Foto: privat (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seinem Samstagsimpuls zum Sonntagsevangelium plädiert Pfarrer Rainer Maria Schießler angesichts der Situation der Kirche in der heutigen Zeit den Blick auf Jesus zu richten sowie von der christlichen Urgemeinde zu lernen.

Hier (mit freundlicher Genehmigung) sein Impuls mit dem Titel „Nur wo der Widerspruch sich regt, wird Neues in der Welt bewegt“, den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

In der ersten christlichen Gemeinde gab es einen (vielleicht) ersten, schweren Konflikt. Eine Minderheit fühlt sich benachteiligt, will aber nicht schmollen und leiden, sondern erhebt offen Einspruch. Die Gemeinschaft findet die Lösung in den sieben Diakonen, sichert so der frühen Kirche einen neuen Dienst und schafft damit ein neues Amt.

Heute können Gemeinden nicht mehr wie gewohnt seelsorgerlich versorgt werden.

Es bräuchte eigentlich gar nicht allzu viel Phantasie, nur ein wenig Risikobereitschaft, um zu besseren Lösungen zu kommen.

Die Urkirche hatte noch diesen Mut, das Wagnis, einen neuen Weg zu gehen.

Auslöser der Veränderung war und ist der Widerspruch, der nichts Negatives sein will, sondern etwas Kostbares, Mutiges.

Er findet sich nicht einfach mit Tatsachen ab, denn sonst werden diese zu Sachzwängen und damit die Sachen gezwungenermaßen wichtiger als der Mensch.

Darum muss sich Widerspruch regen, denn Widerspruch ist Energie, Leben und Wachstum.

Widerspruchloses Abnicken aber bringt nur Erstarrung und Tod.

Auch Jesus war kein frommer Harmonisierer, sondern lebendiger Widerspruch.

Konsequent wandte er sich dem Menschen zu, stellte sie in ihren Systemen in Frage, hat gestört und verstört und war so höchst unbequem und gefährlich für das politisch-religiöse System.

In der Kirche wird Widerspruch gerne nur als etwas Negatives diffamiert.

Aber nur wo Nein gesagt werden kann, ist auch ein ernsthaftes Ja möglich, bleiben wir offen für Neues, Ungewohntes, was uns vorwärtsbringen will und kann.

Widerspruch ist nicht einfach ein Hemmschuh, sondern er unterbricht, betrachtet eine Situation neu, um dann vielleicht auch einen noch unbekannten Weg zu gehen.

Ohne Widerspruch wäre die Urkirche damals zerbrochen, zu einer Sekte unbeweglicher Menschen verkommen. Der Widerspruch der Benachteiligten aber hat die Gemeinde offen gemacht für alle Zeiten.

Ohne den Dienst des Diakons ist eine Kirche seitdem unvorstellbar. Genauso wenig gäbe es diese Kirche heute in unserer Welt ohne den sozialen und solidarischen Aspekt des Diakonats.

Widerspruch muss also nicht zwingend zerstören, sondern kann zu Lösungen führen, die oft weit besser sind als das ewige „Weiter so!“ in den gewohnten Gleisen.