Pater Peter Uzor: „Wo wir auf das Wort Christi hören, kann Neues entstehen“
Seine Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit (Joh 21,1-14) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor unter die Überschrift „Wenn die Netze leer bleiben – Der Ruf zum Neuanfang“. Das große Thema ist Begegnung mit dem Herrn nach seiner Auferstehung.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:
Es gibt Momente im Leben, in denen man spürt: So geht es nicht weiter. Und gleichzeitig weiß man nicht: Wie soll es weitergehen? Genau an diesem Punkt stehen die Jünger im heutigen Evangelium (Joh 21,1-14).
Sie sind zurück in Galiläa. Zurück am See. Zurück bei ihrem alten Beruf. „Ich gehe fischen“, sagt Petrus (Joh 21,3). Das klingt zunächst ganz normal – aber eigentlich ist es ein Satz voller Resignation. Es ist ein Rückzug. Ein Zurück in das Alte, Vertraute, Sichere.
Denn was liegt hinter ihnen? Der Tod Jesu. Das Scheitern aller Hoffnungen. Die eigene Angst. Und – nicht zu vergessen – auch das eigene Versagen, besonders das des Petrus (vgl. Joh 18,17.25-27). Und was liegt vor ihnen? Ungewissheit. Die Nacht, in der sie fischen, ist ein starkes Bild: „In dieser Nacht fingen sie nichts“ (Joh 21,3). Nichts. Leere Netze. Leere Hände. Vielleicht auch ein leeres Herz.
Ist das nicht eine Erfahrung, die viele kennen? Man hat sich angestrengt – und nichts erreicht. Man hat gehofft – und wurde enttäuscht. Man hat sich eingesetzt – und ist gescheitert. Vielleicht denken die Jünger: Alles war umsonst. Doch genau in diese Situation hinein tritt Jesus.
Nicht mit Vorwürfen. Nicht mit Anklage. Sondern mit einer einfachen Frage: „Habt ihr nicht etwas zu essen?“ (Joh 21,5)
Er begegnet ihnen dort, wo sie stehen – in ihrer Leere. Das ist entscheidend:
Der Auferstandene kommt nicht erst dann, wenn unser Leben gelingt. Er kommt gerade in unser Scheitern hinein.
Dann sagt er etwas Merkwürdiges: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus“ (Joh 21,6).
Ein seltsamer Rat – vor allem für erfahrene Fischer. Sie haben die ganze Nacht gearbeitet. Sie wissen, wie es geht. Und doch: Sie tun es.
Warum? Vielleicht, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Vielleicht, weil in diesem Wort eine Autorität liegt. Vielleicht, weil in ihnen noch ein Rest Vertrauen lebt.
Und dann geschieht das Unerwartete: Die Netze sind plötzlich übervoll. Das ist mehr als ein Wunder. Es ist ein Zeichen:
Wo wir auf das Wort Christi hören, kann Neues entstehen – selbst nach dem Scheitern.
Da sagt der Jünger, den Jesus liebte: „Es ist der Herr!“ (Joh 21,7) Er erkennt Jesus nicht zuerst mit den Augen – sondern im Glauben. Im Rückblick. Im Deuten dessen, was geschehen ist.
So geschieht Glauben auch heute: Nicht immer sofort, nicht immer offensichtlich – aber im Erkennen: Hier war Gott am Werk.
Und Petrus? Er springt ins Wasser. Das ist typisch Petrus: impulsiv, leidenschaftlich, vielleicht auch beschämt – aber voller Sehnsucht. Der, der versagt hat, läuft auf Jesus zu. Und Jesus lässt ihn kommen.
Am Ufer erwartet sie kein Gericht. Kein „Warum hast du mich verleugnet?“ Stattdessen: Ein Feuer. Brot. Fisch. Gemeinschaft.„Kommt her und esst!“ (Joh 21,12) Das ist unglaublich zärtlich.
Der Auferstandene schenkt Gemeinschaft – bevor alles geklärt ist. Er schenkt Nähe – trotz Schuld. Er schenkt Vertrauen – noch bevor Petrus neu beauftragt wird (vgl. Joh 21,15ff.).
Das ist die Botschaft: Gott beginnt neu – nicht erst nach unserer Perfektion, sondern mitten in unserer Unvollkommenheit.
Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Evangelium ist eine Einladung – gerade für Zeiten des Umbruchs: wenn ein Lebensabschnitt endet, wenn Sicherheiten wegbrechen, wenn wir Fehler gemacht haben, wenn wir uns neu orientieren müssen. Dann sagt Christus auch zu uns: „Wirf dein Netz noch einmal aus.“
Vielleicht anders als bisher. Vielleicht gegen deine bisherigen Erfahrungen. Vielleicht mit zittrigem Vertrauen. Aber nicht allein.
Denn entscheidend ist nicht unsere Kraft, sondern seine Gegenwart.
Der Auferstandene ist kein Zuschauer unseres Lebens. Er steht am Ufer – an der Grenze zwischen dem, was war, und dem, was kommt.
Und er spricht uns Mut zu. Neuanfang ist möglich. Nicht, weil wir alles richtig machen – sondern weil Gott treu ist.
Am Ende steht das Mahl. Jesus nimmt das Brot und gibt es ihnen (vgl. Joh 21,13).
Hier wird deutlich: Jede Eucharistie ist ein Ort des Neuanfangs. Wir kommen mit leeren Händen – und gehen beschenkt. Wir kommen mit unserer Geschichte – und gehen mit neuer Hoffnung. Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt des Übergangs. Vielleicht fühlst du dich wie die Jünger: müde, unsicher, enttäuscht.
Dann hör heute dieses Wort: Der Herr steht am Ufer deines Lebens. Er kennt dein Scheitern – und glaubt trotzdem an dich. Er ruft dich – zu einem neuen Anfang.
Hab den Mut, noch einmal hinauszufahren. Hab den Mut, dein Netz neu auszuwerfen. Denn wo Christus spricht, da beginnt Leben neu. Amen.


