Pater Peter Uzor: „Die Nachricht der Auferstehung verändert alles“
In seiner Predigt in der Osternacht 2026 beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor, was wir in dieser Nacht des 4. April 2026 feiern.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:
„Halt! Warten Sie! Ich habe noch was vergessen!“
Stellen Sie sich diese Szene vor: In einer engen, schon etwas dämmrigen Gasse einer kleinen Stadt rennt ein kleiner Junge aus Leibeskräften einem Mann hinterher. Der Mann war gerade noch in einer Kunstbuchhandlung, hat dort mit dem Jungen ein Bild der Kreuzigung betrachtet. Der Junge hatte ihm alles erklärt: die Soldaten, die weinende Maria, das schaulustige Volk. Er hatte gesagt: „Das ist Jesus. Er ist für alle gestorben.“
Der Mann war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit des Kindes, verabschiedete sich und ging seiner Wege. Doch dann dieser Ruf. Der Junge holt ihn ein, völlig außer Atem, die Augen leuchten: „Er ist auferstanden! Jesus lebt! Das wollte ich Ihnen noch sagen!“
Dieser Junge hat instinktiv gespürt: Ohne diesen Nachsatz ist die ganze Geschichte unvollständig. Ohne diesen „Zusatz“ wäre das Kreuz nur eine Tragödie unter vielen, ein trauriges Ende in einer Welt, die ohnehin schon voller trauriger Enden ist.
Heute, in dieser Nacht des 4. April 2026, feiern wir genau diesen „Nachsatz“, der alles verändert. Das Evangelium nach Matthäus, das wir gerade gehört haben, beginnt in einer ähnlichen Stimmung wie die Gasse in der Kleinstadt: Es ist dämmrig, es ist früh am Morgen, und zwei Frauen – Maria aus Magdala und die andere Maria – gehen zum Grab.
Sie gehen dorthin, wo Geschichten normalerweise enden. Sie erwarten Stille, einen schweren Stein und die kalte Realität des Todes. Doch was sie erleben, ist eine Erschütterung: Die Erde bebt.
Dieses Erdbeben ist mehr als Geologie. Es ist das Zeichen dafür, dass die alte Weltordnung, in der der Tod das letzte Wort hat, aus den Fugen gerät. Der Engel sagt den Frauen – und er sagt es heute uns: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“
Liebe Gemeinde, warum ist diese Nachricht so entscheidend? Der Schriftsteller Ernest Hemingway schrieb einmal in seinem Roman „Fiesta“: „Alle Geschichten enden, wenn man sie weit genug verfolgt, mit dem Tod.“
Wenn wir uns heute in der Welt umsehen, könnte man fast glauben, Hemingway hätte recht. Wir hören von Konflikten, die nicht enden wollen, von der Sorge um unsere Schöpfung, von Einsamkeit in einer digital überfluteten Welt. Wir hören von Unsicherheit, wirtschaftliche Sorgen, persönliche Schicksale. Viele tragen Ängste in sich – um die Zukunft, um die eigene Gesundheit, um das Leben ihrer Kinder. Wir sehen die „dunklen Gassen“ unserer Zeit, in denen Hoffnung oft wie ein Luxusgut wirkt.
Es scheint so zu stimmen: Alle Geschichten enden mit dem Tod. Ostern widerspricht. Ostern sagt: Nein, die Geschichte endet nicht im Tod. Sie geht weiter. Und sie führt zum Leben. Das bedeutet nicht, dass alles Leid verschwindet. Es bedeutet nicht, dass wir keine Angst mehr kennen. Aber es bedeutet:
Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Dunkelheit ist nicht das Ende. Und nichts, was aus Liebe getan wird, geht verloren.
Das ist die Hoffnung, die in dieser Nacht entzündet wird – wie das Licht der Osterkerze. Ein kleines Licht – und doch stark genug, die Dunkelheit zu durchbrechen.
In der Geschichte vom Anfang lässt der Junge den Mann nicht einfach gehen. Er spürt: Diese Nachricht ist zu groß, um sie für sich zu behalten. Und genau das ist der Auftrag des Auferstandenen im Evangelium: „Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern…“
Die Frauen rennen weg – mit einer Mischung aus „Furcht und großer Freude“. Das ist so menschlich! Wir müssen nicht perfekt sein, um Zeugen der Auferstehung zu sein. Wir dürfen zittrige Knie haben, solange unser Herz brennt.
Wir sind heute gerufen, wie dieser kleine Junge durch die Gassen unserer Welt zu laufen – durch die Büros, die Krankenhäuser, die Wohnzimmer und die sozialen Netzwerke – und zu rufen: „Halt! Es gibt da noch etwas: Das Leben siegt!“
Diese Osternacht lädt uns ein, den „Stein“ vor unserem eigenen Herzen wegrollen zu lassen. Vielleicht ist es der Stein der Resignation, der Stein der Trauer oder der Stein der Gleichgültigkeit.
Gott sagt uns in dieser Nacht: Ich habe eine neue Seite im Buch des Lebens aufgeschlagen. Eine Seite, die nicht mit dem Tod endet, sondern mit Licht.
Lassen wir uns von der Freude des kleinen Jungen anstecken. Lassen wir uns von der Eile der Frauen am Grab inspirieren.
Die Botschaft der Auferstehung ist kein theoretisches Dogma; sie ist eine lebendige Kraft, die uns heute – hier in dieser Kirche und morgen in unserem Alltag – den Rücken stärkt.
Ostern ist keine Nachricht zum Festhalten – sondern zum Weitergeben.
Der Auferstandener beauftragt uns wie er die Frauen beauftragt hat: Geht. Erzählt weiter. Lebt so, dass andere spüren: Da ist Hoffnung. Vielleicht nicht laut auf der Straße. Aber in der Art, wie wir leben. Wie wir mit anderen umgehen. Wie wir Hoffnung bewahren, wo andere sie verloren haben. Vielleicht nicht mit großen Worten. Aber in kleinen Gesten: in Geduld, wo Ungeduld herrscht, in Versöhnung, wo Streit ist, in Zuversicht, wo Angst dominiert. So wird die Osterbotschaft konkret. So wird sie glaubwürdig. Die Welt braucht diese Botschaft. Mehr denn je.
Wenn wir gleich das „Halleluja“ singen, dann tun wir das nicht, weil die Welt plötzlich problemlos geworden ist. Wir singen es, weil wir wissen: Er lebt. Er geht uns voraus.
Die Nachricht der Auferstehung verändert alles. Sie schenkt uns eine neue Perspektive. Sie gibt unserem Leben einen Sinn, der über das Grab hinausreicht.
Gehen wir heute Nacht nach Hause mit diesem Wissen im Herzen: Die Geschichte ist nicht zu Ende. Das Beste kommt noch. Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaft auferstanden! Amen.



