Image by Pexels from Pixabay

Seine Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mt 16, 13-20) leitet unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir mit folgenden Worten ein:

„Wer, wie Jesus, weiß, wer er ist, und gerade deshalb behutsam und manchmal – wie heute in seiner Zusage an Petrus – sehr gezielt ermuntert, zusagt und bestärkt, wird durch sein gelebtes Vorbild, durch göttliche Vollmacht und durch positive Zusagen in allen seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen – nicht nur in Petrus – herausstellen: Halte Dich an mir fest, bau auf mich als geistig-solidem Fundament, wirke durch mich, dann wirst du Bleibendes, Heilendes und Aufbauendes für Dich und andere schaffen.“

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Christoph Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend auch im Text-Format:

 

 

Jesus frägt in der heutigen Evangeliumstelle diejenigen, die ihn schon lange begleiten, was die Leute denn so reden, was sie meinen, wer er sei.

Hinter dieser Frage mag einerseits ehrliches Interesse an der Volksmeinung über ihn sein, Jesus ist aber auch der Rabbi, also der Lehrer seiner Jünger, und somit will er wohl auch seine Lehrlinge mit der Frage, wer er sei, zum eigenen Nachdenken anregen.

Es folgen Schülerantworten, die Allgemeines transportieren, dann folgt aber die Antwort des „Klassensprechers“ Petrus, die eine sehr persönliche und eine sehr tiefe ist.

Jesus lobt Petrus nicht nur wegen dieser tiefspirituellen Antwort, er gibt ihm einen Namen, der ihm dann zum Markenzeichen wurde: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen …“ Es folgen dann weitere sehr intensive Ausschmückungen – Sie haben sie gehört.

Vor allem die katholische Kirche hat dieses Jesuswort immer wieder und bis heute als Legitimation für das Papstamt und dessen Vorrang gedeutet und verwendet.

Die wirklich wichtige Frage ist aber, wer wirklich das Fundament, auf dem Kirche gebaut wird, ist, Petrus oder Jesus?

In der griechischen Originalfassung des Neuen Testaments enthält diese Antwort, die Jesus dem Petrus gab, ein wohlüberlegtes Wortspiel. Auf Griechisch heißt „Petrus“ PETROS, und das Wort für „Felsen“ ist PETRA. Jesus macht ein Wortspiel aus der Ähnlichkeit zwischen diesen beiden Begriffen und sagt: „… du bist Petrus (PETROS), und auf diesem Felsen (PETRA) werde ich meine Kirche bauen …“. Obwohl die beiden Worte durchaus einen ähnlichen Klang haben, ist ihre Bedeutung doch sehr verschieden. PETROS heißt Stein, so etwas wie ein Kieselstein. PETRA bezeichnet einen großen Felsen. Jesus benutzt dieses Wortspiel, um die Wahrheit, die er vermitteln möchte, besonders deutlich zum Ausdruck zu bringen. Er identifiziert Petrus nicht mit dem Felsen, sondern stellt vielmehr den GEGENSATZ heraus. Er weist darauf hin, wie klein der Stein, Petrus, ist, verglichen mit dem riesigen Felsen, auf dem die Kirche gebaut werden soll.

Der einzige Fels, auf dem sich echter, stabiler christlicher Glaube gründen kann, ist Jesus Christus alleine.

Kirche ist das Wirkungsfeld des Geistes Christi, sie ist geistgewirkt, geistgeführt und geist-offen.

Soweit einmal diese wirklich interessanten spirituell-theologischen Erkenntnisse.

Mir ist es aber immer wieder wichtig herauszustellen, welche praktische und für unser Leben bereichernde Wirkung solche Aussagen haben können. Da ist also ein ganz besonderer Rabbi, der sehr wohl weiß, wer er ist, dies aber im Laufe der Zeit seinen Schülern durch Worte, Gleichnisse, Bildreden und Taten kundtut. Seine berühmten „Ich-bin-Worte“ zeugen von der außerordentlichen spirituellen Kraft des „Mystikers aus Nazareth“ (Monika Renz).

Folgende sieben bildmächtigen Aussagen aus dem Johannesevangelium zeugen von Jesu Selbst-Bewusstsein und Auftrag:

  • Joh 6,35: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (nochmals in Vers 48)
  • Joh 8,12: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
  • Joh 10,9: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“
  • Joh 10,11: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“
  • Joh 11,25 f.: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“
  • Joh 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
  • Joh 15,1: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.“

Gelegentlich wird als achtes Ich-bin-Wort aufgeführt:

  • Joh 18,37: „Ich bin ein König.“

Wer, wie Jesus, weiß, wer er ist, und gerade deshalb behutsam und manchmal – wie heute in seiner Zusage an Petrus – sehr gezielt ermuntert, zusagt und bestärkt, wird durch sein gelebtes Vorbild, durch göttliche Vollmacht und nicht menschlichen Missbrauch von Macht,  und durch positive Zusagen in allen seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen – nicht nur in Petrus – herausstellen: Halte Dich an mir fest, bau auf mich als geistig-solidem Fundament, wirke durch mich, dann wirst du Bleibendes, Heilendes und Aufbauendes für Dich und andere schaffen.

 

·       Ich bin das Brot des Lebens

·       Ich bin das Licht der Welt

·       Ich bin die Tür

·       Ich bin der gute Hirt

·       Ich bin die Auferstehung und das Leben

·       Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben

·       Ich bin der wahre Weinstock

… Lassen Sie diese Bildworte Jesu durch aktives Lauschen wie Salböl in sich hineintropfen, sich in Ihrem Herzen ausbreiten und von dort aus heilend wirken…

Der evangelischer Pfarrer, Buchautor und Liedermacher Clemens Bittlinger ist in seinem Buch „Gott tut gut. Sieben spirituelle Wege zum Wohlbefinden“ genau diesen Jesusworten durch unsere menschlichen Sinne nachgegangen. Er hilft dadurch, dass Jesu Worte wirklich heilsame Worte für uns werden können, damit Gott uns gut tun kann.

Entdecke nun dein Leben
und halte die Nase in den Wind,
spüre den zarten Hauch auf deiner Haut,
höre, was in der Luft liegt,
atme den Duft
und schmecke und sieh,
wie freundlich unser Gott ist.
Geh nun deinen Weg,
der gute Hirte begleitet dich.
Gott tut gut.

Amen

 

Hier der Song „Gott tut gut“ von Clemens Bittlinger: