Yemisi Mabry: Am Ende ist der Glaube für mich das Fundament für alles

Die Kugelstoßerin Yemisi Mabry, die bei den Olympischen Spielen 2024 noch unter ihrem Geburtsnamen Yemisi Ogunleye antrat, gewann vor zwei Jahren in Paris überraschend Gold für Deutschland. Hinter diesem Erfolg steht ein Lebensweg, der von Rassismus, Selbstzweifeln und schweren Verletzungen geprägt ist. Halt fand sie im christlichen Glauben. Aktuell sprach die 27-Jährige in der ZDF-Doku „37 Grad – Das Gold ihres Lebens“, wie sie durch ihren Glauben Mut schöpfte.

Wie das ZDF in seiner Dokumentation berichtet, ging Mabry als Außenseiterin in das Finale im Kugelstoßen bei Olympia 2024 vor rund 80.000 Zuschauern. Gleich beim ersten Versuch stürzte sie. Vor ihrem sechsten und letzten Stoß lag sie mit 19,50 Metern auf dem zweiten Platz. Dann erreichte sie genau 20 Meter und wurde Olympiasiegerin.

Sie habe in ihrem Leben häufig erfahren, wie es sei, zu fallen und wieder aufzustehen. Das Gospellied „I Almost Let Go“ steht für sie sinnbildlich für das Überwinden von Ängsten und Zweifeln. Es handelt von einem Menschen, der beinahe aufgegeben hätte, aber von Gott gehalten und bewahrt worden sei.

Unmittelbar nach ihrem Olympiasieg bekannte sich Yemisi offen zu ihrem Glauben (wir berichteten). Bei der anschließenden Pressekonferenz sang sie spontan einige Zeilen aus „I Almost Let Go“. In der ZDF-Dokumentation erzählt sie, dass das Lied nicht nur zum Soundtrack ihres Olympiasiegs, sondern auch zu einem Sinnbild ihres bisherigen Lebens wurde. Denn gerade auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs erinnerte sie sich an schwere Phasen ihrer Kindheit. Wie Mabry weiter berichtet, wurde sie wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Nase, ihrer Körpergröße und ihres Aussehens beleidigt. Sie wuchs in der Pfalz auf und war in ihrer Umgebung häufig das einzige schwarze Kind. Besonders verletzend war für sie das Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“. Wegen ihrer Hautfarbe sollte sie dabei immer die Person in der Mitte darstellen. Die wiederholten Kränkungen führten dazu, dass sie stiller wurde, sich in der Schule verschlechterte und die abwertenden Aussagen der anderen zunehmend selbst glaubte.

Zeitweise entwickelte Mabry sogar Suizidgedanken. Lange sprach sie mit niemandem über ihre Traurigkeit. Eine entscheidende Veränderung begann, als sich eine Jugendleiterin ihrer Kirchengemeinde für sie interessierte. Mabry war etwa zwölf Jahre alt, als sie sich ihr erstmals öffnete. Die Jugendleiterin hatte ähnliche Erfahrungen gemacht und vermittelte ihr eine neue Sicht auf sich selbst: „Du bist geliebt und Gott hat einen Plan für dich. Seine Liebe ist bedingungslos.“

Wie die ZDF-Reportage verdeutlicht, fand Mabry dadurch im christlichen Glauben einen Halt, der den verletzenden Aussagen ihrer Mitschüler widersprach. Ihr Wert sollte nicht davon abhängen, wie andere Menschen ihre Hautfarbe, ihr Aussehen oder ihre Fähigkeiten beurteilten.

Wie Aussicht.online berichtet, wurde die Überzeugung, nicht erst durch besondere Leistungen wertvoll zu werden, zu einem zentralen Bestandteil ihres Glaubens. Mabry erklärt:

„Gott schaut nicht auf Leistung. Er liebt mich so, wie ich bin.“

Ihre Gemeinde Christ Gospel City in Karlsruhe ist für sie ein Ort, an dem sie unabhängig von ihrer Goldmedaille und ihrem öffentlichen Ansehen angenommen wird. Heute fühlt sich die Leichtathletin von Gott begleitet, was sie wie folgt darlegt:

„Ich lebe mit Gott. Ich weiß ihn immer an meiner Seite.“

 

Im aktuellen Interview mit teleschau.de beschreibt Mabry ihren Glauben nicht lediglich als Zugehörigkeit zu einer Kirche, sondern als persönliche Beziehung zu Gott. Die Bibel sei für sie kein überholtes Buch. Durch ihre Geschichten lerne sie, wer Gott und Jesus sind. Der Glaube habe ihr außerdem geholfen, selbst alltägliche Dinge wie das Atmen, Essen und Bewegen nicht als selbstverständlich anzusehen. Welche Bedeutung der Glaube für ihr gesamtes Leben besitzt, fasst Mabry gegenüber teleschau.de so zusammen:

„Am Ende ist der Glaube für mich das Fundament für alles: für meine Beziehungen, für meinen Sport, für das Leben selbst.“

 

Mabry hat Sonderpädagogik studiert und möchte ihre Erfahrungen nutzen, um anderen Menschen Mut zu machen. Ihr Weg zeigt, wie tief Mobbing und Ausgrenzung verletzen können – aber auch, welche Bedeutung ein Mensch haben kann, der zuhört und einem Kind vermittelt, dass es geliebt und wertvoll ist. Die Goldmedaille von Paris bleibt ein außergewöhnlicher Erfolg. Der tiefere Grund ihres Lebens liegt für Yemisi Mabry jedoch nicht in einer Medaille. Ihr Glaube gibt ihr die Gewissheit, auch in Zeiten von Zweifeln, Verletzungen und Rückschlägen von Gott getragen zu sein.

 

Quellen: zdf.de, aussicht.online.de, promisglauben.de, stern.de