Gesine Schwan: „Ohne die Institution kann sich die frohe Botschaft vom Evangelium nicht halten“

Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, die 2004 und 2009 für das Amt der Bundespräsidentin kandidierte und seit 2014 Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission ist, betonte am Mittwochabend bei den „Erfurter Kreuzganggesprächen“ die Bedeutung der Kirche für die Verbreitung des Evangeliums. Dabei bezeichnete sie ihren persönlichen Glauben als Geschenk.

Wie katholisch.de berichtet, erklärte die 78-jährige SPD-Politikerin, dass sie trotz der Skandale nicht aus Kirche austreten werde. Dazu begründete sie:

„Ich glaube, ohne die Institution kann sich die frohe Botschaft vom Evangelium nicht halten – nur institutionell gestützt wird sie sich weiter verbreiten.“

Zu ihrer persönlichen Vorstellung von Gott ließ Gesine Schwan in ihren Ausführungen wissen, dass Gott „die Welt nicht zum Untergang, sondern zum Heil geschaffen“ habe. Gott sieht sie als lebendigen Partner und Unterstützer im Leben. An die frohe Botschaft zu glauben, „dass das Unheil und Schlechte in der Welt nicht das letzte Wort hätten“, empfindet Schwan als Geschenk, was sie wie folgt weiter darlegte:

„Glaube ist nicht kohärent logisch, sondern immer ein Zusammenwirken von Geschenk, Gnade und eigener Anstrengung.“

Dabei erklärte Gesine Schwan, dass Politik eine theologische Dimension und das christliche Liebesgebot politische Relevanz habe.

Mehr dazu gibt’s unter: katholisch.de

 

Über die Bedeutung von Glauben und Kirche in ihrem Leben sprach Gesine Schwan ausführlich im August 2019 mit der Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim (wir berichteten). Damals schilderte sie, dass sie als Kind nicht getauft worden sei, weil ihr Vater das aufgrund von schlechten Erfahrungen mit der evangelischen Kirche nicht wollte. Ihre katholische Mutter habe sie und ihren Bruder aber „immer mitgenommen zur Messe“, was bei ihr „angeschlagen“ habe, so dass sie „gerne“ und später sogar „regelmäßiger“ als ihre Mutter in die Kirche gegangen sei. Zu ihrer bewussten Entscheidung katholische Christin zu werden, berichtete Gesine Schwan:

„Im Alter von rund 20 wurde mir dann klar, dass ich mich ganz fundamental als gläubige Christin verstehe.“

Weiter brachte sie im Interview mit der Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim zum Ausdruck, dass sie in ihrem Leben Gottes Nähe auch in schwierigen Lebensphase rückblickend vernommen habe und dass sie „gern und regelmäßig“ bete. Den christlichen Glauben habe sie auch an ihre Kinder und Enkelkinder weitergegeben, mit denen sie heute öfters gemeinsam in die Kirche gehe.

 

Dass sie ihren Glauben als Geschenk betrachtet, um das man sich aber stets auch bemühen müsse, schilderte Gesine Schwan in einer Weihnachtsumfrage des Magazins Bunte im Jahr 2012. Damals bekannte sie

„In meinem Leben spielt der Glaube eine zentrale Rolle. Aber nicht als sichere Bank, sondern als ständiges Bemühen und Wagnis, das ich aber eben auch wegen Gottes liebender Zuwendung wagen kann.“

Durch die Beziehung zu Gott erfahre sie „die Kraft, den Problemen unserer Welt ins Auge zu schauen und nicht an ihnen zu verzweifeln, sondern immer wieder an Verbesserungen zu arbeiten und auf sie zu hoffen“. Weiter erklärte sie, dass der Glaube eine „mitlaufende Orientierung“ in ihrem Alltag sei. „In widrigen Situationen“ helfe er ihr durchzuhalten und in den Freuden des Lebens finde sie in ihrem Glauben einen Ausdruck ihrer Dankbarkeit. Zu ihrer tragenden Verbindung zu Gott sagte sie:

„Meinen Glauben praktiziere ich im Gebet, in der Messe, in immer wiederkehrenden Überlegungen darüber, was jeweils in einer gegebenen Situation Gottes Wille sein mag.“

Auch wenn sie schon gehadert habe und auch finde, dass man im Glauben hadern dürfe, erkennt sie im Rückblick auf ihr Leben, „dass Gott es auch in meinen Niederlagen gut mit mir gemeint und mir neue Perspektiven eröffnet hat“, so Gesine Schwan im Jahr 2012 gegenüber dem Magazin Bunte.

Quellen: katholisch.de, kiz-online.de, Bunte 52/2012 (S.128)