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In seiner Auslegung zum Evangelium am Pfingstsonntag (Joh 20, 19-23) ermutigt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir dazu, frischen Wind einkehren zu lassen, der neues Leben bringt.

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Wer ein Krankenzimmer betritt, dessen Fenster länger geschlossen waren, weiß genau, wie belebend frische Luft wirkt. Das gilt auch für Studier- oder Beamtenstuben und so manchen Kirchenraum.

Frische Luft, Durchlüften, frischer Wind wirbelt nicht nur Staub auf, sondern auch Abgestandenes und Krankmachendes davon.

In Zeiten von Corona werden wir immer wieder angehalten, unsere Aufenthaltsräume zu lüften, damit Viren keine Chance haben.

Sie ahnen es schon: Dieses Thema bietet sich weiß Gott auch und gerade an Pfingsten an. Es ist nicht neu. Wir haben es gerade in der Lesung (Apg 2, 1-11) und im Evangelium (Joh 20,19-23) gehört. Frischer Wind, neues Leben, Bewegung und Aufbruch.

Der gütige Papst Johannes XXIII., der eigentlich nur ein Übergangspapst sein sollte, kündigte am 25. Januar 1959 ein ökumenisches Konzil an, das als 2. Vatikanisches Konzil in die Kirchen- und Weltgeschichte einging und für viele Befreiung, für andere Bedrohung bedeutete. 

Macht die Fenster der Kirche weit auf!“, sagte er, „Lasst frischen Wind herein.“ 

Er forderte nach Stillstand und Abkapsellung ein „Aggiornamento“, eine Wiederannäherung der Kirche an die Erfordernisse der Zeit. Diese Bewegung – sie hält bis heute an – geschah am Pfingsttag vor 2000 Jahren plötzlich und unerwartet. Was da geschah, lies sich nicht begreifen, die Menschen wurden ergriffen und überwältigt. Am 50. Tag nach Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu Christi, schenkt Gott seinen guten heiligen Geist zur Belebung der Welt.

Das 2. Vaticanum geschah auch plötzlich und unerwartet und ergriff mit der Kraft einer weiteren Auferstehung Geist, Gemüt und Wesen der katholischen Kirche auf der ganzen Welt, hatte weitreichende Auswirkungen auf andere Glaubensgemeinschaften und das Wirken der Kirche in der Welt.

Pentecoste – Pfingsten – fünfzigster Tag nach Ostern!

Der Hl. Geist ist der Hauptdarsteller, die Hauptperson des Pfingstfestes.

Er kommt wie ein Brausen vom Himmel (Lesung) und er kommt durch das Anhauchen der Jünger durch Jesus (Evangelium).

Die Lesung zeigt uns den Heiligen Geist als Überwinder aller Trennungen von Rasse, Sprache, Zugehörigkeit, Geschlecht und vielem mehr. Unterschiedlichste Menschen sind eines Geistes, einer Schwingung, einer Ausrichtung.

Und die frohe Botschaft des Evangeliums zeigt uns einen Jesus, der durch verschlossene Türen geht, der sich durch keine Barrieren aufhalten lässt, auch nicht von Furcht und Angst der Jünger.

Dieser Jesus findet Mittel und Wege, wo wir nicht mehr weiterwissen, er spricht den Jüngern Frieden zu, eine innere Haltung, die wertvoller als Gold ist.

Und er haucht sie an, er belebt sie mit seinem Geist, so wie Gott es am Anfang der Schöpfung bei Adam gemacht hatte (Gen 2,7).

Lebensatem, so lange der Mensch atmet, lebt er. So lange er atmet, hofft er.

Die Professorin für Altes Testament Susanne Gillmayr-Bucher findet über den Heiligen Geist – Ruach –  Formulierungen, die mich einerseits aufhorchen lassen und gleichzeitig trösten (vgl. dioezese-linz.at).

„Der hebräische Begriff ‚Ruach‘ wird vielfältig gebraucht und ist sehr schillernd. ‚Ruach‘ bezeichnet vor allem den Atem des Mundes und den Wind. Dabei geht es zunächst um den ‚Luftstoss‘. Ruach als Wind wird als etwas Kräftiges erfahren, das als Sturm auch zerstörerische Kräfte hat. Dieser Luftstoss ist etwas, von dem man nicht weiß, woher es kommt und wohin es geht. Es entzieht sich der Erkenntnis des Menschen.  … Mir gefällt an den vielfältigen Vorstellungen der Ruach Gottes in den Texten der hebräischen Bibel vor allem die Dynamik. Als Geistkraft Gottes, als Windstoß Gottes kann diese Kraft auf Menschen einwirken, sie zu Handlungen befähigen. Gott sendet in den Erzählungen seine Geistkraft auch häufig unvermutet und mutet den Menschen damit etwas zu. Gottes Ruach belebt, verändert, stärkt, fordert heraus, wirbelt auf und wirbelt durcheinander. Ich selbst spreche gerne von der Geistkraft Gottes im Sinn des Ersten Testaments. Für mich ist das Bild der Geistkraft Gottes ein schönes Bild für Gottes Wirken in der Welt, es traut Gott und den Menschen etwas zu. In der Bezeichnung ‚Geistkraft Gottes‘ kommt für mich auch die Unverfügbarkeit dieser Kraft gut zum Ausdruck. Neben allen stärkenden, ermunternden, ermöglichenden Aspekten bleibt diese Geistkraft in unserer Erfahrung stets auch ‚unberechenbar´ …“

Und so möchte ich mit Lothar Zenetti beten:

Komm, Heiliger Geist, steh mir bei!

Lass mich deine Nähe erfahren,

stärke mein Vertrauen in das Gute in der Welt

und gib mir Mut zum Leben!

Erleuchte und stärke mich,

damit ich mich ohne Furcht zu Jesus Christus bekenne!

Mach mich fähig und bereit zum Dienst an den Menschen

in den vielfältigen Aufgaben und Nöten unserer Zeit!

Komme, geheimnisvoller Atem, leiser zärtlicher Wind,
hauch uns an, damit wir leben, ohne dich sind wir tot!
Komme, in Feuer und in Flammen, zünd uns an wie ein Licht,
mach uns trunken von der Liebe, wir sind starr, tau uns auf!
Komme, Erfinder neuer Sprachen, giess dich aus über uns,
red in uns mit neuen Zungen, komm, begeistere uns!

Komme, du Hoffnung aller Armen, schaff den Wehrlosen Recht,
dass die Gebeugten sich erheben, dass sich Völker befreien!
Komme, du Tröster aller Müden, Stille mitten im Lärm,
in den Terminen schaff uns Pausen, lass uns ausruhen in dir!

Komme, du Taube, übers Wasser, bring den Ölzweig herbei,
bring uns das Zeichen für den Frieden, den die Erde ersehnt!
Komme vom Vater und vom Sohne, komm, du schaffende Kraft,
mach uns neu, und unsre Erde hat ein neues Gesicht.

Amen.

 

Pfarrer Christoph Kreitmeir: „Solange ich atme, hoffe ich…“: