert. Ihre Prioritäten sind andere geworden.

Auffallend ist, dass die Fischer bei dem Zuruf Jesu sofort alles stehen und liegen lassen, ihre Arbeit aufgeben. Solches tun wir ja nur, wenn die Sirene heult, wenn Feuer im Haus ausgebrochen ist, wenn es um Leben und Tod geht.

Der Text will uns sagen: Das mit dem  Reich Gottes ist etwas so Bedeutsames, dass man gerne alles liegen und stehen lässt, dass man nicht mehr so weitermachen will, dass man daran nicht vorbei gehen kann. Es ist eine neue Zeit angebrochen, wo alles anders wird.

Es ist, als ob es erst jetzt Tag geworden wäre. So haben die ersten Christen die Begegnung mit Jesus erlebt. Sie stiegen ein in ein neues Dasein. Der sie dazu einlud, hat sich dann als das Licht erwiesen, das nicht untergeht. Wir brauchen es so sehr, lieber Gott! Sende bitte wieder Lichtstrahlen und Lichtboten in unsere durcheinandergeratene Welt. Amen.

Hinweis: Mehr geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite unter:

www.christoph-kreitmeir.de