Foto: privat

Der Autor und Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir beschreibt in seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 9, 30-37), warum ihm die nahezu philosophische Leichtigkeit von Kindern lieber ist als beißend-kritische Analysen von todernsten Philosophen wie Nietzsche und anderen.

Hier seine Predigt-Worte:

„Menschliches – Allzumenschliches“, so heißt eines der Werke des Philosophen Friedrich Nietzsche. Darin übt er v. a. Kritik an der Metaphysik, an Religion, Spiritualität und Glauben. So lautet sein Kernurteil über Religionen: „noch nie hat eine Religion, weder mittelbar, noch unmittelbar, weder als Dogma, noch als Gleichniss, eine Wahrheit enthalten“. Folglich beruhen alle Erscheinungen des religiösen Lebens auf Irrtümern und lassen sich nur psychologisch erklären.

Ohne auf diese allzu pauschale und nicht richtige Kritik Nietzsches eingehen zu wollen, bleibe ich an diesen beiden Worten „Menschliches – Allzumenschliches“ hängen.

In Lesung und Evangelium haben wir heute nämlich viel Menschliches und Allzumenschliches gehört, welches uns bei anderen immer wieder aufstößt, das wir aber gerne bei uns selbst übersehen.

Eifersucht, falscher Ehrgeiz, Heuchelei, Streitigkeiten, Spielball von Leidenschaften und immer wieder das Haschen nach den ersten und höchsten Plätzen.

Schneller, höher, weiter – diese olympischen Prinzipien haben den Menschen zwar immer wieder nach vorne gebracht, aber was hat der Mensch von Ruhm und ersten Plätzen, wenn ihm entscheidende und wirklich glücklich machende Tugenden fehlen: Die Weisheit, die Geduld, die Friedfertigkeit, das Erbittenkönnen, die Einfachheit, die Arglosigkeit und Offenheit von Kindern oder liebenswürdig einfach gebliebenen Senioren.

Besonders schlimm ist es, wenn ein Mensch zum Beispiel seinen Freunden von seinen innersten Regungen, Fragen und Problemen erzählt und … dann erfahren muss …, dass diese gar nicht richtig zuhören, ihn null und gar nicht verstehen, sondern sich um Kleinkariertes wie z. B. die Frage „Wer ist denn der Größte von uns?“ den Kopf zerbrechen. Das tut weh … und Jesus hatte genau dies erfahren. Wir hören davon im heutigen Evangelium.

Jesu Reaktion war nicht Verbitterung, Eingeschnapptsein oder gar Schelte, nein, er stellte seinen Jüngern ein Kind vor Augen, um ihnen den Blick für das Wesentliche im Leben zu öffnen.

Jesus stellt ein Kind in ihre Mitte, einen nicht perfekten Menschen, der nicht 100 %-ig ist, der noch lernen muss, der Fehler macht … und darüber lachen kann.

Die nahezu philosophische Leichtigkeit von Kindern und ihren Erkenntnissen, die sie uns mit großen Augen verkünden, ist mir ehrlich gesagt lieber als beißend-kritische Analysen von todernsten Philosophen wie Nietzsche und anderen.

Folgende Kinderweisheiten lassen uns nicht nur schmunzeln, sie verblüffen uns in ihrer Erkenntnistiefe und in ihrem Humor:

  • „Papa, wir müssen dringend einkaufen. Haben fast nur noch Licht im Kühlschrank!“
  • „Mama schuftet sich immer den ganzen Tag ab. Dazu muss sie sich auch noch um mich kümmern. Papa fährt nur in die Arbeit und abends ist er trotzdem müde und hört nie zu. Männer halten einfach nichts aus!“
  • „Von den Löhnen wird immer viel Geld abgezogen, damit sich der Staat die Finanzämter leisten kann.“ 
  • „Alle Fische legen Eier. Die russischen sogar Kaviar.“

Quellen: sofatutor.com und bild.de

Und wenn eine liebenswürdig naiv gebliebene Oma als Beifahrerin sagt: „Schau mal, so eine Frechheit, wie nah der vor uns her fährt …“, dann kann man verstehen, was Jesus meinte, wenn er ein Kind mit seinem kindlichen Gemüt ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellte.

Wer sich eine solch naiv-kindliche Denkweise bis ins hohe Alter behält, wie es diese Oma tat, der kommt wahrlich in den Himmel. Denn der Himmel ist voller Seelen, die reinen Herzens sind.

Wie sagte Friedrich Nietzsche so falsch: „Noch nie hat eine Religion, weder mittelbar, noch unmittelbar, weder als Dogma, noch als Gleichniss, eine Wahrheit enthalten“. Die heutigen Bibelstellen aus der christlichen Religion über Menschliches und Allzumenschliches beinhalten große Wahrheit. Die größte Wahrheit und uns alle in unserer Lebensführung immer wieder herausfordernde Haltung Jesu gegenüber der Wichtigtuerei von Menschen ist die im Evangelium gehörte:

Nehmt euch nicht so wichtig. Nehmt euch ein Beispiel an Kindern, denn Kinderseelen sind den Seelen von Engeln sehr verwandt.

Amen!

 

Pfarrer Christoph Kreitmeir ist geistlicher Begleiter von PromisGlauben.

Mehr Gedanke und Impulse von ihm gibt’s unter www.christoph-kreitmeir.de