Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seiner Auslegung zu den Versen 20-24 im dritten Kapitel des Briefs des Apostels Paulus an die Römer (Röm 3,20-24) beschreibt Pfarrer Rainer Maria Schießler das Gottesbild, das uns Jesus im Evangelium näher bringt.

Seinen Impuls, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat, überschreibt er mit den Worten „Gott sei Dank!“ (Röm 3,20-24):

Es ist ein langer Weg durch die verschiedenen Gottesbilder biblischer Epochen, in denen das Volk Israel sich auf seine Weise ein Bild, sein Bild von Gott machte: Der Wege-Gott, der mit den Nomaden wanderte; der Gesetzesgott als strenger Herr; der Gott, der den Menschen und Völkern Gewalt antat und sie auch von den Menschen forderte.

Wie der Mensch reifte, so auch sein Gottesbild.

Auf der Basis der Frohen Botschaft kommt Paulus zu der Erkenntnis: „Ohne es verdienen zu können oder verdient zu haben, werden wir gerecht, dank der Gnade Gottes.“ Das ist wohl die reifste und zugleich schönste Vorstellung, die wir uns von Gott machen können.

Es ist das Bild eines Gottes, in dessen Liebe und Erbarmen sich ein Mensch völlig geborgen weiß.

Da fehlt kein einziger Pinselstrich mehr. In dieser Beziehung zu Gott handelt allein Gott selbst und kein menschlicher oder religiöser Anspruch, kein intellektuelles, moralisches oder religiöses Werk (Paul Tillich).

Jesus nimmt den Glauben seiner Väter in seiner Botschaft mit auf, aber er schreibt ihn ganz anders, ganz neu.

Er hat sehr großen Wert daraufgelegt, die väterlichen und mütterlichen Züge Gottes zu zeichnen. Das Bild, das wir uns von Gott machen, sollte nicht niederdrücken oder gar abschrecken, sondern befreien und begleiten. Immer ist für ihn Gott allein die Ursache dafür, dass Menschen von ihm angenommen werden. Der Glaube macht es uns bewusst.

Natürlich heißt das nicht, wie vor allem sog. „Strenggläubige“ immer wieder einwenden, vor Gott spiele das Tun und Lassen des Menschen überhaupt keine Rolle mehr; schließlich sei er doch ein ‚gnädiger Gott’.

Aber Strenge und Liebe müssen doch kein Gegensatz sein;

Eltern wissen das in der Erziehung ihrer Kinder sehr wohl zu schätzen. Gerade weil ich mir seiner Liebe in jedem Moment sicher sein kann, ringen mich die oft unbeschreibliche Strenge und Härte des Lebens nicht nieder und werden sofort zu Strafmaßnahmen eines unberührbaren fernen Gottes. So gesehen werden wir zu echten ‚Gotteskindern’. Ein ewig verharmloster, ‚lieber’ Gott wird dem Evangelium genau so wenig gerecht, wie die Vorstellung eines ‚Richters und Rächers’.

Jesus weist alle dunklen Aspekte Gottes zurück und zeichnet das Bild, das sagt: Gott ist unser Vater.

Ihm allein ist zu trauen und zu vertrauen. Der Weg zum Vater ist direkt, du brauchst letztlich keinen Stellvertreter. Du kannst ihm ganz unmittelbar begegnen, wie ein Kind seinem Vater oder seiner Mutter. Oder noch weit mehr und besser.

Amen!

 

Der Weg – ein schöner Song von Peter Maffay, der gut zu den Worten von Pfarrer Schießler passt: