Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium von den klugen und den törichten Jungfrauen (Mt 25, 1-13) beschreibt der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler, wie das Reich Gottes aus der Beziehung der Menschen zu einander lebt und welche Chance es bietet.

Hier der Impuls, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebookseite veröffentlicht hat:

Das Reich Gottes, von dem Jesus unter dem Gleichnis der zehn Jungfrauen erzählt, ist eine Einladung und eine großartige Chance, die es nicht zu verpassen gilt.

Der Ruf zum Fest Gottes ergeht an alle, ohne Unterschied. Er sollte auf gar keinen Fall wegen anderer Stimmen, irgendwelcher Eitelkeiten oder falschen Einstellung und Ressentiments überhört und versäumt werden.

Was Jesus erwartet, ist herzlich wenig: nur ein bisschen Öl. Er meint damit Klugheit und Wachsamkeit, denn es geht um nicht weniger als um die Annahme oder Verweigerung der Einladung ins Reich Gottes, um die richtige Vorbereitung oder eben das Verpassen dieses großartigen, unvorstellbaren Ereignisses.

Jeder soll für das entstehende Gottesreich das Seine beitragen, soll ein wenig Licht und ein wenig Freude zum Fest der Beziehung mitbringen.

Jeder nach seinen, jede nach ihren Möglichkeiten. Das heißt aber auch, dass das Reich Gottes nicht vollständig ist, wenn jemand von uns fehlt.

Das Reich Gottes lebt in der Beschreibung Jesu immer aus der Beziehung der Menschen zueinander.

Daher wird er nicht müde, es unter den Bildern des Festes, des Mahles, der Gemeinschaft darzustellen. Die Menschen seiner Zeit können das sehr gut verstehen so wie wir heute. Menschliche Beziehung wird durch die Liebe geprägt. Wenn man liebt, ist es weniger wichtig, wo man ist, als mit wem man zusammen ist.

Die törichten Jungfrauen haben zu wenig geliebt, deswegen haben sie nicht daran gedacht, alles, was sie bieten konnten, in das Fest zu investieren. Sie wurden nicht erkannt und fanden sich am Ende draußen vor der Türe wieder.

Letztlich geht es im Leben immer um verpatzte und damit verpasste Gelegenheiten, die das Leben ständig anbietet.

Die Jungfrauen haben hinterher gejammert und sich die Haare gerauft. So hart diese Erkenntnis auch ist, aber – so lehrt uns das Leben in vielen Bereichen – einmal ist es ganz einfach zu spät. Darum der eindringliche Aufruf zur Wachsamkeit.

Wachsamkeit ist schon deshalb der bessere Weg, weil er die Möglichkeit schenkt, schon jetzt in unserer Welt die Augenblicke des Himmels und die Erfahrungen der Liebe Gottes zu erkennen und zu verschenken.

Amen.