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In seiner Auslegung zur heutigen Sonntagslesung und zum heutigen Sonntagsevangelium „Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus“ (Lk 16, 19-31) geht der Bestsellerautor und Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler auf den hohen Anspruch Jesu ein, der im Evangelium insbesondere an die Menschen gerichtet ist, die wir auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Hier der Impuls mit dem Titel „Barmherzige Reiche“, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Lesung (Prophet Amos) und Evangelium können einem so richtig Angst machen. Man muss sich schon die ganze Dramatik und Wucht, mit denen sowohl der Prophet Amos („Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen, salbt euch mit dem feinsten Öl und sorgt euch nicht über den Untergang der anderen.“) wie auch das Gleichnis Jesu von Nazareth („…ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.„) hier Gesellschafts- und Religionskritik betreiben, zu Herzen gehen lassen.

Da wird er Finger gnadenlos in die Wunde gelegt: Hier der Reiche, der nur sich im Blick hat, und dort der Arme, der elendig vor sich hin krepiert. Wehe wenn da mal die Rechnung serviert wird!

Die Erzählung vom reichen Mann und vom armen Lazarus liest sich ja so schön und ist so unheimlich anschaulich, aber eben nur solange, als sie als Geschichte ganz weit weg von uns ist und schon gar nichts mit uns zu tun hat.

Aber was, wenn man sie an sich rankommen lässt? Dann wird’s auf einmal bedrohlich. Denn gemessen an der absoluten Mehrzahl der Menschen dieser Erde gehören wir definitiv zu den Reichen und Wohlhabenden, zu denen, deren Wohlstand auch auf dem Rücken der Ärmsten der Armen begründet ist. Was haben wir jetzt zu erwarten?

Das Evangelium verurteilt nicht den Reichtum, sondern appelliert an die Verantwortung des Reichen:

Wenn wir also schon zu den Reichen gehören, somit zu denen, die auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden, denen Dinge ermöglicht wurden, von denen fast alle nur zu träumen vermögen, dann bleiben wir wenigstens barmherzig, aus fester Überzeugung heraus.

Weil wir das so wollen und nicht bloß aus Angst vor der großen Schlussrechnung!

So viele tun es mit großem Erfolg: Sie lassen sich anrühren von der Not der anderen und betrachten das, was uns geschenkt wurde, lediglich als geliehen, um es für alle einzusetzen, um Anderen beizustehen, damit es am Ende allen zu Gute zu kommen kann.

Das ist die große Einladung: Als barmherzige Reiche leben können, als Menschen, die Mitmenschlichkeit leben, aus vollstem Herzen und wirklichem, innersten Bedürfnis.

 

Eine weitere starke Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium von Pfarrer Christian Olding mit dem Titel „Hinter’m Horizont geht’s weiter“ gibt‘ unter

katholisch.de

 

Einen Klasse-Auftritt legte Pfarrer Schießler indes vor kurzem in der BR-Show Ringlstetter hin: