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Zum heutigen Sonntagsevangelium (Joh 6, 60-69) geht unser geistlicher Begleiter Christoph Kreitmeir Entscheidungen über lebensbestimmende Fragen nach, die lebensentscheidend sind und getroffen werden müssen. Dabei beschreibt er, warum es keine anderen Worte gibt, die wirklich Seelennahrung und verlässliche Werte liefern, als Gottes Worte.

Pfarrer Kreitmeir schreibt in seiner E-Mail an uns einleitend, dass diese Predigt aus dem Herzen komme, da er gestern auf der Palliativstation „höchst Wertvolles“ erlebt habe. Und weiter betont er in seiner E-Mail:

„Es kommt nicht darauf an, wieviel ein Mensch hat oder wann und an welchen Krankheiten er stirbt, es kommt darauf an, welche Werte er gelebt hat. Jesus fordert da klare Entscheidungen.“

 

Hier die Worte seiner Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis mit Bezug auf die Lesung (Jos 24, 1-2a.15-17.18b) und das  Evangelium (Joh 6, 60-69):

Sie kennen das alle: Nicht selten drücken wir uns vor Entscheidungen, schieben sie vor uns her, verdrängen und vergessen sie, aber spätestens nachts kommen sie zurück wie eine Warnlampe, wie eine Sirene und lassen uns nicht schlafen. Sie lassen uns einfach nicht schlafen … obwohl wir doch so gerne vor uns hindämmern würden …

Entscheidungen wollen und müssen getroffen, eben entschieden werden. Da gibt es kein Herumdeuteln, kein Verschieben, Verdrängen oder Schönreden. Entscheidungen sind nicht aufzuschieben, wenn man nicht (seelisch) krank werden will.

Warum sage ich das?

Na ja, weil jede und jeder von uns das Eine oder Andere vor sich herschiebt. Das funktioniert auch eine Zeitlang mehr recht als schlecht, ABER …

Es gibt Entscheidungen, die verlangen keinen Aufschub

Entscheidungen in Geldsachen zum Beispiel. Noch dringlicher sind Entscheidungen in Beziehungsfragen den Geschwistern gegenüber, dem Ehepartner gegenüber, den eigenen Kindern gegenüber, Freunden gegenüber.

Überaus dringlich, leicht zu übersehen und dadurch wirklich lebensgefährlich sind Entscheidungen über die lebensbestimmenden Fragen nach dem „Woher?“, „Wohin?“, „Wozu?“ Fragen wie „Was kommt nach dem Tod?“, „Gibt es einen Gott … für mich?“ sind keine Schönwetterfragen. Diese Fragen sind lebensentscheidend.

Sie meinen, das sei nicht so entscheidend, nicht so wichtig?

DOCH, ich glaube schon!

Nicht, weil ich ein Priester bin und das vielleicht sagen muss.

Nicht, weil ich hier tagtäglich in der Klinik Entscheidendes im Umgang mit Leid, Sterben und Tod erlebe.

Nicht, weil Glauben und Spiritualität halt irgendwie im Leben dazugehören … mehr oder weniger. Na ja, meistens weniger halt …

Nein, die Entscheidung für Sinn oder Unsinn des Lebens, für oder gegen das, was wirklich trägt und hält, die Entscheidung für oder gegen Gott ist richtungs- und lebensentscheidend.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass im Laufe eines Lebens, jedes Lebens, diese Frage erkannt oder unerkannt immer mehr aufleuchtet, innere Unruhe und Schmerzen verursacht, einen umtreibt … und Entscheidung fordert.

Folgende Sätze aus Lesung (Jos  24,1‑2a.15‑17.18b) und Evangelium (Joh 6,60‑69) bringen es deutlich auf den Punkt:

„Entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt!

Wer hat uns denn auf dem ganzen Weg unseres Lebens begleitet und beschützt?

So manches im Leben bringt nicht nur die Jünger Jesu zum Murren.

So manches im Leben, auch die Worte Jesu können unerträglich werden, weil sie Entscheidendes und Entscheidung fordern.

Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts.

Wollt auch ihr gehen? Wollt auch ihr mich verlassen?

Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Gottes Worte sind keine einlullenden Worte, Gottes Worte sind Entscheidung fordernde Worte.

Dazu eine erhellende Geschichte: Ein Priester und ein Rabbiner, die gemeinsam auf einer Konferenz sind, müssen sich dort ein Schlafzimmer teilen.

Beim Frühstück am nächsten Morgen sagt der Priester zum Rabbi: „Mein lieber Rabbi, hoffentlich habe ich Sie gestern Abend beim Einschlafen nicht gestört, weil ich das Licht so lange brennen ließ.“ – „Halb so schlimm, das habe ich kaum bemerkt“, antwortet der Rabbi. Der Priester erzählt ihm daraufhin: „Ach, wissen Sie, wenn ich am Abend nicht eine halbe Stunde Gottes Wort gelesen habe, kann ich nicht in Ruhe einschlafen.“„Das ist merkwürdig“, entgegnet der Rabbiner, „bei mir ist es genau umgekehrt: Wenn ich am Abend eine halbe Stunde Gottes Wort lese, kann ich nicht mehr ruhig schlafen!“

Gottes Wort kann vertraut, beruhigend und fast ein wenig einschläfernd wirken. Gottes Worte können aber auch aufrütteln, mahnen und einem deutlich vor Augen halten:

Nutze deine Lebenszeit, denn wer jenseits des Geldes, der Macht und des Besitzens keine Werte hat, der ist arm und armselig.

Gottes Worte können unbequem und ärgerlich machend werden,

aber es gibt keine anderen Worte, die wirklich Seelennahrung geben als Gottes Worte.

Für Petrus gibt es keine Alternative zu Jesus und seine Worte, die nicht selten einen auch zum Murren bringen, weil sie unbequem sind: „Zu wem sonst sollen wir denn gehen? Nur Du hast Worte ewigen Lebens.“

Diese Worte wollen keine Sonntagsworte bleiben, diese Worte wollen im Laufe der Zeit wirklich ins Herz der Menschen tröpfeln, Tröpje for Tröpje Qualiteit. Dann wird das Leben eines Menschen im Laufe der Zeit zeigen, welchem „Gott“ ein Mensch gedient hat, welche Werte wirklich lebensbestimmend waren, welche Seelennahrung er bekommen und daraus wirklich gelebt hat … oder innerlich verhungert ist …

Die Summe eines Lebens, die Lebensbilanz eines Menschen wird zeigen, ob er sich für „Geist und Leben“ auch über den Tod hinaus entschieden hat oder nur für Vergängliches, das verrotten wird.

Die Lebensbilanz eines Menschen wird es an den Tag bringen … und das macht mich schon unruhig und fordert für mich klare Entscheidungen. Amen.

 

Mehr Impulse von Pfarrer Kreitmeir gibt’s unter christoph-kreitmeir.de

Mehr über unsere geistlichen Begleiter gibt’s hier

 

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