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In seiner Predigt zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 10, 46-52) über den blinden Bartimäus unterscheidet Pfarrer Christoph Kreitmeir zwischen Menschen, die andere ermutigen, und solche, die alles blockieren. Dabei legt er auch mit einem kritischen Blick auf unsere Kirche den Finger in die eigene Wunde. Besorgt zeigt sich Kreitmeir vor Leuten im Umkreis von Jesus, die Menschen durch ihr Verhalten und Selbstgerechtigkeit davon abhalten, sich Jesus zu nähern bzw. durch Vertrauensmissbrauch für immer von Jesus weghalten. Mit Blick auf das Evangelium vom blinden Bartimäus formuliert Christoph Kreitmeir die Marschroute: Weg von den Blockierern und Vertuschern hin zu den Ermutigern im Namen Jesu!

Hier die Worte vom Autor und Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir zum heutigen Sonntagsevangelium:

Manchen Menschen gehen erst spät die Augen auf, wie z.B. unserer Bundesregierung, die auf einmal zu merken scheint, dass die Regierung von Saudi Arabien nicht aus Heiligen besteht, sondern diese gerne hofierten wirtschaftlich überaus reichen Partner, die man sehr gerne mit deutschen Waffen beliefert auch über Leichen gehen, wie uns die Berichterstattung der letzten Tage zeigte.

Ach ja, es ist so eine Sache mit dem genauen Hinsehen … und dem Wegschauen.

Wie gut tut da einem die Erinnerung an den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, der bei einem offiziellen Besuch in Saudi Arabien nicht die Honoratioren begrüßte, sondern die, die für das Staatsbankett zuständig waren. Er begrüßte die Köche und nicht die Regierungsoberen … und das tat er bewusst und mit einem schelmischen Augenzwinkern.

Das Richtig-Hinsehen will gelernt sein, überhaupt das Sehen-können.

Bartimäus, die Hauptperson unseres heutigen Evangeliums, wollte sehen können. Und er gab keine Ruhe, diesen Wunsch beim Vorbeigehen von Jesus zu äußern, ja herauszuschreien.

Einige Leute – immer wieder die Leute -, die einem umgeben, also, die Leute, die Bartimäus umgeben, wollen ihn zurückweisen, ihn mundtot machen.

Also nicht nur blind soll er bleiben, er soll auch sein Maul halten und sich mit seinen aufdringlichen Wünschen zurückhalten. Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder sich so benehmen würde wie dieser Blinde da?

Doch nicht mit Jesus!

ER hält inne, wendet sich an die Umstehenden und sagt, dass sie Bartimäus herrufen sollen. Und einige tun es und ermuntern Bartimäus sogar, sich an Jesus zu wenden. Er wirft seinen Schutz, den Mantel weg, und läuft auf Jesus zu. Dieser wendet sich dem Blinden zu und frägt ihn ausdrücklich: Was soll ich dir tun?

Immer, wenn ich das lese oder höre, stolpere ich gleichsam darüber.
Warum frägt Jesus ihn, wo es doch so offensichtlich ist, dass das Sehen, eigentlich genauer das Wieder-Sehen-können sein größter Wunsch ist?

Jesus macht dabei Bartimäus nicht zum Objekt seiner Fürsorge, sondern der Blinde darf Subjekt bleiben mit seinem tiefsten Wunsch:

„Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.“ Er sagt nicht Rabbi, er sagt Rabbuni, was eine Ehrer-bietung darstellt und einen persönlichen Bezug zwischen Bittsteller und Rabbi darstellt.

Nicht nur die Heilung des blinden Bartimäus ist in dieser Geschichte wichtig, wichtig sind auch Aussagen, wie „Dein Glaube hat dir letztlich geholfen“ oder das fast kindliche Vertrauen des Blinden, von Jesus geheilt werden zu können.

Für mich ist aber auch der Blick auf die Menschen wichtig, die bei diesem Geschehen dabei sind.

Da sind die, die Bartimäus hindern wollen und da sind die, die ihn ermutigen…

Immer wieder begegnen auch uns Menschen, die sich an der Kirche und ihren Vertretern stoßen. Jesus – für sich allein genommen -, damit käme man gut zurecht. Aber die Leute in seinem Umfeld? Das Bodenpersonal Gottes? Gott sei es geklagt – und nicht selten stimmt es ja auch … leider. Und das scheint manchem ein unüberwindliches Hindernis, sich Jesus zu nähern. Sie lassen sich von diesen Leuten abhalten, mit Jesus in Kontakt zu kommen.

Der blinde Bartimäus im heutigen Evangelium könnte gleichsam ein Patron für solche Menschen werden, die sich am Bodenpersonal Gottes stoßen.

Denn an ihm wird deutlich, dass nichts und niemand – selbst ein Jünger Jesu – letztlich die Begegnung mit Jesus verhindern kann. Bartimäus fordert ziemlich hartnäckig eine Begegnung mit Jesus. Und er gibt keine Ruhe, bis er Jesus gegenübersteht.

Lassen wir uns doch von seinem Glauben anstecken. Lassen wir uns von seiner Überzeugung leiten, dass es gut und heilsam ist, in Gottes Nähe zu kommen. Und halten wir uns an die Menschen, die uns ermutigen und sagen: ‚Hab Mut, steh auf, er ruft dich.‘

Amen.

 

Christoph Kreitmeir ist geistlicher Begleiter von PromisGlauben. Mehr über ihn und Impulse von ihm gibt’s HIER

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