Gerhard Schick war von 2005 bis 2018 Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit Juli 2018 Vorstand der „Bürgerbewegung Finanzwende“ für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Im Interview mit dem Magazin stadtgottes sprach er aktuell über die Ziele seiner Organisation für ein gerechteres Wirtschaften und eine gerechtere Welt. Wie der Deutschlandfunk im Oktober 2019 berichtete, prägt den 48-Jährigen auch heute sein Aufwachsen im christlichen Glauben.

Für viele überraschend gab der grüne Finanzpolitiker Gerhard Schick auf dem Höhepunkt seiner Karriere sein sicheres Amt und Mandat im Deutschen Bundestag zum 31. Dezember 2018 auf. Er war stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses und stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses. Weiterhin war er Mitglied im Parlamentarischen Finanzmarktgremium, welches das Banken-Rettungspaket des Bundes überwacht.

Nun kämpft er mit der unabhängigen Organisation „Bürgerbewegung Finanzwende“ für ein gerechtes und transparentes Finanzwesen.

Im Gespräch mit stadtgottes-Autor Thomas Pfundtner erlärte Gerhard Schick nun, wie sich das Modell der sozialen Marktwirtschaft in den letzten 3 Jahrzehnten immer mehr zum „Raubtier-Kapitalismus“ entwickelte. Dazu sagte er u.a.:

„Die soziale Marktwirtschaft und der westdeutsche Kapitalismus bis in die 90er Jahre war definitiv etwas anderes, als das, was wir heute erleben.“

Um ein „Gegengewicht zur Finanzlobby“ zu bilden, sei die Organisation „Bürgerbewegung Finanzwende“ gegründet worden. Ziel ist es, dass „die guten Gesetze, die auf dem Tisch liegen, auch wirklich in Kraft gesetzt werden und nicht in der Schublade verschwinden“, so Schick. Weiter betonte er:

„Wir wollen eine Bürgerbewegung werden, die zu einem Druckmittel wird, um dafür zu sorgen, dass gute Vorschläge auch umgesetzt und nicht von Lobbyisten verwässert werden.“

Seiner Ansicht nach haben die Kirchen insbesondere durch die Missbrauchsskandale an Kraft verloren, um in ethischen und moralischen Fragen aktuell ein Gegengewicht bilden zu können. Vor allem die katholische Kirche müsse „da erst wieder etwas aufbauen, was sie eingerissen hat“, so Gerhard Schick im stadtgottes-Interview.

Der christliche Glaube selbst gibt ihm Orientierung in seinem Tun. Wie der Deutschlandfunk im September 2019 unter der Headline „Den Finanzmächtigen auf die Finger schauen“ berichtete, wuchs Gerhard Schick in einem katholisch geprägten, schwäbischen Elternhaus auf. Diesbezüglich sagte er:

„Der Glaube spielte eine große Rolle in der Familie – also die religiösen Feste, die man dann auch mit großem Freundeskreis zusammen gefeiert hat. Und auch das Leben der Kirchengemeinde war wichtig, wir alle waren irgendwie in der Kirchengemeinde aktiv: mein Vater als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, meine Mutter hat Kindergottesdienste geleitet, ich war Ministrant und meine Geschwister haben sich in der katholischen Jugendarbeit engagiert.“

Weiter war zu lesen, dass das christliche Menschenbild seiner Familie Gerhard Schick maßgeblich geprägt habe und  auch entscheidend für seine spätere Karriere gewesen sei. Dazu wurde Schick wie folgt zitiert:

„Bei uns ist das Christentum immer auch als etwas Politisches interpretiert worden – im Sinne von: ‚Um Gerechtigkeit, da betet man nicht nur, sondern da tut man auch aktiv etwas dafür‘.“

Die christliche Wertehaltung ebnete seinen Weg. So engagierte sich der heute 48-Jährige schon als Student für fairen Handel und arbeitete in einem Eine-Welt-Laden mit. Sein Interesse in den Fragen, wie Geld die Welt zusammenhält und wie die Gesellschaft von Finanzmächtigen gesteuert und beeinflusst wird, führte dazu, dass er Volkswirtschaft studierte. Mit Mitte zwanzig begann er, sich bei den Grünen zu engagieren und wurde bald ihr finanzpolitischer Sprecher, als der er hohe Wertschätzung selbst bei seinen politischen Gegnern genoss.

Quellen: stadtgottes.de, deutschlandfunkkultur.de