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In seiner Auslegung zur heutigen Sonntagslesung (Jak 2,14-18) und zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 8,27-35) vergleicht unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor die Nachfolge in den sozialen Medien als Follower mit der Nachfolge Jesu Christi. Dabei beschreibt er: „Follower“ ist nicht gleich „Follower“.

Hier die Worte seiner Predigt mit dem Titel „Tritt hinter mich!“ 

1967, vor 54 Jahren, hat Papst Paul VI. den „Welttag der Massenmedien“ eingeführt, der inzwischen „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ heißt. In Deutschland wird er am zweiten Sonntag im September begangen, in anderen Ländern findet er drei Tage nach Christi Himmelfahrt statt. Am 24. Januar, am Gedenktag des hl. Franz von Sales, veröffentlicht der Papst im Hinblick auf diesen Tag eine Botschaft, die sich im Sinne der Christlichen Soziallehre mit der Ethik modernen Kommunikation beschäftigt. In diesem Jahr hat sie die Überschrift: „Komm und sieh“ (Joh 1,46). Kommunizieren, indem man den Menschen begegnet, wo und wie sie sind“.

Dort sein, wo die Menschen sind, das hatte das II. Vatikanische Konzil dem Papst und den Bischöfen als bleibenden Auftrag mitgegeben.

In den Medien, vor allem in der Presse, dem Rundfunk und im Fernsehen, sah es eine Chance, bei den Menschen zu sein und als Kirche in die Gesellschaft hineinzuwirken. Der Papst hätte sich wohl nie träumen lassen, wie sich die Massenmedien in der Folgezeit entwickelten. Internet, Social Media, digitale Medien sind aus unserem Leben heute nicht mehr wegzudenken. Sie bestimmen unser Leben und die öffentliche Meinung. Schauen wir nur auf die Tweets von Ex-Präsident Trump. Ob die Dinge und Aussagen wahr waren oder nicht – mit Posts auf Instagram und Twitter hat er handfeste Politik gemacht.

Wer heutzutage Gefolgschaft sucht und etwas bewirken möchte, der benutzt Snapchat, Facebook, Instagram, Telegram oder Twitter.

Wir nennen diese Menschen Influencer, die mit ihren Medienpräsenz in den sozialen Netzwerken Trends setzen, den Zeitgeist beeinflussen und neue Maßstäbe definieren. Oft frage ich mich, ob Jesus unsere heutigen Medien auch für sich und seine Botschaft benutzt hätte? Ich denke schon. Jedoch glaube ich, er hätte sie anders benutzt.

Den meisten Influencern geht es in erster Linie darum, mit ihren Accounts Geld zu verdienen. Es geht ihnen weniger um den konkreten Menschen, der sich selbst zum „Follower“ macht.

Der Fußballer Toni Kroos z. B. hat auf Instagram ungefähr 21,7 Millionen Follower. Davon sind tatsächlich wohl nur sehr, sehr wenige Menschen, die ihn wirklich persönlich kennen und zu denen er auch eine persönliche Beziehung hat.

Aber genau um diese geht es Jesus. Er fragt seine Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie antworten: Die einen meinen, du bist der zurückgekommene Johannes der Täufer, andere sagen, du bist der zurückgekehrte Elija, oder einer, der wie die früheren Propheten spricht und wirkt. Sie bringen damit zum Ausdruck: Irgendwie können die Leute dich nicht so richtig einschätzen. Vielleicht, weil sie dich nur vom Hörensagen kennen und dir noch nicht wirklich persönlich begegnet sind. Und dann fragt er: Ihr aber, ihr, die ihr mich wirklich kennt, für wen haltet ihr mich? Und Simon Petrus, der Anführer der Jünger, antwortet: Du bist der Christus. Und meint damit: So, wie wir dich erlebt haben, wie du mit uns umgehst, wie du von Gott sprichst, wie du auf Menschen zugehst, sie ernst nimmst und ihnen zum Leben verhilfst, kannst du kein anderer sein, als der von Gott verheißene Messias. Du bist der, der von Gott kommt. Du bist der, der engstens mit Gott verbunden ist und der uns das Heil bringt, das wir von Gott her erwarten.

Jesus merkt, dass ihn seine Jünger besser kennen als die anderen Leute.

Er spürt das Vertrauen und die Verbundenheit, die er in ihren Herzen auslöst. Aber er nimmt auch Erwartungen wahr, die er nicht erfüllen kann und will. Er möchte kein Idol für sie sein, dem sie schwärmerisch folgen. Darum konfrontiert er sie mit der harten Realität dessen, was es heißt, Christus, der Gesalbte des Herrn, zu sein.

Ein Messias Gottes, der leiden muss, der von den religiösen Führern nicht akzeptiert wird, ja, dem man mit Gewalt an den Kragen geht, liegt nicht gerade im Wunschbereich der Jünger.

Sie haben einen Messias erwartet, in dessen Glanz auch sie etwas glänzen. Sie erwarten einen, der mit Macht die Dinge in die Hand nimmt – und sie als seine engsten Anhänger sind dann mit dabei. Doch nichts von all dem. Dann redet er auch noch von Auferstehung. Der Protest des Petrus musste kommen. Doch hier wird Jesus sehr deutlich:

Es geht nicht darum, was die Menschen, die Jünger oder ein Petrus wollen. Es geht darum, was Gott will!

Das wäre der Augenblick, wo sich Follower heutzutage aus dem Netzwerk ihrer Influencer ausloggen. Wenn jemand den Erwartungen seiner Follower nicht mehr entspricht, zu viel von ihnen verlangt oder einfach nicht mehr unterhaltsam genug ist, dann ist er mit der Bewegung eines Fingers, einem Klick, Vergangenheit und weg vom Fenster.

Mit der Aufforderung „Tritt hinter mich!“ verlangt Jesus etwas anderes. Er möchte kein schwärmerisches Mitlaufen, sondern die existenzielle Entscheidung, sich auf den Weg zu machen, den er vorausgeht.

Ihm nachfolgen heißt, sich selbst verleugnen. Wenn ich wirklich mit Jesus gehen möchte, dann muss ich meine schwärmerischen Erwartungen an ihn über Bord werfen. Und das ist nicht leicht. Wie schnell sind wir dabei, Jesus um seine Hilfe anzurufen, wenn wir etwas brauchen. Wie selten sagen wir bei einer schweren und leidvollen Herausforderung: Ja, Herr, ich geh den Weg, geh du ihn mit. Und noch seltener sagen wir: Ich geh den Weg, weil du ihn für mich gegangen bist.

Der Verfasser des Jakobusbriefes schreibt, Glaube braucht Werke, und meint, es muss existentiell sichtbar werden, dass jemand Jesus nachfolgt. Daran erinnert die Botschaft des heutigen Sonntags und ermutigt uns, den Weg Jesu zu gehen.

Amen.

 

Anbei die Besinnung zur Kommunion, mit der Pater Peter in seiner heutigen Sonntagsmesse die Herzen berührte:

 

Die steile Karriere als Messias,

die deine Jünger von dir erhofften,

wurde zur „Karriere nach unten“:

Der Künder von Gottes Wort

wurde zum Stummen.

Der Retter wurde zum Hilflosen

Deine Macht wurde zur Ohnmacht

Der erhoffte Ruhm wurde zum Spott

Deine Herrschaft wurde zur Hingabe.

„Ich hielt meinen Rücken denen hin,

die mich schlugen.“ – dieses Jesaja-Wort

wurde deine harte Lebens-Realität.

Doch selbst ganz unten,

dort wo kein Ausweg mehr aufblitzt

und kein Trost mehr zu spüren ist,

hast du das Vertrauen nicht aufgegeben,

dass Gott dir helfen wird.

Sogar noch im Tod

warst du dir seiner Liebe gewiss.

Sie hat dich vom Opfer zum Sieger gemacht,

vom Knecht zum Gebieter.

Der Tote wurde zum Herrn des Lebens.

Der Verurteilte zum Richter.

Herr, lass mich wie du

der Liebe des Vaters vertrauen,

besonders dann,

wenn ich den Kreuzweg

meines Lebens gehen muss.

 

Hier noch ein inspirierender Song zur Nachfolge Jesu: