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In seiner Auslegung zur Sonntagslesung (1 Joh 4, 11-16) und zum Sonntagsevangelium (Johannes 17,6.11-19) zeigt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf, dass der Mensch seinem Wesen und seiner Bestimmung nach Bürger zweier Welten ist: der übersinnlich-geistigen und der irdisch-natürlichen.

 

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Die Jünger Jesu stehen nach einer emotionalen Berg- und Talfahrt als Zeugen seines Wirkens relativ verlassen da: Sie haben ihn erlebt, sein öffentliches Wirken, sein stilles Beten, seine liebenden Heilungen, seine Kreuzigung, seinen Tod und auch seine wunderbare Auferstehung. Danach ist er ihnen auf unerklärliche Weise immer wieder erschienen und dann durften sie seine Himmelfahrt, sein Heimgehen zum Vater miterleben.

Was für Erlebnisse, was für Erfahrungen? Stehen die Jünger Jesu wirklich verlassen da? Ich kann mir nicht vorstellen, dass all diese Erfahrungen ein Grundgefühl des „Verlassenseins“ hinterlassen.

Ich spüre eher etwas anderes. Ich spüre, dass die Jünger Jesu im Vertrauen auf Gottes Nähe und Liebe zu Neuem, zu Ungeahntem befähigt werden.

Erfahrungen von „Liebe“ und „Nähe“ können Menschen große Kraft geben, auch wenn der Geliebte abwesend ist, auch wenn seine Nähe in weite Ferne gerückt scheint.

Die Lesung aus dem 1. Johannesbrief und das Johannesevangelium sprechen in bildlicher Weise von diesen Realitäten „Liebe“ und „Nähe“.

Dabei geht es bei der Liebe nicht um Leistung, denn unsere Liebe ist immer nur Antwort auf die Liebe, die Gott gibt.

Die Liebe, die hier geschildert wird, ist wie eine Bewegung eines Kraftfeldes, die von Gott ausgeht, um den Menschen zu ergreifen und ihm einen inneren Lebensraum zu schenken. Diese Liebe ist zunächst die innergöttliche Liebe zwischen Gottvater und Gottsohn, in die die Menschen mithin-eingenommen werden können.

Es geht um ein gläubiges Antworten auf die Grunderfahrung: Ich bin von Gott geliebt. Und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm – komme, was da kommen will.

Die Grunderfahrung der Liebe befähigt, auch Durststrecken und Abwesenheitserfahrungen durchzuhalten.

Ein großer Meister christlicher Spiritualität, der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart, fasste schon damals diese Grunderfahrung in tiefe Worte, wenn er sagt:  „Wer da in Gott wohnt, der ist wohlbehaust und ist ein Erbe Gottes. Und in wem Gott wohnt, der hat würdige Hausgenossen bei sich.“

Jesus, der Gottessohn, durch den wir an der innergöttlichen Liebe teilhaben können, von diesem Jesus heißt es im heutigen Evangelium: „In jener Zeit erhob Jesus die Augen zum Himmel …“ Und dann betet er: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“

Der Mensch ist seinem Wesen und seiner Bestimmung nach Bürger zweier Welten: der übersinnlich-geistigen und der irdisch-natürlichen.

Während des Lebens auf Erden kann er seinen himmlischen Ursprung vergessen und dadurch immer mehr einseitig bestimmt werden von der vergänglichen Welt.

Durch religiöses Tun aber verbindet sich der Mensch im Leben zwischen Geburt und Tod in aktiver Weise wieder mit der Welt seines Ursprungs und Ziels.

Als Christen leben wir in der Welt, wir sind aber nicht von der Welt, was so viel heißt, dass wir aus anderen spirituellen Quellen leben, welche die Welt uns nicht geben kann. Uns Christen ist es zur Aufgabe gemacht, die irdische und die himmlische Welt miteinander zu verbinden. Die jenseitige Welt ist nicht von der diesseitigen zu trennen, da sie bereits in ihr lebendig ist.

Gottes Geist hilft uns auf, wenn wir in der Mühsal des Lebens ringen.

Aufgrund unserer seelisch-geistigen Beheimatung in der geistigen, der himmlischen Welt, wächst uns immer wieder Kraft zu, die Aufgaben im Hier und Jetzt zu sehen, zu bewältigen und dadurch diese Welt zu verbessern.

Wenn wir lernen, ähnlich wie Jesus in seinem heutigen Gebet zum Vater zu beten und zu leben, dann lernen wir mehr und mehr, uns vertrauend auf Gott zu verlassen und zuzulassen, dass er die Regie über unserem Leben hat.

Nicht unser Ego, sondern ER soll und darf unsere Mitte sein, aus der Geist und Leben fließen kann.

„In jener Zeit erhob Jesus die Augen zum Himmel …“

Die Augen nach oben lenken und dabei nicht das Unten vergessen … das ist die Aufgabe der Jünger nach der Himmelfahrt Jesu.

Die Frage ist, wo ist oben, was ist oben, wer ist oben, denn je nachdem, was bei uns oben ist, kann man sich ausrechnen, was auf uns herabkommt, welcher Geist.

Ist das Geld oben, kommt der Geist des Geldes auf uns herab.

Ist die Wirtschaft oberstes Prinzip, kommt dieser Geist auch auf uns herab und über uns. Ist Jesus für uns oben zur Rechten des Vaters, dann kommt auch der Geist Jesu auf uns herab. (nach Wilhelm Willms)

Amen.

 

Anbei ein Statement von Pfarrer Kreitmeir über die Verbindung zu Gott:

 

Silbernes Priesterjubiläum von Pfarrer Christoph Kreitmeir

In einer Abendmesse am 01. Mai 2021 konnte P. Christoph Kreitmeir zusammen mit dem Klinikseelsorgeteam und einigen Patienten unter Coronabedingungen in  der schön geschmückten Klinikkapelle im Klinikum Ingolstadt sein silbernes Priesterjubiläum feiern.

Seit 4 Jahren steht er als Geistlicher dort den vielfältig erkrankten Menschen, den Sterbenden und deren Angehörigen bei.

Vor 25 Jahren wurde er zusammen mit drei anderen Franziskanern am 1. Mai von dem Münchner Weihbischof Bernhard Haßlberger  in der großen Wallfahrtsbasilika Vierzehn-heiligen zum Priester geweiht. Seine bisherigen Einsatzorte waren Benediktbeuern, Bad Tölz, München, Berkeley bei San Francisco, Nürnberg, Füssen, Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein, Fulda und Ingolstadt in verschiedenen Aufgaben.

 

 

Neben seinem Dienst als Priester ermutigt Pfarrer Kreitmeir auch als Buchautor seine Mitmenschen. Eine Auswahl seiner Bücher gibt’s

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