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Zum heutigen Sonntagsevangelium (Joh 21, 1-19) liefert unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir einen Impuls mit Seelennahrung.

Hier die Worte seiner Predigt

Wer kennt das nicht? Im Laufe des Lebens gibt es Zeiten, wo nichts vorangeht, wo alles, was man tut, irgendwie nicht gelingen will und man so nach und nach lustloser und frustrierter wird, sich wie eine träge Raupe durch´s Leben schleppt.

Die Raupe hat es da wohl besser als wir Menschen, denn sie macht sich wohl keine Gedanken darüber, was aus ihr noch so werden könnte, sie krabbelt und frisst und frisst und krabbelt.

Wir Menschen brauchen etwas, was uns nicht nur leben lässt, sondern welches uns einen Sinn gibt, damit wir jeden Tag immer wieder neu JA zum Leben sagen können.

Ohne Motivation geht uns der Treibstoff aus, wir schleppen uns nur noch dahin und vegetieren so vor uns hin. Wir benötigen das innere Bild des Schmetterlings in uns, der aus einer Raupe entstehen will …

Simon Petrus und einige andere Jünger hatten die Vision von Schönem und Schmetterlingsgleichem in ihrem Leben nach der Katastrophe der Kreuzigung ihres Herrn und Meisters von Jerusalem verloren. Sie sind frustriert an den Ort zurückgekehrt, wo ER sie damals berufen hatte. Wie hatte diese Begegnung mit ihm damals ihr Leben doch verändert. Sie ließen alles stehen und liegen und folgten ihm durch viele Dörfer und Städte. Dabei lernten sie nicht nur ihn, sondern auch sich selbst und die ungeahnten Möglichkeiten ihres Lebens immer besser kennen. UND sie erfuhren von Dingen über den Sinn des Lebens, über Gott, über die Wirkung der Liebe, dass ihnen Hören und Staunen verging. Ach ja …

Und jetzt, jetzt … ist alles dahin. Das tun, was man halt kennt und kann: Fischen. Aber es funktioniert nicht. Sie fangen nichts. Alles ist sinn- und freudlos geworden …

Und dann – eines Tages – bricht der Morgen in ihrer Seele an. Durch die Dunkelheit hindurch, nach dem Sich-dahin-schleppen kommt ER zurück in ihr Leben, ganz anders als früher, aber doch so bekannt und so geliebt, dass sie neue Motivation für ihr Tun bekommen. Nicht nur, dass sie auf einmal höchst erfolgreich beim Fischen waren, sondern sie lernen wieder Neues und Entscheidendes hinzu. Der Urtyp der Jünger, Petrus, erfuhr durch den auferstandenen Jesus eine Lektion, die er nie mehr vergessen sollte.

„Liebst du mich?“ – Wenn einem diese Frage mit einem ernsten Blick in die Augen gestellt wird, dann geht sie tief rein. Wenn sie aber dreimal gestellt wird, dann hinterlässt sie nicht nur Nachdenklichkeit, sondern auch eine gewisse Art von Traurigkeit. „Ich will dich ja lieben, aber ob ich es wirklich kann, das weiß ich letztlich nicht…“

Und diese Unsicherheit in der Kunst des echten Liebens ernüchtert, macht melancholisch und wirklich demütig.

Und genau das benötigt Jesus: nicht vollmundige und selbstbewusste Bekenntnisse, wie „Ich liebe dich bis zum Mond und darüber hinaus …“, sondern vorsichtig-demütig formulierte Sätze, wie „Du weißt doch, dass ich dich liebe … glaube es mir doch bitte.“

Und dann kommt im Gespräch zwischen Petrus und Jesus eine Ansage, die junge Menschen im Innern eigentlich kaum erreicht. Sobald wir aber älter und bedürftiger werden, dann wird diese Aussage zu einer ernüchternden Wahrheit: „Als du noch jung warst, da konntest du tun und lassen, was du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, dann wirst du abhängig von anderen und das wird dir gar nicht gefallen …“

Im Leben von uns Menschen geht es immer wieder um das Einüben von wichtigen inneren Haltungen wie Geduld, Loslassen und vor allem Vertrauen.

Nur, wer gelernt hat, sein Selbstvertrauen mit gutem Gottvertrauen immer wieder in Einklang zu bringen, der wird – komme, was wolle, – auch fähig werden, anderen zu vertrauen. Kurt Weigel bringt dies in gute Worte, die ich gerne an Sie weitergeben möchte:

AUF DICH

Herr,
ich soll mich auf Dich verlassen.
Könnte ich mich sonst
Christ nennen?

Herr,
ich kann mich auf Dich verlassen.
Könnte ich mich sonst
ruhig schlafen legen?

Herr,
ich muss mich auf Dich verlassen.
Könnte ich sonst
den nächsten Tag bestehen?

Herr,
ich darf mich auf Dich verlassen.
Könnte ich sonst
den Menschen trauen?

Herr,
ich werde mich auf Dich verlassen.
Könnte ich sonst
auf Leben hoffen?

Herr,
verlasse mich nicht,
auch wenn ich Dich verlassen sollte!

Amen.

 

Mehr Gedanken und Impulse von unserem geistlichen Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s auf seiner Webseite HIER