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In seiner Auslegung zum Evangelium vom vergangenen Sonntag von den klugen und den törichten Jungfrauen (Mt 25, 1-13) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor vier Tugenden des Glaubens: Geduld, Beständigkeit, Treue und Wachsamkeit.

Hier die Worte seiner Predigt mit dem Titel „Notwendige Unbequeme Tugenden“:

Im Sommer war im Radio zu hören, dass berechnet wurde, wieviel Zeit im Leben ein Mensch durchschnittlich mit Warten verbringt. Die genaue Zahl weiß ich nicht mehr, aber es waren viele Stunden, die da zusammenkamen.

Viel Zeit verbringen wir mit Warten. Und dennoch tun wir es sehr ungern. Warten bringt nichts, ist verlorene Zeit.

Wir lassen uns hetzen von Ungeduld, vom Drang nach Nützlichkeit und Effektivität.

Jede Minute unseres Lebens muss sinnvoll ausgefüllt sein, am besten noch finanziell rentabel. Warten und Nichtstun bringen nichts, sind verlorene Zeit.

Doch ist gerade die beim Warten notwendige Geduld eine Tugend des Glaubens.

In manchen Gleichnissen spricht Jesus davon, z. B. im Gleichnis vom Wachsen der Saat, das man nicht beschleunigen kann. Der Bauer muss geduldig warten, bis die Zeit der Ernte da ist.

Auch die Jungfrauen im heutigen Evangelium müssen warten. Sie müssen warten, bis der Bräutigam kommt, damit sie ihn in den Hochzeitssaal begleiten können. Das kann manchmal lange dauern, im Gleichnis sogar bis Mitternacht. Wenn es dann so weit ist und der Bräutigam kommt, heißt es bereit zu sein, um dem Bräutigam mit den Lampen entgegengehen zu können.

Nun sind da die fünf törichten Jungfrauen, die kein Öl mitgenommen haben. Offenbar waren sie zu bequem, die Ölkannen mitzutragen, in der Hoffnung, dass das Öl in den Lampen schon reichen wird.

Die fünf Klugen dagegen denken und handeln vorausschauend. Es könnte lange dauern bis der Bräutigam kommt. Also nehmen sie die Mühe auf sich, auch Kannen mit Öl mitzutragen. Als dann der Bräutigam kommt, hat sich die Mühe für sie gelohnt. Sie sind bereit und haben genügend Öl, um den Bräutigam mit brennende Lampen in den Hochzeitssaal zu begleiten. Die anderen kommen zu spät.

Das vorausschauende Denken und Handeln der klugen Jungfrauen macht deutlich, dass neben der Geduld auch Beständigkeit und Treue Tugenden des Glaubens sind.

In den törichten Jungfrauen sehe ich Menschen, die im Leben und im Glauben alles einfach und bequem haben wollen. Es soll so sein, wie es mir gerade angenehm ist und keine Mühe und Anstrengung kostet. Wenn es ihnen schlecht geht oder sie ein Problem haben, beten sie zu Gott, er soll dafür sorgen, dass es ihnen besser geht und das Problem gelöst wird. Am besten schnell und ohne, dass sich bei ihnen etwas ändern muss. Wenn es dann nicht so kommt, sind sie von Gott enttäuscht, halten sie nicht mehr viel vom Glauben und stimmen ein in das Schimpfen auf die Kirche.

In den klugen Jungfrauen sehe ich Menschen, die verstanden haben, dass zum Glauben Beständigkeit und Treue gehören. Sie wissen, dass die Saat des Betens langsam wächst und oft ganz andere Früchte hervorbringt, als sie es erwartet haben. Sie haben Geduld mit Gott und sind offen für das Neue und Überraschende in seinem Wirken und können so offen sein für Veränderungen in ihrem Leben und ihrem Glauben, in ihrer Beziehung zu Gott.

Am Ende mahnt Jesus zur Wachsamkeit, neben der Geduld, der Beständigkeit und Treue eine weitere wichtige Tugend des Glaubens.

Nicht nur am Ende des Lebens sollen wir wach und bereit sein für das Kommen des Herrn, sondern an jedem Tag unseres Lebens. Er kommt auf uns zu in den Menschen, die uns begegnen, in Situationen und Ereignissen, auch in schwierigen und belastenden.

Wo wir wach und aufmerksam für sein Da-Sein und Mit-Gehen sind, kann er uns helfen, an Schwierigem und Belastendem nicht zu zerbrechen, sondern es zu bewältigen.

So lehrt uns das Gleichnis, wie wichtig es ist, geduldig, beständig, treu und wachsam mit dem Öl des Gottvertrauens und der Glaubensfreude in den Lampen des Lebens dem Herrn entgegenzugehen, an jedem Tag unseres Lebens und einmal auch am Ende des Lebens.

Amen.