Winfried Kretschmann: „Der Glaube macht mich frei“
Nach 15 Jahren wurde der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann vergangene Woche offiziell verabschiedet (siehe HIER). Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen sprach der scheidende Landesvater über seinen Abschied aus der Politik, seinen christlichen Glauben und seinen Blick auf den Tod.
Winfried Kretschmann berichtete, dass er mit dem Gedanken gespielt habe, nach 46 Jahren Politikerleben nochmal Philosophie oder Theologie zu studieren. Von dieser Idee sei er aber dann doch abgekommen, was der 77-Jährige wie folgt begründet:
„Meine Sommer sind gezählt, und ich muss mich jetzt, mal pathetisch gesagt, ja eher auf den Tod vorbereiten.“
Das bedeute für ihn, „Schritt für Schritt loszulassen von der vita activa und in die vita contemplativa zu wechseln“, schildert Kretschmann und erklärt dazu:
„Als Christ habe ich keine Angst vor dem Tod. Wer an Gott glaubt und an die Hoffnung der Auferstehung, der kann dem Tod ins Gesicht schauen, ohne wegzugucken.“
Seinen Glauben beschreibt Kretschmann im FAS-Interview als grundlegendes Fundament, aus dem er auch in seinem Berufsleben Orientierung bezog. Sein Glaube mache ihn frei und befreie ihn „von tiefen Ängsten, auch vor Versagensängsten“, so Kretschmann. Im Bewusstsein, dass man als Politiker immer scheitern könne, helfe ihm das Bewusstsein, „dass ich vor Gott nicht scheitere“, erklärt der 77-Jährige und betont weiter:
„Dieser Glaube hat etwas Befreiendes. Man hat die Gewissheit, man stürzt nicht in den Abgrund.“
Im Lauf seines Lebens änderte sich seine Perspektive auf den Glauben, was der 77-Jährige wie folgt beschreibt:
„Wenn man älter wird, beschäftigt man sich mehr mit Gott als mit Kirchenstrukturen.“
Zudem schildert Kretschmann, dass ihm mit dem Älterwerden die Verbindung von seinem Glauben mit einer empfundenen Grunddankbarkeit bewusster geworden ist und er zur Erkenntnis kam:
„Ohne eine Grunddankbarkeit kann man einfach nicht zufrieden sein, das ist völlig unmöglich.“
Quelle: faz.net



