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Oft prägen Sympathien und Vorurteile unseren Alltag. Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, die für asozial erklärt  und ausgegrenzt werden. In seiner Auslegung zur Sonntagslesung (Lev 13, 1-2, 43-46) und zum Sonntagsevangelium (Mk 1, 40-45) verweist unser geistlicher Begleiter Pater Peter Uzor, dass Jesus diese Grenzen überwindet, keine Berührungsängste hat, Sympathien – das bedeutet wörtlich: Mitleid – hat und sich denen zuwendet, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Er befreit sie von Brandmarkung und macht sie wieder gesellschaftsfähig.

 

Hier die Worte der Predigt von Pater Peter, die er unter den Titel „Ausgeschlossen uns Ausgegrenzt“ stellt:

 

Selten werden biblische Texte, die das Lesejahr vorgibt, so aktuell wie am heutigen Sonntag. Wenn wir statt „Aussatz“ den Begriff „Corona“ einsetzen, dann sind wir schon mittendrin in dem, was uns der Evangelist Markus heute als „Frohe Botschaft“ verkünden will.

Zur Zeit Jesu gab es Aussätzige. Sie hatten Aussatz und wurden ausgesetzt. Sie litten an der hoch ansteckenden Krankheit, die Menschen fürchterlich entstellt und eigentlich Lepra heißt. Immer noch kommt diese Krankheit in verschiedenen Regionen dieser Erde vor. Damals wusste man sich nicht besser zu helfen, als diese Menschen von den anderen zu isolieren und von der Gemeinschaft fernzuhalten. Sie mussten durch lautes Rufen auf sich aufmerksam machen, so dass man zu ihnen Abstand halten konnte.

Ein solcher Kranker wagt sich in die Nähe von Jesus und bittet ihn kniefällig: Wenn du willst, kannst du mich rein machen.

Vielleicht hat er Zweifel, ob Jesus will und kann. Jesus will, ob aus Mitleid mit dem Kranken oder aus Zorn über die Krankheit, muss offen bleiben. Er will ihn heil machen, und er kann es.

Gott hat Mitleid mit Menschen, die unter einer Krankheit leiden, und er will, dass sie Heil erfahren.

Wenn sie nicht gesund werden können, sollen sie wenigstens in der Weise Heil erfahren, dass sie sich nicht von Gott und den Menschen im Stich gelassen fühlen müssen.

Auch heute werden Menschen isoliert. Corona ist tatsächlich hochansteckend. Schutzmaßnahmen müssen getroffen werden. Menschen leiden weltweit unter dieser Krankheit und müssen isoliert werden. Manche mussten sogar ohne Beistand sterben. Die Gefahr durch diese Krankheit besteht immer noch.

Was macht das mit den Menschen, unter so einer Gefahr leben zu müssen? Was macht das mit unseren Kindern und Enkeln? Sie wachsen auf mit dem Gebot, Abstand zu halten vom Nächsten, auch von den liebsten Verwandten, statt ihre Nähe suchen zu dürfen.

Existenzielle Ängste nehmen zu. Menschen sorgen sich um ihre Zukunft, und das mit Recht. Die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie sind nach wie vor kaum abzusehen. Menschen trauern um Verstorbene, von denen sie sich nicht verabschieden konnten.

Das kleine Virus Corona hat großes Leid über die Menschen gebracht. Das ist die Wirklichkeit, in der wir leben und mit der wir umzugehen haben, auch am Sonntag, auch an Karneval, auch am Valentinstag.

Aber nicht nur wegen Corona werden Menschen ausgegrenzt. Manche werden einfach nur so isoliert und ausgegrenzt. Als ob sie eine ansteckende Krankheit hätten. Mobbing heißt diese Art von Ausgrenzung.

Jugendliche sind Opfer von Mitschülerinnen und Mitschülern, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen werden gemobbt. Wirkliche Gründe können zumeist nicht genannt werden. Die Nase ist zu krumm, die Kleidung zu altmodisch, die Stimme zu unangenehm, die Hautfarbe ist nicht hell genug. Diejenigen, die zu den Opfern halten, müssen befürchten, bald selbst ausgegrenzt und gemobbt zu werden.

Wenn Mobbing durchbrochen werden kann, dürfen wir mitten in unserem Alltag ein Fest der Auferstehung feiern.

Oft aber endet Mobbing so, dass die Betroffenen regelrecht kaputtgespielt werden und die Szene verlassen müssen. Jugendliche müssen die Schule wechseln, Erwachsene ihren Arbeitsplatz. Die Täter dürfen bleiben. Noch schlimmer ist es beim Cybermobbing, wenn Opfer in den sozialen Medien terrorisiert werden. Die Täter handeln vielfach anonym und geschützt durch den Datenschutz. Das, was zerstört wurde, bleibt meistens ungesühnt. Oft haben Menschen ein Leben lang daran zu tragen. Die Opfer fühlen sich von Gott und der Welt verlassen.

Ihnen wird heute gesagt: Jesus hat Mitleid mit euch und ist voll Zorn über das, was euch angetan worden ist – im Namen Gottes! Hilft das? Heilt das, führt das heraus aus der unheilvollen Situation? 

Sicher nicht direkt. Aber das Wissen darum kann helfen, der Entmutigung, der Hoffnungslosigkeit, einer Depression und der Verzweiflung zu entgehen. Es kann helfen, dass Menschen sich nicht nur und ausschließlich nicht gesehen, verachtet, wertlos oder krank fühlen. Wer gemobbt wird, ist nicht schlechter als andere. Genauso wenig, wie die unheilbar Kranken oder die mit Corona Infizierten schlecht oder böse sind. Es müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden für die Opfer, ihre Angehörigen und die, die ihnen beistehen. Das ist es, was wir Menschen tun können und müssen.

Und es liegt auf der Linie Jesu. Er macht eine andere Grundhaltung deutlich: Er holt herein statt auszugrenzen. Er übersieht und vergisst niemanden. Er grenzt keinen aus.

In dieser Grundhaltung gilt es, mit dem Corona-Virus umzugehen und sich an die Seite der Opfer zu stellen. Da helfen schon kleine Zeichen der Solidarität: Manche gehen einkaufen für Nachbarn, die nicht aus dem Haus dürfen, bieten Dienste an für Menschen, mit denen sie sonst kaum zu tun haben. Und wo anderes nicht möglich ist, können Menschen im Gebet aneinander denken. Oder denen, die helfen und Ausgrenzung überwinden, Danke sagen. Eine Zeit lang haben Leute auf Balkonen und an offenen Fenstern applaudiert und gesungen. Hoffentlich schlägt sich das auch in einer entsprechenden Bezahlung für die „Helden des Alltags“ nieder!

Es ist so einfach und doch so schwer, mit Jesus zu lernen, anders zu leben.

Nicht umsonst hat Papst Franziskus seine jüngste Enzyklika mit einem Zitat von Franz von Assisi überschrieben: Fratelli tutti. Wir alle sind Brüder und Schwestern im gleichen Wohnhaus der Schöpfung. Ökonomie und Ökologie sollen helfen, dieses Wohnhaus auch für die kommenden Generationen wohnlich zu erhalten. Gerade auch die Ökonomie, die Wirtschafts- und Finanzwelt, soll dem Menschen dienen, vor allem den Schutzbedürftigen und Schwachen, nicht umgekehrt.

Das Evangelium von der Heilung des Aussätzigen ist wirklich eine frohe Botschaft, die das deutlich macht.

Wir sind nicht nur auf uns selbst gestellt, sondern wir dürfen auch mit Gott rechnen. Der will jedem Menschen gut und will, dass er aufatmen kann, Trost findet und froh und mutig durch das Leben geht. So setzt sich Auferstehung fort und österliches Leben, das wir immer wieder feiern dürfen.

Heute am Valentinstag spielen Blumen eine große Rolle. Aber wegen der Ansteckungsgefahr können wir die mitgebrachte Sträuße nicht weitergeben.

Am Ende dieser Predigt soll ein Blumenstrauß gebunden werden, wenigstens symbolisch:

Ein Blumenstrauß für alle, die verliebt sind und an die Liebe glauben. Für die, die in ihrer Liebe gescheitert sind und manchmal wie Aussätzige behandelt werden, vor allem vonseiten der Kirche, wenn sie erneut heiraten wollen. Ein Blumenstrauß für alle Kranken, Außenseiter und Ausgegrenzten und für die, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Ein Blumenstrauß für die, die bis an ihre Belastungsgrenzen und darüber hinaus gefordert sind und sich einsetzen. Ein Blumenstrauß für die, denen wir persönlich viel zu verdanken haben und für die, um die wir uns Sorgen machen.

Möge der integrierende Geist Jesu um sich greifen und unser Leben heil machen. Damit wir achtsam und gut miteinander leben lernen.

Amen.

 

Hier ein wunderschöner Song von Samuel Harfst, der die Worte von Pater Peter in einem Musikstück greifbar macht und nachklingen lässt: