Foto: PromisGlauben e.V.

Prof. Dr. Claus Hipp: „Wir Menschen brauchen die Orientierung an Gott“

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Seit über 60 Jahren steht der Name HiPP für ökologischen Landbau und nachhaltige Werte. Wir wollten mehr über den Menschen erfahren, der hinter dieser Erfolgsgeschichte steckt, und trafen den Bio-Pionier Prof. Dr. Claus Hipp im Firmensitz von HiPP im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm zum PromisGlauben-Interview. Im Jahr des 75-jährigen Bestehens des Grundgesetzes zeigte sich der 85-jährige Manager, Musiker und Maler im Gespräch mit unserem Chefredakteur Markus Kosian als ein Mensch, für den das Empfinden der Verantwortung vor Gott und den Menschen grundlegend in seinem Denken und Handeln ist.

Im Jahr 1956 begann Claus Hipps Vater Georg Hipp die industrielle Herstellung von Babynahrung in Dosen. Die Begegnung mit dem Schweizer Dr. Hans Müller, Wegbereiter des organisch-biologischen Landbaus, inspirierte ihn zur ökologischen Erzeugung von Obst und Gemüse. Von 1956 an wurden die ersten Rohstoffe für HiPP Produkte auf ökologisch bewirtschafteten Böden angebaut. Nach dem Tod von Georg Hipp übernahm Claus Hipp im Alter von 29 Jahren die Firmenleitung und baute die ökologische Idee des Vaters mehr und mehr aus. Heute wird er als der Bio-Pionier bezeichnet. Unter der Führung der drei Brüder Claus, Georg, und Paulus Hipp entwickelte sich HiPP Babynahrung zu einer der bekanntesten Marken Deutschlands und zum Symbol für eine Wirtschaftsweise, die von ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit geprägt ist. Heute wird das Unternehmen Hipp, das Claus Hipp mittlerweile in die Hände seiner Söhne übergeben hat, von mehr als 8.000 Vertragslandwirten beliefert und ist weltweit einer der größten Verarbeiter von biologischen Rohstoffen (Quelle: hipp.de).

Im PromiGlauben-Interview sprach Prof. Dr. Claus Hipp über die Anfänge des biologischen Landbaus bei HiPP und seine grundlegende Motivation, weit vor der Umweltbewegung seinen Betrieb auf Bio umzustellen. Dazu erklärt er:

„Der saubere Umgang mit der Schöpfung ist das Hauptthema.“

Seit der Kindheit sind für den vielseitig begabten Menschen, der neben seinem Tun als Unternehmer im Münchner Behördenorchester Oboe spielt und als Professor für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Tiflis doziert, der christliche Glaube und die kirchliche Gemeinschaft prägend. So motiviert ihn sein Glauben zu sozialem Engagement u.a. als Schirmherr der Münchner Tafel und zum Erhalt der Wallfahrtskirche Herrnrast. Claus Hipp schilderte wie er das baufällig gewordene Gotteshaus vor dem Verfall bewahrte und die Renovierung, die ab 1973 von Mitarbeitern der Firma HiPP und von Rentnern ehrenamtlich unter Anleitung von Fachfirmen durchgeführt wurde, federführend leitete. Heute beginnt der Bio-Pionier den Tag, in dem er die Wallfahrtskirche Herrnrast aufschließt und dort kurz zum Gebet verweilt. Auch seine Arbeit versteht er im benediktinischem Sinne – „Ora et labora“ – als Gebet, was er wie folgt darlegt:

„Wenn man die Arbeit zur Ehre Gottes macht, dann ist es Gebet.“

So war auch für sein Tun als Manager die Verantwortung vor Gott und den Menschen stets ein wichtiger Gradmesser. Dies motivierte ihn vor Jahren zum Erstellen einer Ethik-Charta, auf die sich die Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden von HiPP berufen können. Dabei ist er sich gewiss, dass die 10 Gebote der Bibel zur Führung eines Unternehmens grundsätzlich ausreichen, was er wie folgt begründet:

„Die 10 Gebote beinhalten alles, was unser Leben ausmacht.“

Die Werte, für die das Unternehmen HiPP steht, werden am deutschen Firmensitz in Pfaffenhofen auch durch Kreuze an den Wänden zum Ausdruck gebracht. Zur dahinter stehenden Einstellung erklärt der Bio-Pionier:

„Es gibt viele Dinge, wo man beten muss und wo die menschliche Kraft nicht ausreicht.“

Dabei sieht der auf der langen Strecke erfolgreiche Manager, dessen Unternehmen heute Marktführer ist, in der Orientierung am christlichen Glauben und den damit verbundenen Werten sogar einen ökonomischen Vorteil, den er folgendermaßen beschreibt:

„Wir können beten und andere bitten, zu beten, dass Dinge gut ausgehen. (…) Das Gebet gibt uns Hoffnung und Vertrauen. Und dadurch sind wir stärker.“

Seinen Glauben pflegt Claus Hipp auch im regelmäßigen Besuch der Heiligen Messe. Noch heute leistet er seinen Dienst als Ministrant und Lektor in der Frühmesse am Sonntag im Münchner Dom. Dazu sagt er:

„Ich mache das sehr gerne und bei aller Bescheidenheit: Das ist mein Platz.“

Den Sonntag begeht er ansonsten als Tag der Rekreation, was er wie folgt zum Ausdruck bringt:

„Der Sonntag ist heilig. Da wird nichts gemacht.“

 

Auch sonst zählen für Claus Hipp grundsätzliche Werte. Wichtig im Leben sind dem fünffachen Familienvater und 19-fachen Großvater seine Familie und anständiges Handeln. Eine ehrbare Kauffrau bzw. einen ehrbaren Kaufmann macht für ihn das Handeln nach dem kategorischen Imperativ aus. Weiter betont der Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern:

„Ehrbar ist der einzige Weg, um auf Dauer Erfolg zu haben.“

Wer  unehrbar agiere, dürfe „irgendwann einmal nicht mehr mitspielen“, fügte er an.

Dem schulischen Religionsunterricht misst Prof. Dr. Claus Hipp eine hohe Bedeutung zu, damit am Ende umfassend gebildete Menschen die Schule verlassen. Dazu betont er:

„Wir Menschen und vor allem auch die jungen Leute brauchen die Orientierung an Gott.“

Weiter erklärt Hipp:

„Nicht der mit der besten Fachausbildung ist wichtig, sondern der gebildete Mensch.“

Claus Hipp ist selbst ein vielseitiger begabter Mensch, der seine Talente auf vielen Gebieten entfaltet (hat). In den Jahren von 1960 bis 1977 war Hipp sogar im Reitsport aktiv und erzielte Siege bei internationalen Sprung- und Military-Turnieren. Irgendwann werde man dafür aber zu alt, erklärt Claus Hipp mit einem Schmunzeln im PromisGlauben-Interview.

Heute ist er ein Mann der „3 Ms“: Manager, Musiker, Maler. Neben seiner beruflichen Karriere als Unternehmer ist Claus Hipp seit 1970 unter seinem Geburts- und Künstlernamen Nikolaus Hipp als freischaffender Künstler tätig. Er ist Musiker und ausgebildeter Maler. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr erhielt er Unterricht in Oboe. Dieses Instrument spielt er im Münchner Behördenorchester. Ab 1959 absolvierte er eine künstlerische Ausbildung an der Münchner Kunstschule und war dort Meisterschüler von Heinrich Kropp. Daneben studierte er Jura.

Seine abstrakten Werke wurden weltweit in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt. Mit seinen Bildern ist er in zahlreichen Sammlungen und Museen vertreten. Seit 2001 ist Claus Hipp ordentlicher Professor an der staatlichen Kunstakademie Tbilisi, Georgien und seit 2018 ordentlicher Professor an der Technischen Universität Tbilisi, Lehrstuhl für Design.

Ein besonderes Werk von ihm hängt im Seitenaltar vom Münchner Dom, mit dem er „das Leben der zukünftigen Welt“ abstrakt zum Ausdruck bringt. Der Künstler veranschaulicht3 unserem Chefredakteur Markus Kosian im Interview den Inhalt des Werkes. Abschließend resümiert er:

„Gott meint es gut mit uns.“

 

Weiter schildert Hipp, dass ihm seine Kreativität auch in der Wirtschaft geholfen habe. Nüchtern stellt er fest:

„Wer neue Ideen hat, kann neue Produkte bringen. Und wer nichts Neues bringt, der wird bald weg sein.“

Als die tragende und Orientierung gebende Komponente in seinem Leben benennt Claus Hipp im Interview immer wieder seinen katholischen Glauben. Die Fähigkeit, an Gott zu glauben, beschreibt er dabei als „Akt des Willens“. Diesbezüglich zeigt er sich überzeugt:

„Wenn einer sagt ‚Ich kann nicht glauben‘, dann kann man nur sagen ‚Du willst nicht glauben‘.“

Er habe in seinem Glauben „keine Tiefen durchlebt“, weil er auch in den Tiefen des Lebens folgendes festgestellt habe:

„Ich habe immer gemerkt, dass es mit Glauben besser geht als ohne. Warum soll man ihn dann weglassen?“

Er sei dankbar, dass ihm der Glaube früh vermittelt wurde, ließ Hipp wissen. Zu seiner Vorstellung von Gott erklärt er, dass Gott für ihn „die Liebe“ ist und „jemand, der es gut mit uns meint“ und der „einfach da“ ist. Grundlegende Orientierung geben ihm die Worte des Apostels Paulus „Blick nach oben, nicht nach unten“ und zwar in dem Sinne:

„Wenn wir immer nur nach unten schauen, nur auf das Materielle, dann geht uns der Blick nach oben verloren.“

Er schaue lieber erst nach oben und sei dann umso dankbarer „für das, was unten liegt“. Dazu betont er:

„Es gibt im Leben nichts Wichtigeres als den Glauben an Gott.“

Dieses Bewusstsein helfe auch, um bei Niederlagen im Leben wieder aufzustehen und weiterzumachen, resümiert Hipp zur Frage nach seiner Message an junge Menschen.

Anbei das Video zu unserem Interview mit Prof. Dr. Claus Hipp:

HIER

 

Wie bedanken uns bei Pfarrer Georg Walch und Ernst Hoffmann für die Organisation dieses Interviews, bei Herrn Clemens von Preysing für die gute Zusammenarbeit und bei Herrn Prof. Dr. Claus Hipp für dieses inspirierende Interview.