Foto: Martin Kraft creator QS:P170,Q65553673, MJK 20229 Harald Lesch (Republica 2018), cropped, CC BY-SA 3.0

Der Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist Harlad Lesch, der auch im TV Wissenschaftssendungen moderiert und dabei komplexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge dem Normalbürger verständlich verdeutlicht, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Was bei vielen an der Vita von Lesch überrascht, ist sein Bekenntnis zum christlichen Glauben (wir berichteten).

Anlässlich seines 60. Geburtstags berichten auch einige Medien von der Glaubensdimension im Leben des Astrophysikers. So titelte etwa die Frankfurter Rundschau mit der Headline „Harald Lesch – Von Gott, dem Himmel und der Welt“ oder die Gießener Allgemeine mit der Schlagzeile „Harald Lesch: Was den Wissenschaftler und TV-Mann aus Gießen so besonders macht“.

Schon vor einigen Jahren bekannte sich Harald Lesch in der damaligen ZDF Talk-Sendung „Kerner“ in beeindruckender Weise zu seinem Glauben an Gott, was die Dschungel-Moderatorin Sonja Zietlow sehr erstaunte. Auf die Frage „Glauben Sie an Gott“ antwortete Lesch mit einem kräftigen und bestimmten „Ja“ und erklärte anschließend, dass er in der Natur ein schöpferisches Prinzip erkenne und von einem Schöpfer ausgehe. Den Clip dazu gibt’s HIER

Zum leidlichen Vorwurf, dass Glauben nicht Wissen bedeute und die Naturwissenschaft hier besser weiterhelfe, sagte Lesch vor einigen Jahren gegenüber dem christlichen Medienmagazin Pro einmal:

„Auf das Argument ‚Glaube und Naturwissenschaft schlössen sich aus‘ antworte ich: Mein Freund du hast keine Ahnung von Naturwissenschaft.“

Demjenigen, der diese Überzeugung vertritt, sei nicht klar, was Naturwissenschaft könne und was sie nicht könne. Die Naturwissenschaft liefere ein Naturbild und eben kein Weltbild. Dazu betonte Lesch:

„Gott kann in schwierigen Situationen enorm helfen.“

Mit Blick auf diejenigen, die den Glauben an Gott als naiv abtun, erklärte der renommierte Astrophysiker weiter:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass jene, die solche Positionen einnehmen, ohne starke Bindungen vor sich hin leben. Aber es gibt einen existenziellen Rand und Grund, und wer den mal berührt hat, vielleicht ohne es zu wollen, der stellt fest, dass die Welt, in der wir leben, ein außerordentlich dünnes Eis ist, und dass wir immer Hilfe brauchen.“

In einer Podiumsdiskussion mit dem Philosophen Wilhelm Vossenkuhl, bei dem Lesch, der selbst Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München ist, in die Lehre ging, verdeutlichten Vossenkuhl wie Lesch nach einer entsprechenden Frage aus dem Publikum die Grenzen des oft selbstsicher dargelegten atheistischen Weltbildes von Wissenschaftlern wie etwa Richard Dawkins oder Stephen Hawking. Während Vossenkuhl sehr leger antwortete und den Atheismus als „irgendwie o.k.“ aber „viel zu fromm und gläubig“ erklärte, reagierte Lesch emotionaler. Er verwies als Astrophysiker darauf, zu beachten, wo die Grenzen der Naturwissenschaften liegen, und zu überprüfen, wann es sich um transzendente Aussagen handelt. Dabei sprach er von einem großen „Kategorienfehler“ in den Büchern von Dawkins und Hawking, wenn diese ihre wissenschaftliche Kompetenz mit Aussagen zu Gott vermischen. Als Philosophielehrer kritisierte er, dass in deren Büchern zunächst wissenschaftliche Erkenntnis populär dargestellt werde, es dann aber problematische werde, wenn sie sich aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz zu Gott äußern. Dazu erklärte Lesch:

„Aus den Wissenschaften ist Gott weder abzuleiten noch abzustreiten. Gott ist überhaupt kein Thema in den Wissenschaften. Das heißt, wenn man publiziert unter dem Namen eines Biologen oder Physikers, dann sollte man direkt am Anfang des Buches schreiben: ‚You are leaving the biological or physical sector of this book.'“

Er habe ein „großes Problem“ damit, wenn Naturwissenschaftler aufgrund ihrer Kompetenz, etwas über den Anfang des Universums sagen zu können, so tun, als könnten sie über Begriffe reden, die mit ihrer Wissenschaft nichts zu tun haben. Sie sollten klarstellen, „dass das, was sie da sagen über Gott oder die Welt, mit ihrer Wissenschaft nichts zu tun hat“, so Lesch. In diesem Zusammenhang riet er, zunächst einmal bei einem Theologen oder Philosophen in die Lehre zu gehen.

So vertrat etwa Stephen Hawking die Meinung, dass Gott ein Name für das sei, was wir nicht verstehen. Diese Ansicht ist aber nun an keiner Stelle der Bibel zu finden. Theologen haben ein anderes Gottesbild. So betitelte etwa Papst Benedikt XVI. seine Enzyklica über Gott mit „Deus caritas est“ („Gott ist Liebe“).

Im Jahr 2010 bekannte sich Harald Lesch im beeindruckenden Interview mit dem christlichen Medienmagazin Pro, in dem er sich als „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle“ bezeichnete, ausführlicher zu seinem christlichen Glauben und ging dabei auch auf sein Gottesbild ein. So erklärte er sein Interesse für die Beschäftigung mit der Frage nach Gott u.a. wie folgt:

„Unser Erkenntnisapparat ist von einer solchen Möglichkeitsbreite, wie es für unser Überleben eigentlich gar nicht notwendig wäre. Das wirft natürlich schon die Frage auf, inwieweit wir mehr sind als nur die Summe unserer Teile. Wir sind offenbar deutlich mehr als nur Substanz. Natürlich stellt sich bei alledem immer wieder die Gottesfrage.“

Weiter äußerte er sich zu seinem Gottesbild. Dazu sagte Harald Lesch u.a., dass er zum „gewollt sein“ tendiere, was er zum einen mit der Erkenntnis begründete, „dass die Welt so fein abgestimmt ist, dass wir überhaupt existieren“ und zum anderen mit der Erfahrung, dass man „sich ja sehr wohl in der Welt“ fühle und merken könne, „dass man gut aufgehoben ist“. Näherhin betonte Lesch:

„Unser christliches Gottesbild ist ja ein sehr personales, dem ich persönlich auch anhänge.“

Dazu erklärte er weiterhin:

„Mein Glaube ist ein sehr naiver, durch den Konfirmationsunterricht angetriebener, fröhlicher Glaube.“

Gotte habe uns mit einem freien Willen geschaffen, was eben auch die Freiheit beinhalte, sich „für oder gegen ihn“ zu entscheiden. An einen „strafenden, ewig zornigen“ Gott glaube er indes nicht. Vielmehr betonte er:

„Ich bin eher ein Freund des Neuen Testaments, das ich für mich in dem einen Satz zusammenfassen kann: ‚Fürchtet euch nicht‘.“

In diesem Zusammenhang verwies er auf die Lebensrelevanz der Bergpredigt.

Bei der Frage nach Gott bleibe schlussendlich die Glaubensentscheidung für oder gegen ihn. Diesbezüglich zeigte sich Lesch im Pro-Interview 2010 sehr glücklich über seine Entscheidung, was er wie folgt ausdrückte:

„Ich denke, dass jeder von uns auch die Summe seiner Erfahrung ist. Für mich war es nie eine Frage, und die atheistische Weltsicht hat sich nie so herangedrängt, dass ich von meinem fröhlichen Protestant-Sein auch nur eine Sekunde weggekommen wäre.“

Auch damals zeigte sich Harald Lesch wie bei der späteren Podiumsdiskussion mit Wilhelm Vossenkuhl davon erheitert, dass viele Menschen „oft“ Astrophysiker nach Gott fragen. Genauso gut könne man „seinen Bäcker oder seinen Tankwart“ nach Gott fragen. Dieses Phänomen erklärt sich Lesch mit der Annahme, „dass viele Menschen glauben, Gott sei irgendwo ganz anders, vielleicht Millionen von Lichtjahren weit weg, und die Astrophysiker würden ihn da sehen“. Dies könne er hingegen „nicht so richtig“ verstehen, denn:

„Ich habe in meinem Konfirmandenunterricht – und mein Glaube ist ein einfacher Konfirmanden-Glaube –  von einem anderen Gott gehört als von diesem kosmisch weit Entfernten.“

 

Im YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“ ging Harald Lesch in einem bemerkenswerten Beitrag auf die Zuschauerfrage ein, ob es Gott aus wissenschaftlicher Perspektive geben könne. Dabei erklärte er abermals, dass uns die Wissenschaften bei dieser Frage nicht weiterhelfen könne, weil sie „gott-frei“ seien, was aber nicht bedeute, dass sie „gott-los“ sind. Auch näherte er sich der Gottesfrage aus philosophischer Perspektive und vermittelte schlussendlich die Erkenntnis, dass die Frage nach Gott eine Glaubensfrage bleibe.

Dabei verwies Harald Lesch aber darauf, dass es doch „interessant“ sei, dass man von denjenigen, die an Gott glauben, „eine ganze Menge“ lernen könne. In diesem Zusammenhang zeigte sich der „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle“ von Papst Franziskus beeindruckt:

„Wenn er [Papst Franziskus] der Vertreter Christi auf Erden ist, dann muss ich sagen: Christus ist ein Hammertyp, denn Papst Franziskus ist schon ein Granaten-Man.“

Und weiter:

„Das ist wirklich großartig. Was Papst Franziskus leistet, ist ganz große Klasse, nicht nur für die Christen auf dieser Welt, sondern für alle. Weil er Punkte anspricht, die für uns alle lebenswichtig sind.“

Dabei zeigte sich Lesch von Stellungnahmen von Franziskus zu ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen beeindruckt. Weiter betonte er, dass „in Zeiten der Selbstoptimierung, wo alle möglichen Leute, alle möglichen Geräte an sich tragen, wo Schritte gezählt werden, das Gewicht und die zu sich genommen Kalorien gemessen werden“, Papst Franziskus diesem Effizienzdenken ein Jahr der Barmherzigkeit entgegensetzt und im Zuge dessen auch darauf verweist, dass hierzu nicht nur die Barmherzigkeit gegenüber anderen zähle, sondern auch die Barmherzigkeit gegenüber sich selbst. Dies bewog Harald Lesch zu folgendem Resumee:

„Wenn es Gott nicht gibt, dann sollte man ihn erfinden.“

Quellen: fr.de, giessener-allgemeine.de, pro-medienmagazin.de

 

Hier die im Artikel beschriebenen YouTube-Clips zu Glaubensaussagen von Harald Lesch: