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Die Worte Jesu aus dem heutigen Sonntagsevangelium (LK 17, 5-10) wirken auf den ersten Blick befremdlich und demotivierend. In seiner Auslegung blickt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir, den roten Faden des Evangelium vor Augen habend, tiefer. So bleiben das Evangelium und die Worte Jesu dann auch das, was sie sind: Die Frohe Botschaft!

Hier die auslegenden Worte von Pfarrer Kreitmeir zu LK 17, 5-10

Den Wunsch der Jünger Jesu, im Glauben von ihm selbst gestärkt zu werden, kann ich sehr gut verstehen und nachvollziehen. Die Antwort Jesu ist leider wieder einmal auf den ersten Blick eher hart und gar nicht hilfreich.
Toll, da arbeite ich für ihn, mühe mich ab, um dann sinngemäß so eine Antwort zu bekommen: „Wenn dein Glaube groß wäre, dann könntest du Bäume versetzen.“ Und dann der deutliche Hinweis darauf, dass wir als Jünger Befehlen gehorchen sollen und somit unsere Schuldigkeit tun, nicht mehr und nicht weniger. Kein Danke-schön dafür! Kein Lob! Keine Stärkung!

Na, Danke, wer braucht denn sowas?

Also, ich habe mit solchen Sätzen Jesu echt meine Probleme. Da ist ja dann gar nichts Verlockendes mehr im Jüngersein, im Arbeiten für ihn. Dann wird es Maloche, freudlos, abrackernd, demütigend und niederdrückend. Solche Modelle gab es in der Kirchengeschichte in so manchen Klöstern und Gemeinden. Sie haben eindeutig ausgedient.

Der Glaube als ganzer und das alltägliche Glauben, das Arbeiten für das Reich Gottes müssen und sollen Freude machen, denn sonst macht man das nicht mehr.

Jesu Anliegen und deshalb auch seine Rede zielt auf etwas Tieferes, wie wir vermuten können. Er stellt die damals selbstverständliche Ungleichheit zwischen dem Herrn und seinem Knecht in seinen Fokus, um dieses Verhältnis dann auf Gott und den Menschen anzuwenden. Es muss klar bleiben, wer wem etwas schuldet, wer wem etwas verdankt: Gott schuldet uns gar nichts. Er gibt frei und aus Liebe.

Unsere Lebensaufgabe ist die Entwicklung der Sichtweise der Dankbarkeit. Sogar unsere größten Leistungen sind nur deshalb möglich, weil Gott uns die Fähigkeiten, die Begabungen, die Kraft und die Gnade dazu gibt.

Der Mensch, also auch der Jünger Jesu neigt aber nicht selten dazu, sich und sein Tun zu überschätzen, sich den Himmel verdienen zu wollen und mit seinen Taten, gleichsam mit den Bäumen in den Himmel zu wachsen. Deshalb spricht Jesus diese schmerzenden, aber gleichsam zurechtrückenden und heilenden Worte „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Unnütze Knechte sind wir; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“ Schon hart, aber wohl notwendig.

Der große deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) machte sich über das Verhältnis von Herrn und Knecht seinerzeit auch schon Gedanken und stellte unter anderem fest: Ein Herr denkt doch in der Regel: Ein Knecht ist nur eine willenlose Marionette, die gar nicht anders kann, als mir zu dienen. Und genau hier ist der Knackpunkt: Genau diese Denkweise des Herrn mindert die Anerkennung, die er eigentlich bekommen will. Wenn der Herr weiß, dass die Anerkennung durch den Knecht nur erzwungen ist, dann ist der Knecht für ihn kein selbstständiges Wesen. Das bedeutet dann, dass auch der Herr keine echte Anerkennung erfährt. Beide wissen, es ist alles nur erzwungen. Und so kann und darf es zwischen Gott und Mensch eigentlich nicht laufen. Gott will den Menschen nicht als Marionette, nicht als einen Sklaven und auch nicht als unselbständigen Befehlsempfänger (siehe hier: welt.de).

Deshalb schreibt Paulus etwas sanfter, aber doch auch eindeutig in der Stelle des Briefes an Timotheus, die wir in der Lesung ( 2 Tim 1,6-8.13-14) gehört haben: „Nicht einen Geist der Verzagtheit hat Gott uns gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. GOTT GIBT DIE KRAFT. Du bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.“

Der Glaube als solcher und das tägliche Glauben kommen also nicht erzwungen und auch nicht als Mammutbäume der eigenen Stärke daher, sondern echter Glaube hat die sogenannte SENFKORNKRAFT.

Er kommt im alltäglichen Tun eher unscheinbar und klein daher. Wenn aber in tagtäglicher Rückbindung zu Gott das Nötige, das ansteht, in Ruhe zur größeren Ehre Gottes getan wird, dann kann daraus nicht nur ein großer Baum erwachsen. So ein treuer und sich auf den Geber aller Gaben rückversichernder Glaube kann sogar Berge versetzen.

Nicht tagtägliches Abrackern, Buckeln, Schuften für Gottes Sache mit miesepetriger Miene ist angesagt, sondern das treue und auf Gottes Beistand vertrauende und freudige Tun ist die richtige innere Haltung eines Jüngers, einer Jüngerin Jesu.

Wie sagte der heilige Apostel der verwahrlosten Jugend, Don Bosco, einmal so schön: „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen … und die Leute reden lassen…“ Amen.

 

 

Ende Oktober erscheint das neue Buch von Pfarrer Christoph Kreitmeir mit dem Titel „Der Seele eine Heimat geben“.

Mehr Infos zum Buch sowie weitere Impulse gibt’s unter christoph-kreitmeir.de